Schauplatz mit Vergangenheit
Vogelsang IP im Eifelnationalpark

Der internationale Platz Vogelsang, kurz Vogelsang IP, ist das Zentrum des Nationalparks Eifel und zugleich Schauplatz für ein breites Spektrum an Kultur- und Bildungserlebnissen. So bietet die „Akademie Vogelsang IP“ hier Führungen, Workshops, Vorträge und viele andere Veranstaltungen an. Auf dem Gelände haben sich darüber hinaus ehrenamtliche Initiativen angesiedelt, unter denen die NRW-Stiftung eine Reihe von Partnerprojekten gefunden hat, zu denen man sich anhand der folgenden Verweise weiterklicken kann. Sie rücken einerseits die historische Bedeutung des Ortes, andererseits die Natur in den Mittelpunkt.
Vergangenheit im Blick
Eine fruchtbare Begegnung mit Vogelsang IP ist ohne die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Platzes undenkbar. Denn hoch über dem Urftstausee, um den sich seit 2004 der Eifelnationalpark erstreckt, wurde hier die ehemalige, 1934-36 erbaute NS-Ordensburg Vogelsang neuen Zwecken zugeführt, die mit ihren rund hundert Hektar Fläche zu den größten erhaltenen Baukomplexen aus der Nazizeit zählt. Die vor Ort gezeigte Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ befasst sich mit den jungen Männern, den sogenannten Junkern, die auf der „Burg“ geschult werden sollten, um einmal führende Positionen in der NSDAP zu bekleiden – die aber stattdessen mit Beginn des Zweiten Weltkriegs rasch eingezogen und in vielen Fällen zu Beteiligten an Kriegsverbrechen wurden.
Nach dem Krieg übernahm zunächst britisches und von 1950 bis 2005 belgisches Militär die Anlage, die jetzt als „Camp Vogelsang“ zum Zentrum eines über sechstausend Hektar großen Truppenübungsplatzes wurde. Für das kleine Eifeldorf Wollseifen auf der Dreiborner Hochfläche – unweit von Vogelsang – sollte das schwerwiegende Folgen haben. Mehr darüber erfährt man durch die von der NRW-Stiftung unterstützte Arbeit des „Traditions- und Fördervereins Wollseifen“. Nachdem die Briten das Camp 1950 an Belgien übergeben hatten, kam es auf dem Gelände zur Wiederherstellung einer Reihe kriegsbeschädigter Gebäude, auch der sogenannten Kameradschaftshäuser unterhalb des Hauptbaus. Diese Häuser wurden bis zum Abzug der Belgier als Soldatenunterkünfte genutzt. Heute sind sie teilweise öffentlich zugänglich – zwei davon als Museum zur Geschichte des Roten Kreuzes. In den Jahren 1953/54 errichtete das belgische Militär im Camp zudem ein großes Truppenkino. Als Vogelsang 2006 öffentlich zugänglich wurde, diente das Gebäude zeitweilig als Besucherzentrum. Inzwischen ist es dank der „Film- & Kinofreunde Vogelsang IP“ als „Kulturkino“ wieder zum Veranstaltungsort geworden.
Die Naturvermittlung hat auf Vogelsang zentrale Bedeutung – so in der hier präsentierten Ausstellung „Wildnis(t)räume“. Eigene Wandererlebnisse werden insbesondere durch sogenannte Wildnis-Trails ermöglicht, die den Nationalpark in vier Etappen erschließen. Da letzterer mitten im grenzüberschreitenden deutsch-belgischen Naturpark Hohes Venn-Eifel liegt, kommt für Interessierte zudem eine Begegnung mit NABEAR in Betracht. Hinter der Abkürzung verbirgt sich das von der NRW-Stiftung geförderte „Naturschutz-Bildungshaus Eifel-Ardennen-Region“. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass der Eifelnationalpark einer der wenigen Orte Deutschlands ist, wo die Sterne nachts fast noch so funkeln, als gäbe es weder Neonreklamen noch Scheinwerfer. Die NRW-Stiftung unterstützte daher auch das von vielen Beteiligten getragene Projekt „Unterm Sternenzelt – Eifel bei Nacht“.
Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2024 | Text: Ralf. J. Günther
