Naturschutzgebiet Immerkopf

Verjüngungskur fürs Quellmoor

Schon Anfang der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts erregten die Hangmoore im Oberbergischen Kreis die Aufmerksamkeit der Wissenschaft. Und schon damals wünschten sich die Kenner des „Immerkopfs“, dass dieses außergewöhnliche Gebiet möglichst bald Naturschutzgebiet werden möge. Der Wunsch ging erst 60 Jahre später in Erfüllung, und beinahe wäre es zu spät gewesen, denn Entwässerung und Aufforstung hatten im Lauf der Jahrzehnte nur kleine Teilflächen verschont. Was früher im Rahmen der bäuerlichen Nutzung ganz beiläufig geschah, nämlich die Verjüngung der Quellmoorböden, muss heute durch aufwendige Pflegemaßnahmen geleistet werden. 

Seit 1989 betreut die Biologische Station Oberberg e. V. das Gebiet bei Wiehl, das neben Bruchwäldern auch quellige Hangmoore enthält. Dieser im Bergischen Land seltene, aber sehr charakteristische Vegetationstyp verdankt seine Entstehung im Wesentlichen drei Faktoren, nämlich hohen Regenmengen, wasserstauenden Tonböden und einer besonderen historischen Form der Streugewinnung.

Unter dem Einfluss der Schafbeweidung bildet die Besenheide vitale Bestände, die im Spätsommer reich blühen.

Wo früher die Bauern den Boden per Hacke schälten, leistet heute der Bagger die Arbeit. Der segensreiche Effekt ist der gleiche.

Bewaldete Hangmoore wie der Immerkopf gehörden zu den am stärksten gefährdeten Moortypen in Nordrhein-Westfalen.

Der „Rollrasen“ der Altvorderen
Die meist nassen, nährstoffarmen Standorte wurden früher nicht nur mit Schafen beweidet, sondern von den Bauern in der Umgebung immer wieder einmal „abgeplaggt“: Mit breiten Hacken entfernte man die oberste Bodenschicht und die darauf wachsenden Moose, Gräser und Zwergsträucher. Stark vereinfacht könnte man diesen Vorgang mit dem Abheben eines Rollrasens vergleichen, allerdings nicht „in geordneten Bahnen“, sondern in Form vieler unregelmäßiger Fliesen. Wo vorher eine geschlossene Grasnarbe mit einzelnen Zwergsträuchern wuchs, lag jetzt der nasse Tonboden offen. Die Plaggen wurden aber nicht zur Begrünung an andere Stellen verpflanzt, sondern getrocknet und dann als Einstreu für die Viehställe verwendet. Stroh war dafür zu wertvoll, das wurde zum Dachdecken gebraucht, verfüttert oder war schlicht nicht verfügbar. Waren die Plaggen von den Ausscheidungen des Stallviehs durchtränkt, schaffte man sie als Dünger auf den Acker. Vor allem die torfmoosreichen Plaggen waren begehrt, weil sie saugfähig waren wie Schwämme. Das Abplaggen verhinderte nebenbei, dass sich in den Heidemooren zu viele Gehölze ansiedelten. Die waren dort unerwünscht, eben weil Heidemoore auch als Weidefläche für Schafe gebraucht wurden. Die genügsamen Tiere knabberten dann die auf den feuchten Böden nachgewachsenen Pflanzen ab.

Der Mittlere Sonnentau, eine insektenfangende Pflanze.

Moorlilien gedeihen nur in Gebieten mit atlantischem Klima.

Sonnentau auf nacktem Boden
Aus Naturschutzsicht liegt die besondere Bedeutung der Hangmoore darin, dass die nassen, nährstoffarmen und gehölzfreien Standorte perfekte Standorte für besonders konkurrenzschwache Pflanzen darstellen. Viele von ihnen sind wenig spektakulär und Laien würden die kleinen Binsen und Seggen, den Sumpfbärlapp und diverse Sphagnum-Arten als mickriges Gras und Moos abtun. Bekannter sind nur die Wollgräser, der insektenfangende Sonnentau und die gelb blühende Moorlilie, die hier an der Südostgrenze ihrer Verbreitung steht. Ohne gezielte Eingriffe würden die lückigen Standorte bald zuwachsen und verbuschen – mit der Existenz der seltenen Moorvegetation wäre es dann vorbei. Hangmoore sind also darauf angewiesen, dass der Mensch regelmäßig in die Pflanzendecke eingreift. Da es heute keine Landwirte mehr gibt, die das Abplaggen übernehmen könnten, musste die Biostation für diese Aufgabe ein Landschaftspflegeunternehmen beauftragen. Aus dem eigenen Etat war das aber nicht finanzierbar. Mit der Förderung durch die NRW-Stiftung und die Bezirksregierung Köln konnte die dringend notwendige Verjüngungskur der Hangmoore gesichert werden.

Stand der Angaben: Magazin 2/2018 | Text: Günter Matzke-Hajek

Das Projekt „Naturschutzgebiet Immerkopf"

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Unser Engagement

Auf Antrag des Naturschutzbundes (Nabu) kaufte die Nordrhein-Westfalen-Stiftung am Nordhang des Immerkopfes im Oberbergischen Kreis rund 65 Hektar Land, damit hier ein großes Naturschutzgebiet entstehen konnte. Vor kurzem finanzierte die NRW-Stiftung einen Eigenanteil für Pflegemaßnahmen auf besonders schutzwürdigen Teilflächen. Dank dieses Sockelbetrags erhielt die Biostation Oberberg e. V. eine zusätzliche Förderung durch die Bezirksregierung Köln.


Weitere Informationen:

Biologische Station Oberberg e. V.
Rotes Haus
Schloss Homburg 2
51588 Nümbrecht
Biologische Station Oberberg e. V.

Standort

Naturschutzgebiet Immerkopf
Zum Hochbehälter 3
51674 Wiehl
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