Tradition im Zeichen des Ziegenbocks
Das ZiBoMo-Museum in Münster-Wolbeck

Dass die rheinische Metropole Köln einen Geißbock als Fußball-Maskottchen ehrt, ist weithin bekannt. Was hingegen nicht jeder weiß: Fast gleichzeitig mit der in den 1950er Jahren begründeten kölnischen Tradition begann sich auch im westfälischen Münster, genauer gesagt im seinerzeit noch selbständigen Ort Wolbeck, ein ausgeprägter Ziegenbockskult zu entfalten. 1954 wurde hier die „Ziegenbocksmontaggesellschaft“ gegründet, der man in Wolbeck ein bronzenes Bockdenkmal aus dem Jahr 1959, vor allem aber sehr viel Feierlaune verdankt. Denn der Ziegenbocksmontag ist ein karnevalistischer Festtag, der in dem heutigen Stadtteil von Münster alljährlich genau eine Woche vor Rosenmontag stattfindet. Mehr noch: Wolbeck besitzt sogar ein ZiBoMo-Museum, also gewissermaßen ein ZiBoMoMu. Es wurde 2004 in einem historischen Schulhaus direkt im Ortskern neben der katholischen Nikolauskirche eröffnet und 2013 neu geordnet.
Hippenmajor
Wolbeck ist ein geschichtsträchtiger Ort, in dem es einst eine große, heute allerdings vollständig verschwundene Landesburg der Bischöfe von Münster gab. Erhalten hat sich dafür der sogenannte Drostenhof aus dem 16. Jahrhundert, einer der frühesten münsterländischen Herrensitze im Renaissancestil. Die alte Knabenschule im Ortskern ist nicht ganz so alt, stammt aber immerhin aus den 1890er Jahren. 2003 wurde sie von der „Gisela und Hermann Limberg-Stiftung zur Förderung des traditionellen Brauchtums“ an die „Karnevalsgesellschaft ZiBoMo Wolbeck e.V.“ zur dauerhaften und kostenfreien Nutzung überlassen. So konnte sich die Gesellschaft, die sich statt eines Prinzen Karneval einen „Hippenmajor“ zu küren pflegt, in dem sanierten Gebäude einen besonderen Wunsch erfüllen: die Einrichtung eines Museums zu Geschichte Wolbecks und seiner tollen Tage. Die Ausstellung erzählt, wie der Ziegenbocksmontag durch einen ortsansässigen Zahnarzt als Neubelebung jahrhundertealter Wolbecker Fastnachtstraditionen initiiert wurde. Es gibt aber auch eine „Wolbecker Stube“, Exponate aus Schützenwesen und Heimatverein sowie ein Archiv. Im Übrigen ist die ZiBoMo-Gesellschaft außerhalb des Karnevals ebenfalls mit vielfältigen Veranstaltungen aktiv und bewährt sich nicht zuletzt durch ihre intensive Jugendarbeit als ein Kernelement des Wolbecker Ortslebens.
Stand der Angaben: September 2025 | Text: Ralf. J. Günther
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte die Einrichtung des Wolbecker ZiBoMo-Museums bereits bei der Einrichtung 2003. Im Jahr 2013 förderte sie die Herrichtung eines zusätzlichen Raums als Depot für die angewachsene Sammlung.






