Fische auf Achse

Wissenshaus Wanderfische in Siegburg

Dass Lachse die längste Zeit ihres Lebens im Meer verbringen und zum Laichen die Flüsse hinaufschwimmen, dürfte allgemein bekannt sein. Ein wenig in Vergessenheit geraten ist allerdings, welch große Bedeutung der Lachsfang entlang des Rheins für Berufsfischerei, Gastronomie und Esskultur einst hatte. Neben dem Nordatlantischen Lachs haben im Rhein und seinen Nebenflüssen noch weitere Langstreckenwanderer wie Meerforelle und Maifisch Heimatrecht. Das „Wissenshaus Wanderfische“ am Ufer der Sieg erklärt den Besucherinnen und Besuchern die biologischen Grundlagen der Fischwanderungen. Mit seiner Ausstellung, Veranstaltungsräumen und einer Wasserwerkstatt unterstützt es die Wiederansiedlungsprojekte für regional ausgestorbene Fischarten.

Die Betreibende des Wissenshauses, die Stiftung Wasserlauf NRW und der Rheinische Fischereiverband von 1880 e. V. in Siegburg, wollen nämlich nicht nur in die Vergangenheit blicken. Lachs, Meerforelle, Maifisch und Stör sollen im Rhein und seinen Nebenflüssen in Zukunft wieder leben können. So gibt es seit über 30 Jahren entlang der Sieg intensive Bemühungen, die Lebensbedingungen für Lachse zu verbessern, damit sich diese anspruchsvolle Art hier wieder erfolgreich fortpflanzt – und das möglichst ohne regelmäßigen Nachschub von nachgezüchteten Jungfischen. Denn was hilft das Aussetzen von Zehntausenden in Gefangenschaft erbrüteten Junglachsen, wenn diese beim Abwandern Richtung Meer in sauerstoffarmem Wasser verenden? Oder wenn sie bei ihrem Wiederaufstieg in die Oberläufe an einer Staustufe scheitern?

An keinem anderen Fluss in Deutschland hat die Wiederansiedlung so gut geklappt wie an der Sieg. Neben der Entschärfung von Wehren und Staustufen durch Bypässe, Fischtreppen oder andere Aufstiegshilfen gilt es, die Lebensräume der Wasserbewohner insgesamt zu verbessern. Dank moderner Kläranlagen bekommt die Wasserqualität inzwischen wieder gute bis sehr gute Noten. Luft nach oben gibt es aber noch in Sachen Gewässerdynamik, Sohl- und Uferstruktur.

Foto: Lars Langemeier
Foto: Lars Langemeier
Foto: Lars Langemeier
Foto: Lars Langemeier
Foto: Lars Langemeier

Was die Besuchende aus der Ausstellung mitnehmen, ist das Wissen, dass es zwei unterschiedliche Typen von Wanderfischen gibt. Die meisten Arten leben im Meer und schwimmen in die Flüsse ein, um dort zu laichen, da die Eiablage nicht im Meer erfolgen kann. Dies sind die anadromen Wanderfische, wie zum Beispiel Lachs oder Meerforelle. Katadrome Wanderfische wie beispielsweise der Aal wandern genau entgegengesetzt. Sie schwimmen flussabwärts zum Meer, um dort zu laichen.

Grundschulkinder muss man mit solchen Spitzfindigkeiten nicht behelligen. Sie haben einen viel direkteren Zugang zum Thema. Eine der ersten Schulklassen, die die neue Ausstellung besichtigen durften, hatte als Mitbringsel ein selbst gemaltes Bild dabei. Die kleinen Künstler und Künstlerinnen der Hans Alfred Keller-Schule aus Siegburg interpretieren den Begriff „Wanderfisch“ ganz wörtlich: Es zeigt einen lächelnden Lachs mit Hut, Spazierstock und Wanderstiefeln.

Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2016

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützte die Einrichtung einer „Wasserwerkstatt“ im Wissenshaus Wanderfische in Siegburg. Das Haus in direkter Nachbarschaft der Wanderfisch-Kontrollstation an der Sieg und des Vereinsheims des Fischschutzvereins Siegburg 1910 e. V. ist eine Ausstellungs-, Umweltbildungs- und Begegnungsstätte.


Standort

Wissenshaus Wanderfische
Wahnbachtalstraße 13 a
53721 Siegburg
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