Tausend Jahre neu gesehen

Schloss Corvey in Höxter

Corvey ist die bislang einzige westfälische Stätte auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Entscheidend für die Aufnahme waren das Westwerk der ehemaligen Klosterkirche an der Weser, das in Teilen noch aus dem 9. Jahrhundert stammt, sowie die im Boden erhaltenen Überreste der einstigen Klostersiedlung, der sogenannten Civitas Corvey. 2024 wurde in der früheren Reichsabtei eine neue Dauerausstellung eröffnet. Die NRW-Stiftung half mit „Das Jahrtausend der Mönche“ zeitgemäß zu präsentieren.

Die Stephanusbüste ist restauriert in die Ausstellung zurückgekehrt.

Portal zum Innenhof von Schloss Corvey.

Die vergoldeten Kupferbuchstaben stammen aus einer heute verlorenen Inschrift aus der ersten Bauphase der Kirche. Sie gelten als die einzigen ihrer Art nördlich der Alpen.

Der St.-Stephanus Reliquienschreins in der Corveyer Abteikirche.

Unterwegs in der Ausstellung „Das Jahrtausend der Mönche - Von der Gründung Corveys bis zum Goldenen Zeitalter“.

Monastische Kultur

Es ist kein Widerspruch zum Ausstellungstitel, dass 2022 bereits 1.200 Jahre Corveyer Geschichte gefeiert wurden, verließen die Mönche die Abtei doch schon im frühen 19. Jahrhundert. Corvey, das heute zu Höxter gehört, war danach für kurze Zeit Bischofssitz und ging schließlich als „Schloss“ ins Eigentum der Fürsten von Ratibor über, die hier von 1860 bis 1874 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben als Bibliothekar beschäftigten, den Dichter der deutschen Nationalhymne. Das Corveyer „Jahrtausend der Mönche“ begann unter Ludwig dem Frommen, dem 840 gestorbenen Sohn Karls des Großen. Berühmt wurden der Corveyer Mönch Widukind, der im 10. Jahrhundert eine „Sachsengeschichte“ schrieb, und Abt Wibald (gestorben 1158), der für Kaiser Friedrich Barbarossa Gesandtschaften bis nach Byzanz übernahm. Zu der Abtei gehörte im Mittelalter zeitweilig eine ganze Stadt, die allerdings im 13. Jahrhundert unterging. Ein anlässlich der Landesgartenschau 2023 eingerichteter Archäologischer Park ließ sie mit Infopunkten und Apps wieder aufleben.

Die bisherige Ausstellung zum monastischen Corvey war nach dreißig Jahren veraltet. Umso eindrucksvoller die Neugestaltung: Wertvolle Kunstwerke und historische Gebrauchsgegenstände veranschaulichen den Weg des Benediktinerklosters vom Mittelalter bis ins „Goldene Zeitalter“ der Fürstäbte, wobei sogar die Inszenierung eines barocken Festgottesdienstes zu erleben ist. Virtuelle Installationen lassen unter anderem die Corveyer „Civitas-Tafel“ – eine Inschriftentafel aus dem 9. Jahrhundert – in den Himmel schweben. Projektionen auf einer „intelligenten“, bei Nichtbenutzung durchsichtigen Glaswand führen im Westwerk durch Geschichte und Architektur.
 

Stand der Angaben: 2024 | Text: Ralf. J. Günther
 

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützte auf Antrag des „Fördervereins Karolingisches Westwerk Corvey e. V.“ die neue Ausstellung „Das Jahrausend der Mönche“. Schloss Corvey wurde von der NRW-Stiftung zuvor schon mehrfach unterstützt – bei der früheren Museumseinrichtung, der Restaurierung eines Reliquienschreins, bei Gebäudesanierungen und der Rettung der barocken Orgel. Der Förderverein der Landesgartenschau 2023 erhielt Mittel für Infostationen und eine „ArchäoApp“ zur Stadtwüstung.



Standort

Schloss Corvey in Höxter
Corvey 1
37671 Höxter
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