Stadtbummel durchs Museum

Dezentrales Stadtmuseum in Warendorf 

Viele Städte haben ein Stadtmuseum, in Warendorf ist die Stadt das Museum – im Dezentralen Stadtmuseum erlebt man historische Bausubstanz an mehreren Standorten. Dass hier heute so viele schmucke denkmalgeschützte Häuser stehen, ist auf ihre Bedrohung zurückzuführen – denn noch bis in die 1970er-Jahre drohten in Warendorf immer mehr historische Gebäude zu verschwinden.

Dem Zeitgeist entsprechend beseitigte man viele der Häuser, die den Krieg zwar überstanden, nun aber marode und kaum noch zu unterhalten waren. Einwohnerinnen und Einwohner sowie Einzelhändler wünschten sich moderne Räumlichkeiten. Da begannen sich Forschende plötzlich für die Altstadt zu interessieren: Der Volkskundler Josef Schepers hob in den 1960er-Jahren erstmals die Einzigartigkeit des Warendorfer Stadtbildes hervor. Doch gingen die Abrisse zunächst noch weiter. Eine von vielen Menschen geliebte Villa musste in den 1970er-Jahren weichen. Aber erst, als 1978 für eine geplante Entlastungsstraße gleich mehrere Gebäude auf einmal abgerissen werden sollten, regte sich massiver Widerstand – und die Altstadtfreunde Warendorf gründeten sich. 

Dank ihres Einsatzes besitzt die Kreisstadt an der Ems heute eine schmucke Altstadt, um sie andere Städte in Nordrhein-Westfalen beneiden. Den Altstadtfreunden gelang es, einen Sinneswandel in der Lokalpolitik zu erreichen und den Erhalt vieler Häuser zu sichern. Anhand konkreter Projekte zeigen sie bis heute, wie die Sanierung von alten Gebäuden in der Altstadt gelingen kann. Von Anfang an hatten sie gefordert, dass der historische Grundriss der Stadt intakt bleiben sollte. Mit Erfolg.

Das Gadem Zuckertimpen 4 repräsentiert die Wohnsituation zweier einfacher Arbeiterfamilien in der Zeit um 1925.

Das „Kleine-Leute-Haus“ zeigt beispielhaft das Wohnen zweier Familien in dem Haus.

Foto: Werner Stapelfeldt

Das “Kleine-Leute-Haus” Haus am Zuckertimpen

Dabei rückten sie insbesondere zuvor eher unscheinbare Häuser in den Fokus. Nicht nur, indem sie so manche Fassade selbst sanierten, sondern auch, indem sie die Räume in den Häusern authentisch ausstatteten und mit Leben füllten. Etwa das im 17. Jahrhundert errichtete Gadem am Zuckertimpen, ein kleines Arbeiterhäuschen am Rand der Altstadt. Hier lässt sich das Leben zweier armer Familien im Jahr 1925 nachvollziehen. Jeder Gegenstand hier fügt sich historisch und atmosphärisch ein, erzählt aber auch vom Engagement und vom Fachwissen, das durch die Altstadtfreunde mit eingezogen ist. Das gilt auch für das 1812 erbaute klassizistische Bürgerhaus wenige Straßen weiter, wo eine außergewöhnliche Bildtapete aus dem 19. Jahrhundert für Staunen sorgt.

Noch jünger ist das Fabrikantenhaus Bispinck, das erst 1903-1905 im Stile des Historismus gebaut wurde. Mit seiner Klinkerfassade steht es auf den ersten Blick viel näher an der heutigen Architektur des Münsterlandes – doch wer genauer hinschaut, entdeckt an der Fassade zur Straße hin eine Vielzahl von Architekturelementen, die aus verschiedenen Stilepochen der europäischen Kunstgeschichte stammen. Auch innen gibt es noch Bemerkenswertes wie das kunstvolle Treppenhaus und Stuckornamente im Jugendstil zu entdecken. 
Am anderen Ende der Altstadt steht ein weiterer Bestandteil des Dezentralen Stadtmuseums, das Torschreiberhaus. Hier lässt sich ein Einblick in ein längst ausgestorbenes Berufsbild gewinnen. Die Aufgabe des Torschreibers war es, in die Stadt ein- und ausgeführte Waren zu kontrollieren. Vor allem für die Einfuhr waren Abgaben fällig. Auch gab es Sperrzeiten, zu denen niemand die Stadt verlassen sollte. Wer es dennoch tat, wurde in dem Haus am Stadtgraben registriert. Sowohl die Amtsstube als auch die Wohnung des Torwächters wurden originalgetreu eingerichtet.

Authentisches Geschichtserlebnis an authentischen Orten – das klappt in Warendorf gleich mehrfach. 

Stand der Angaben: Dezember 2025
 

Das Dezentrales Stadtmuseum Warendorf in unserem Förderbande-Podcast

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützten die Altstadtfreunde Warendorf e. V. bereits mehrfach. Unter anderem bei der Sanierung des Gadems am Zuckertimpen sowie des Bürgerhauses in der Klosterstraße, wo später auch die Bildtapeten sowie die Terrasse saniert wurden und ein Lift installiert wurde. 



Standort

Dezentrales Stadtmuseum in Warendorf
Zuckertimpen 4
48231 Warendorf
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