„Langer Atem lohnt sich“

Ob mit leichter Hand oder schwerem Gerät: Heimatliebe bedeutet für Ignaz Schmitz auch Heimatpflege. 1985 hat er die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge ins Leben gerufen.

Eine undichte Stelle im Rat bringt Anfang der Achtzigerjahre den Stein ins Rollen. Wäre damals nicht bis zu Ignaz Schmitz durchgesickert, dass ein Teil des Naturschutzgebietes Siebengebirge als Bauland erschlossen werden soll: Diese Fläche oberhalb von Oberdollendorf, einem Ortsteil von Königswinter, sähe heute höchstwahrscheinlich ganz anders aus. Anstelle von Büschen und Bäumen ständen dort reihenweise Häuser. Nicht Grün in allen Schattierungen, sondern Stein und Beton würden das Landschaftsbild prägen. Bagger hätten das einzigartige Biotop und die angrenzenden Streuobstwiesen einfach umgepflügt, zahlreiche Tiere und Pflanzen ihren natürlichen Lebensraum verloren.

 

 

 

»Um etwas zu bewegen, müssen wir auch anpacken.«

Loki Schmidt als Fürsprecherin

Dank der Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge e.V. ist das gesamte Areal sowohl eine geschützte als auch gepflegte Kulturlandschaft. Und das ist vor allem ein Verdienst von Ignaz Schmitz und seiner Frau Ulrike. Sie haben den Verein 1985 ins Leben gerufen. „Sozusagen unser erstes gemeinsames Kind, kurz vor unserer Hochzeit“, erzählen die Eltern von inzwischen zwei erwachsenen Söhnen. Bis die drohende Umwandlung in Bauland vom Tisch war, mussten sie fast fünf Jahre kämpfen. Unterstützt von einer stetig wachsenden Zahl von Mitstreitern sammeln sie mehrere tausend Unterschriften, gewinnen die prominente Naturschützerin Loki Schmidt als Fürsprecherin, drucken Flugblätter, pflastern das Dorf mit Plakaten – und wappnen sich gegen erbitterten Widerstand. Selbst Morddrohungen können die Schmitz' nicht ausbremsen. Statt kleinbeizugeben sagen sie sich: „Jetzt erst recht!“

Als der Schutzstatus schließlich zementiert ist, folgt die Erkenntnis: „Nur laut und deutlich gegen etwas zu sein, reicht nicht. Um etwas zu bewegen, müssen wir auch anpacken.“ Schließlich brauchen selbst Magerwiesen und Streuobstwiesen Pflege. Hektarweise Sträucher, Hecken und Bäume stutzen, mit Sensen und Heckenscheren hantieren: „Nicht nur für mich, sondern auch die meisten anderen war das Neuland. Also haben wir ganz klein angefangen und uns Stück für Stück vorgetastet, dankbar für jede Unterstützung von Experten und jedes hilfreiche Gerät“, berichtet Ignaz Schmitz. Heute betreut die Bürgerinitiative mit ihren rund 220 Mitgliedern vier Flächen mit insgesamt 12 Hektar Land. Dazu gehört auch die Kellerberger Weinbrache, die seit Ende der 90er im Besitz der NRW Stiftung ist.

 

 

„Nur gegen etwas zu sein, reicht nicht.“

Schon als Kind in der Natur

Warum die Heimatpflege im Leben von Ignaz Schmitz‘ so viel Zeit und Raum einnimmt? „Ich habe das Glück, in einer wahnsinnig schönen Gegend leben zu dürfen. Dazu beizutragen, dieses Geschenk zu erhalten, ist mir ein tiefes Bedürfnis.“ In Oberdollendorf geboren und aufgewachsen, hat es den Rheinländer schon als Kind in die Natur gezogen. Seine zweite große Liebe, so der Sohn eines Gastwirts mit Weinbau im Nebenerwerb, sei der Wein. Bei Erkunden von Weinregionen, ob um die Ecke in der Pfalz oder weiter weg in Italien, kann er beides genießen: großartige Tropfen und beim Wandern die Landschaften, die in der Lage sind, sie hervorzubringen. Seit einigen Jahren unterstützt er außerdem als Sachverständiger die Landwirtschaftskammer beim Prüfen von Qualitätsweinen.

Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge
  • Sitz: Königswinter
  • Gegründet: 1985
  • rund 200 Mitglieder
  • etwa 35 Aktive
  • Ausgezeichnet von den Vereinten Nationen

MEHR ERFAHREN

Eine ganz besondere Ehre für Ignaz Schmitz: die Ernennung zum 58. Ritter vom Siebengebirge beim heimischen Winzerfest im Oktober 2017. Damit würdigen die Oberdollendorfer nicht nur sein Engagement für den Naturschutz. Sie honorieren auch den Einsatz des gelernten Industriemeisters, um im Ort mehr als hundert Arbeitsplätze zu retten. Zusammen mit 15 Kollegen hatte er eine Mitarbeitergesellschaft gegründet, als ihr Arbeitgeber 1999 Insolvenz anmelden musste. Gemeinsam ist es ihnen gelungen, das Mess- und Prüftechnikunternehmen wieder an die Weltspitze zu führen: mutig, umsichtig und beharrlich – ganz so, wie Ignaz Schmitz Aufgaben am liebsten angeht.

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