Gedankenräume und Nachbarschaften

Utopiastadt im Mirker Bahnhof Wuppertal

Der Fachwerkbahnhof Mirke wurde 1882 an der ehemaligen Wuppertaler Nordbahn errichtet. Seit 1987 steht er mit seinem noch erhaltenen „Wartesaal I. Klasse“ unter Denkmalschutz. Das Bahnhofsgebäude vor dem Verfall zu retten, gehört mit zu den großen Aufgaben des 2011 gestarteten Projekts „Utopiastadt“. Über zweihundert ehrenamtlich tätige Menschen haben sich darin zusammengefunden, seit 2014 offiziell organisiert im „Verein Utopiastadt e.V.“ als einzigem Gesellschafter der 2015 gegründeten, gemeinnützigen GmbH Utopiastadt. 2016 erhielt das Projekt den Mirker Bahnhofsbau von der Sparkasse Wuppertal geschenkt, 2018 konnten zusätzlich über zehntausend Quadratmeter Außengelände käuflich erworben werden. Auf dieser Basis bietet die Utopiastadt einen Ort für kooperativen Fortschritt, Stadtentwicklung, Nachbarschaft und sozial aktive Kunst. Beim Engagementpreis NRW 2021 erhielten die Wuppertaler Utopistinnen und Utopisten für ihr unkonventionelles ehrenamtliches Engagement den Sonderpreis der NRW-Stiftung.

Das Gebäude mit dem noch erhaltenen „Wartesaal I. Klasse“ steht seit 1987 unter Denkmalschutz.

Die Wuppertaler Utopiastadt im alten Mirker Bahnhof steht für die Idee eines permanenten zukunftsorientierten Austauschs.

Blick auf die originalerhaltene holzvertäfelte Decke des alten Wartesaals.

David J. Becher, einer der drei Vereinsvorsitzenden (Stand 2025) lebt in nächster Nähe zur Utopiastadt.

Selber zupacken bei der Rettung des Bahnhofs - das ist die Idee hinter den Sanierungs-Workouts.

Blick auf das gut erhaltene Bahnhofsgebäude.

Perspektivisch denken, konkret handeln

Nach der Stilllegung der Nordbahn im Jahr 1991 hatte der Mirker Bahnhof zwischenzeitlich unter anderem als Kulisse für Filmprojekte gedient, war zwangsversteigert worden, hatte ein gescheitertes Theaterprojekt, Diebstähle und sogar einen Brand erlebt. Kein Wunder, dass nur visionäre Kraft dem Gebäude neues Leben einhauchen konnte. Zusätzlich zu der mit viel Eigenleistung in Angriff genommenen, durch die Corona-Pandemie leider stark verzögerten Sanierung des über 140 Quadratmeter großen, neun Meter hohen Wartesaals, geht es in der Utopiastadt um die Vernetzung von Kreativen mit dem Ziel, Veranstaltungen, Symposien und Dialoge durchzuführen. Gesellschaftspolitische Perspektiven werden diskutiert, aber auch in praktischen Maßnahmen erprobt. Die Utopie hat daher eine Reihe höchst konkreter, alltagsorientierter Angebote im Programm, etwa urbanen Gartenbau, eine Nähwerkstatt und ein Reparatur-Café. Da sich die ehemalige „Nordbahntrasse“ heute in einen 22 Kilometer langen Rad- und Wanderweg verwandelt hat, spielt außerdem der kostenlose Fahrradverleih eine große Rolle. Auch das Außengelände der Utopiastadt hält Anlaufpunkte und Aktionsflächen für Nachbarschafts-, Quartiers- und Ehrenamtsinitiativen bereit. Ein beliebter Anziehungspunkt – nicht nur für Radelnde – ist die im Bahnhof betriebene Gaststätte. Bei den häufig durchgeführten Konzertveranstaltungen regiert statt Eintrittspreisen das freiwillige „Only Hut“-Prinzip. Sprich: Geld wird vom Publikum mit dem Hut in der Hand eingesammelt, um den Musikern Gagen zahlen zu können.

Die Utopiastadt, die sich selbst gerne als einen in die Zukunft gerichteten Gedankenraum, einen andauernden Gesellschaftskongress mit Ambitionen und Wirkung beschreibt, verdankte ihren Ursprungsimpuls Beate Barbara Blaschczok und Christian Hampe – beide haben die in Schwerte ansässige Ruhrakademie für Kommunikation, Design, Kunst und Medien absolviert. Zu den in der Öffentlichkeit häufig präsenten Gesichtern der Initiative gehören der Fördervereinsvorsitzende David J. Becher und die Vorstandsbeisitzende Amanda Steinborn. Das Projekt wird vom Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit (TransZent) der Bergischen Universität Wuppertal wissenschaftlich begleitet und in den Medien überregional beachtet – sogar die ARD-Tagesthemen berichteten schon.
 

Stand der Angaben: 12/2024 | Text: Ralf. J. Günther

Förderbande-Podcast: „Zu Gast in Utopiastadt, Wuppertal"

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung hat den Verein „Utopiastadt e. V.“ bei Maßnahmen zur Substanzerhaltung und zur Barrierefreiheit des denkmalgeschützten Wartesaals im historischen Mirker Bahnhof in Wuppertal mehrfach gefördert. Beim NRW-Engagementpreis 2021, dessen Motto „Engagierte Nachbarschaft“ lautete, erhielt der Verein den Sonderpreis der Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Schon 2020 war die Utopiastadt Landessiegerin beim „Deutschen Nachbarschaftspreis“ gewesen. Eine Reihe weiterer Preisverleihungen hatte es in den Jahren zuvor gegeben. 


Standort

Utopiastadt im ehemaligen Mirker Bahnhof
Mirker Str. 48
42105 Wuppertal
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