Der Holländer von Steinfurt
Hollicher Mühle

Die Windmühle in der Bauerschaft Hollich bei Burgsteinfurt ist ein sogenannter Holländer mit Steert, Besegelung und Galerie. Die auf Rollen gelagerte Mühlenkappe mit dem Flügelkreuz lässt sich – wie für Holländermühlen typisch – in den Wind drehen. Das geschieht mithilfe eines langen hölzernen Gestänges, des sogenannten Steerts. Um den Wind optimal auszunutzen, werden die Mühlenflügel vor einem Mahlgang außerdem mit Segeltuch bespannt. Erreichbar sind sie dabei von einem hölzernen Umgang aus, den man im Mühlenwesen als Galerie bezeichnet.
Erbaut wurde die Hollicher Mühle im Jahr 1859. Besser gesagt: Sie wurde damals versetzt, denn ursprünglich hatte sie sich in Osnabrück gedreht. Es war preiswerter als ein Neubau, sie abtragen und in Hollich neu erstehen zu lassen. Dass die Mühle auch im 21. Jahrhundert noch existiert und von Mitte April bis Mitte Oktober an Samstagen besichtigt werden kann, ist einem tatkräftigen Förderkreis zu verdanken. Auf seine Initiative hin erlebte das Bauwerk Mitte der 1980er Jahre eine grundlegende Sanierung. Zugleich entstand die Idee zum benachbarten Denkmalpflege-Werkhof, der historische Baumaterialien sammelt und verkauft. Eigentümer alter oder gar denkmalgeschützter Bauwerke können diese Materialien für fachgerechte Sanierungen verwenden.
Flügel und Holzschindeln wurden erneuert
Die NRW-Stiftung ist Eigentümerin von Werkhof und Windmühle. Letztere dient im Zusammenspiel mit dem Werkhof als Demonstrationsobjekt für traditionelle Handwerkstechniken. Eine Spezialaufgabe war allerdings die Erneuerung der zwölfeinhalb Meter langen Windmühlenflügel, die im Herbst 2017 nach zwanzig Betriebsjahren nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen anstand. Eine niederländische Firma übernahm den Auftrag und montierte die tonnenschweren Flügel innerhalb weniger Stunden.
2019 dann ging es an die Sanierung der Holzschindeln, die die Mühle zugleich schmücken und schützen. Sie waren im Laufe der Jahre löchrig geworden und mussten fachgerecht erneuert werden. Dazu brauchte es traditionelles Handwerkswissen. Spezialisten aus dem bayerischen Zwiesel rückten an, wo die Kunst des Schindelmachens noch gepflegt wird. Verkleidungen aus Holzschindeln können viele Jahrzehnte halten. Ein Austausch schon nach dreißig Jahren wie bei der Hollicher Windmühle erscheint da fast zu rasch. In beiden Fällen wurden die alten Schindeln aber offenbar deswegen so schnell marode, weil man sie bei der Anbringung direkt auf den Untergrund gesetzt hatte. Die bayerischen Spezialisten arbeiten hingegen mit einer Unterkonstruktion, die den Luftaustausch begünstigt und damit die Beständigkeit der Schindeln deutlich erhöht.
Rund 20.000 handgespaltene Lärchenschindel – „gefast“, das heißt mit abgeschrägten Kanten versehen – wurden an der Hollicher Windmühle befestigt. Vor ihrem Einsatz in Hollich hatten Daniel Ehrentaler und Sepp Pfeffer schon die Mühle Donsbrüggen in Kleve neu eingekleidet, dort unter Verwendung von Eichenschindeln.
Stand der Angaben: Jahresbericht 2017 / Stiftungsmagazin 1/2020
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützt den Förderkreis Hollicher Mühle e. V., der die Mühle seit 1985 betreut, seit vielen Jahren. Mit dem Austausch der Holzschindeln konnten 2019 umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen abgeschlossen werden, bei denen die Mühle im Herbst 2017 bereits neue Flügel erhalten hatte.
Standort
Hollicher MühleHollich 146
48565 Steinfurt






