Das B. C. Koekkoek-Haus in Kleve
Ein Haus der NRW-Stiftung seit 1997 - Wiedereröffnet 2025

Das 1848 vollendete Palais des niederländischen „Malerprinzen“ Barend Cornelis Koekkoek in Kleve zeugt vom kreativen Wirken einer herausragenden Künstlerpersönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Schon vier Jahrzehnte, bevor die berühmte Villa des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach in München entstand, setzte Koekkoek damit am Niederrhein ein repräsentatives Ausrufezeichen. Sein Haus, das 1997 von der NRW-Stiftung als Eigentum erworben und so vor dem Übergang in Privathand bewahrt wurde, beherbergt heute das Klever „Museum der Romantik“ – eine der Top-Kunstadressen in Nordrhein-Westfalen. 2022 krönte die Stiftung ihr dauerhaftes Engagement für das Erbe Koekkoeks durch eine hohe Investition in Betrieb, Brandschutz und Barrierefreiheit des Museums, das als vielbesuchter Kulturschauplatz grenzüberschreitende Strahlkraft hat. Im August 2025 feierte das technisch neu aufgestellte, innerlich erfrischte, aber unverändert authentische Koekkoek-Haus seine Wiedereröffnung.
Kunde König
Barend Cornelis Koekkoek, der 1803 im niederländischen Middelburg geboren wurde, zog mit dreißig Jahren nach Kleve. Mit seinen Bildern, darunter auch Winterszenen in klarem Licht, knüpfte er bewusst an Vorbilder des 17. Jahrhunderts an – in solcher Qualität, dass er als bedeutendster niederländischer Landschaftsmaler vor dem bevorstehenden Umbruch durch Vincent van Gogh gilt. Bei modernen Auktionen haben Koekkoek-Werke schon Summen oberhalb der Millionengrenze erzielt, zu Lebzeiten konnte der erfolgreiche Begründer der „Klever Romantik“ sagen: Der König ist Kunde – gehörten doch die Monarchen Russlands, Preußens, Frankreichs und der Niederlande zu seinen zahlungskräftigsten Bewunderern.
1843 kaufte Koekkoek ein Grundstück vor der ehemaligen Klever Stadtbefestigung, wo er zunächst einen Atelierturm mit Blick über die Rheinebene errichten ließ. Fünf Jahre später wurde der Palazzo im Stil der italienischen Renaissance vollendet, in dessen Beletage sich bald zahlreiche Gäste einfanden. Das Haus erhielt Anfang des 20. Jahrhunderts einen architektonisch angeglichenen Anbau, der ursprünglich eine Arztpraxis beherbergte. Im Zweiten Weltkrieg wurde es beschädigt und geplündert, aber nicht zerstört, diente danach zeitweilig als Rathaus und ab 1960 als städtisches Museum. Als letzteres 1996 ins Klever Kurhaus umzog, wäre das Palais beinahe Geschäftssitz einer Bank geworden. Zum Glück fand der „Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve“ in der NRW-Stiftung eine gemeinnützige Partnerin, die das Bauwerk erwarb und der „Stiftung B.C. Koekkoek-Haus“, an der als Dritte im Bunde die Stadt Kleve beteiligt ist, zur Nutzung überließ.
Künstlerfamilie
Der niederländische „Rijksdienst Beeldende Kunst“ half mit Dauerleihgaben bei der Einrichtung eines Museums mit Meisterwerken romantischer Landschaftsmalerei, eingebettet in zeitgenössische Wohnkultur, inklusive einiger vom Meister selbst benutzter Möbel. So entstand zugleich ein deutsch-niederländischer Begegnungsort, der viele Menschen aus unserem Nachbarland anlockt und schon mehrfach Kooperationen zwischen der NRW-Stiftung und ihrer niederländischen Schwesterstiftung „Geldersch Landschap & Kasteelen“ inspiriert hat. Wobei man hinzufügen muss, dass der Name Koekkoek für eine ganze Künstlerfamilie steht: Der Vater und zwei Brüder des Klever Romantikers waren Marinemaler, er selbst heiratete die Malerin und Lithografin Elise Thérèse Daiwaille (1814–81). Zwei der fünf Töchter betätigten sich ebenfalls kreativ, konnten allerdings im Gegensatz zu vielen männlichen Nachfahren nicht an einer Akademie studieren. Barend Cornelis Koekkoek selbst war bis 1858 aktiv, dann erlitt er mit nur 56 Jahren einen Schlaganfall, das Aus für sein Schaffen. Er starb am 5. April 1862.
