Wüstung und Welterbe

Die Civitas Corvey in Höxter

Eng verbunden mit der ehemaligen Reichsabtei Corvey an der Weser gab es einst eine städtische Siedlung, die im Jahr 1265 zerstört und in der Folge für immer aufgegeben wurde – eine Wüstung, so der Fachausdruck. Die untergegangene Stadt steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem bislang einzigen UNESCO-Weltkulturerbe in Westfalen, dem Westwerk und der Klostersiedlung Corvey. Anlässlich der Landesgartenschau 2023 sorgt nun ein archäologischer Park mit fünf Infokuben plus App-Unterstützung für Orientierung im Gelände.

Die Erforschung des Areals erfolgte außer durch Grabungen auch per Bodenradar und Magnetikmessung.

Die Stadtwüstung Corvey an der Weser zählt zu den wichtigsten archäologischen Stätten in NRW.

An fünf Standorten vermitteln Infokuben vertiefte Orientierung über die Geschichte der Stadtwüstung.

Die Corveyer Civitas-Tafel (Original heute im Museum) entstand wahrscheinlich noch zur Zeit Kaiser Ludwigs des Frommen (813-840), der Sohn Karls des Großen.

Die Archäo-APP erlaubt es, virtuell in die Vergangenheit zu blicken.

Der Stadtarchäologe Ralf Mahytka auf dem Gelände der Stadtwüstung. Die Sandsteinplatten zeichnen die Grundrisse der Bauten nach.

Auf der Mitmachbaustelle werden die Besucherinnen und Besucher zu Archäologen.

Kloster Corvey wurde zur Zeit der Karolinger gegründet, das Westwerk der Klosterkirche stammt zu großen Teilen noch aus dem 9. Jahrhundert.

Die Einrichtung des archäologischen Parks zur einstigen Stadt Corvey erfolgte im Zusammenhang mit der landesgartenschau Höxter 2023. Das Bild bietet eine Visualisierung aus dem Planungsstadium des Projektes.

Ein Chirurg im westfälischen Pompeji

Kloster Corvey entstand im frühen 9. Jahrhundert zur Missionierung der von Karl dem Großen unterworfenen Sachsen, zugleich fungierte es als wirtschaftliches Zentrum. So verlieh Karls Sohn, Kaiser Ludwig der Fromme, der Abtei im Jahr 833 Marktrechte, was den Menschen zugutekam, die im Klosterumfeld lebten und arbeiteten. Im späteren 12. Jahrhundert entstand sogar eine ausgewachsene Stadt im Corveyer Weserbogen, die dem benachbarten Höxter solange Konkurrenz machte, bis sich die Rivalität 1265 gewaltsam entlud: Obwohl das Kloster und sein städtisches Umfeld – insgesamt 55 Hektar – durch Wall und Graben geschützt wurden, richtete Höxter hier im Bündnis mit dem Bischof von Paderborn schwere Zerstörungen an. Das Kloster überdauerte, die „Civitas“ (Stadt) hingegen starb danach aus, von ihr blieben nur Spuren im Boden. Umso spannender, das westfälische Pompeji heute dennoch anschaulich erleben zu können – Leitstege, Audiostationen in Form von Holzkuben sowie eine kostenlose „Archäo-App“ machen es möglich. Beachtung verdient bei einem Besuch nicht zuletzt das sogenannte Haus des Weserchirurgen, eines Wundarztes aus dem 13. Jahrhundert, der uns zwar nicht seinen Namen, wohl aber medizinische Texte und ein ihm zugeschriebenes, in Corvey ausgegrabenes OP-Besteck überliefert hat.

Stand der Angaben: Mai 2023

Das Projekt „Archäologiepark Corvey“ in unserem Förderbande-Podcast

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Unser Engagement

Die NRW-Stiftung half dem Förderverein der Landesgartenschau Höxter bei den Corveyer Infokuben und der ArchäoApp. Bereits früher wurde Schloss Corvey bei der Gebäudesanierung, der Museumseinrichtung und der Restaurierung sowohl eines Reliquienschreins als auch der barocken Klosterorgel unterstützt.

www.welterbewestwerkcorvey.de


Der Archäologische Park befindet sich im Huxarium Gartenpark Höxter. Dieser ist aus der Landesgartenschau 2023 entstanden und ein attraktives Ausflusgziel zwischen Stadtwall, Weser und Welterbestätte Corvey.

www.huxarium-gartenpark.de

Standort

Archäologiepark Corvey
Am Hafen 2A
37671 Höxter
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