Das gelbe Meer der Eifel
Narzissenwiesen im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal

Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an. Streifen Wanderinnen und Wanderer im Sommer durch diese Flusstäler in der Eifel, dann braucht es schon einen besonders geschulten Blick, um die auf den grünen Wiesen zahlreich zu findenden länglichen Blätter als die der Wilden Narzisse zu identifizieren. Im Frühjahr jedoch gibt es keinen Zweifel: Jedes Kind kennt die gelben Blüten, die ihre domestizierten Verwandten auch in Parks und Gärten in den Himmel strecken und die hier, zwischen Hellenthal und Monschau auf beiden Seiten der deutsch-belgischen Grenze zwischen März und Mai gleich millionenfach erblühen.
Den richtigen Zeitpunkt erwischten auch Naturschützende, als sie in den 1970er-Jahren eine ganz andere Situation hier vorfanden. Es war sogar „höchste Zeit“: Die Wilde Narzisse war fast komplett aus den Tälern verschwunden. Statt wie in früheren Zeiten die feuchten Wiesen an den Bachufern extensiv zu bewirtschaften, hatte man hier nach dem 2. Weltkrieg Fichten gepflanzt. Von der forstlichen Nutzung der Flächen versprachen sich die Grundeigentümer mehr Erträge.
Doch die Bäume raubten den Narzissen das Licht, ihre Nadeln ließen den Boden versauern. Immer mehr Blumen verschwanden. Engagierte Naturfreunde machten Loki Schmidt, die Ehefrau von Bundeskanzler Helmut Schmidt, auf die Entwicklung aufmerksam. Mit Erfolg. Ihre Stiftung kaufte gut zwei Hektar Flächen an der Olef. Man fällte die Fichten, entfernte andere standortfremde Pflanzen und nach und nach kam sie wieder – die gelbe Pracht.
Damit erfüllte sich eine Prophezeiung, die Prof. Dr. Wolfgang Schumacher (1944-2023), einer der engagiertesten Naturschützer und langjähriger Vizepräsident der NRW-Stiftung, den ungläubigen Helferinnen und Helfern bei den ersten Rodungen zurief: „Sie werden sehen, hier wachsen Narzissen.“ Schumacher war es auch, der das Thema bei der 1986 gegründeten NRW-Stiftung bald nach ihrer Geburt auf die Agenda hob. Sie erwarb mehr als 70 Hektar weiterer Flächen am Perlenbach – Heimat der selten gewordenen Flussperlmuschel – und am Fuhrtsbach. Auch hier mussten die Fichten weichen, so dass sich große Flächen an den Bächen heute wieder ähnlich präsentieren wie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Schätzungen zufolge wachsen hier heute etwa 20 Millionen Narzissen, von denen jährlich etwa ein Drittel blüht. Davon profitiert ein ganzes Ökosystem, denn Insekten finden hier reichlich Nahrung. Und bei Gästen und Einheimischen gleichermaßen sind die Bachtäler als grün-gelbe Idylle mit plätschernder Geräuschkulisse gleichermaßen beliebt. Jedes Jahr im April kommen besonders viele Menschen hierher: Dann steigt das Narzissenfest.
Wer es verpasst und die Flächen erst im Juni besucht, wird übrigens von Eindrücken anderer Art belohnt. Wie etwa in den Alpen steigt einem hier der Duft des weiß blühenden Bärlauchs in die Nase. Kein Wunder, dass diese Wiesen bei Fachleuten „bärwurzreiche Magertriften“ heißen. Der größte Schatz der Wiesen jedoch ist – und bleibt hoffentlich – der gelbe Narzissenteppich des Frühjahrs.
Stand der Angaben: 6/2025
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung ist im Perlen- und Fuhrtsbachtal im Besitz von mehr als 70 Hektar Flächen. Hier wurden Bäume und standortfremde Pflanzen entfernt, so dass sich hier heute wieder Millionen Gelber Narzissen (Narcissus pseudonarcissus) ausbreiten.
Weiteres Förderprojekt der NRW-Stiftung am Perlenbach in der Eifel:
Weitere Informationen:
Biologische Station Städteregion Aachen e.V.
Zweifaller Straße 162
52224 Stolberg
Biologische Station Städteregion Aachen e.V.
Standort
Narzissenwiesen im Perlenbach- und FuhrtsbachtalZugang über den Parkplatz am Nationalparktor, Hauptstraße 72
52156 Monschau