Als Haus der NRW-Stiftung steht das Koekkoek-Palais in einer Reihe mit so unterschiedlichen Objekten wie etwa dem Radioteleskop „Astropeiler“ in der Eifel oder Schloss Drachenburg im Siebengebirge, in deren Erhalt und Aufwertung immer wieder Stiftungsmittel fließen. Im Falle des Koekkoek-Hauses wurden so auch mehrfache Sammlungserweiterungen ermöglicht: 1999 der Erwerb eines monumentalen Gemäldes des Koekkoek-Schülers Cornelis Lieste, 2012 der Ankauf von Koekkoeks außergewöhnlicher Stadtansicht „Souvenir de Clèves“ sowie die Rekonstruktion der Minerva-Statue auf dem Atelierturm. Seit 2023 gehören der NRW-Stiftung überdies die im Museum gezeigten Gemälde „Heuernte“ (um 1845) und „Landschaft mit der Stiftskirche in Hochelten“ (1856). Ersteres ist die verkleinerte Fassung einer Arbeit, deren großformatige Version an den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ging, der Koekkoek wegen seiner Verdienste als Maler und als Gründer eines Zeichenkollegiums und Kunstvereins in Kleve bereits den preußischen Roten Adlerorden verliehen hatte.
Brandschutz und Barrierefreiheit
Durch die Sanierungsmaßnahmen der Jahre 2022 bis 2025 wurde die heraufziehende Gefahr abgewendet, das Koekkoek-Haus wegen mangelnden Brandschutzes in absehbarer Zeit schließen zu müssen. Zugleich konnte in die Barrierefreiheit investiert werden. An die Stelle einer veralteten Infrastruktur aus den 1970er Jahren sind zeitgemäße Funktionalitäten getreten, die sich dezent der historischen Situation unterordnen. Elektrik und Alarmanlage befinden sich auf aktuellem Stand, neue Rauchtüren im Treppenhaus greifen alte Fensterformen auf, Kabelstränge verlaufen verdeckt, der rollstuhlgerechte Lift ist dank eines alten Versorgungsschachts im Flurbereich exakt in das bestehende Baugefüge eingepasst. Finanziell ermöglicht wurde all das durch eine großzügige Zuwendung der 1983 gegründeten, gemeinnützigen T. VON ZASTROW FOUNDATION, deren Stiftungsratsmitglied Vera von Zastrow Mitglied im Förderverein der NRW-Stiftung ist. Zusätzliche Mittel aus dem Landesförderprogramm „Heimatzeugnis“ sind in die Restaurierung beziehungsweise farbliche Erneuerung von Wänden, Stuckdecken, Treppen, Türen, Holzverkleidungen und Böden geflossen.
Spielraum für größere Veränderungen bot der Empfangsbereich des Museums. Durch die Verlegung des Haupteingangs an die Jugendstilpforte des bereits erwähnten Praxisanbaus ließen sich hier zusätzliche Räume öffnen und die Bedingungen für Veranstaltungen verbessern. Der Empfang mit Museumsshop und Antiquariat wurde erweitert, eine ehemalige Küche verwandelte sich in eine Besucherlounge, der Galeriegang des Untergeschosses eignet sich für kleine Verkaufsausstellungen. Saniert wurde darüber hinaus der Park hinter dem Haus. Nicht zu vergessen die neue Webseite, auf der man online malerische Romantik durchstöbern kann – am besten zur Vorbereitung eines Besuchs vor Ort.
Kurz nach der Wiedereröffnung im Sommer 2025 konnte ein neuer Film über den Maler und sein Künstlerpalais fertiggestellt werden.
Unser Engagement
Der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e. V., die Stadt Kleve und die NRW-Stiftung haben gemeinsam die Stiftung B. C. Koekkoek-Haus gegründet, um das Künstlerhaus des Landschaftsmalers inmitten der Klever Innenstadt zu sichern und als Museum öffentlich zugänglich zu machen. Zur langfristigen Sicherung konnte das Haus in das Eigentum übernommen werden. Ende August 2025 wurde das Haus nach einer zweieinhalbjährigen Sanierung wieder eröffnet. Weiterhin hat die NRW-Stiftung beim Erwerb mehrerer Gemälde sowie der Rekonstruktion der Minerva-Statue auf dem Atelierturm helfen können.
Pressemitteilung: Wiedereröffnung von Haus Koekkoek am 31. August 2025
Standort
B. C. Koekkoek-Haus - Museum der RomantikKoekkoekplatz 1
47533 Kleve
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