Die Villa, die mahnt
Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster

Wohnhaus der goldenen Zwanziger, dann Sitz der Schergen des NS-Regimes. Nach dessen Zusammenbruch ein Haus der Hoffnung für die Opfer und schließlich Erinnerungsstätte. Kaum ein Gebäude in Münster hat eine so wechselvolle Geschichte hinter sich wie die Villa ten Hompel am Kaiser-Wilhelm-Ring. Heute geht es hier um Erinnerungskultur – im Geschichtsort Villa ten Hompel.
Im Leitbild des Hauses schließt man „aus der Vergangenheit als nationalsozialistischer Täterort, dass wir uns hier für eine demokratische und vielfältige Gesellschaft einsetzen.“ Die Erforschung und Erinnerung an nationalsozialistische Verbrechen und an die Verfolgten soll es den Gästen ermöglichen, eigene Schlüsse aus der Geschichte zu ziehen.
Die Haushistorie beginnt schillernd mit der wohlhabenden Familie ten Hompel. Sie lässt die Villa als Wohnhaus bauen. Rudolf ten Hompel ist Generaldirektor eines großen Zementkonzerns und gibt hier rauschende Feste. Dann jedoch gerät das Unternehmen in wirtschaftliche Turbulenzen und wird von einem Konkurrenten übernommen. Ten Hompel wird unter anderem wegen Veruntreuung und Konkursvergehen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Villa kommt an den Fiskus. Danach ist sie von 1940 bis 1944 Sitz der Ordnungspolizei, die Dienstaufsicht der örtlichen Polizeikräfte.
Aufarbeitung im Fokus
Diese ist zu jener Zeit immer stärker militarisiert und mehr und mehr an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt, unter anderem durch Einsätze von Wachmannschaften für die Transporte in die Konzentrationslager. Polizei-Bataillone beteiligen sich auch massiv an der Ermordung der jüdischen Bevölkerung Osteuropas. Weil die Villa im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört wird, dient sie nach Kriegsende schnell wieder als Behördensitz. Hier tagt der Entnazifizierungs-Hauptausschuss und von 1954 bis 1968 ist die Wiedergutmachungsbehörde in der Villa untergebracht. Sie entschädigt Opfer des Nationalsozialismus, einige Gruppen gehen jedoch leer aus.
1999 wird der Geschichtsort eingerichtet. Seine 2015 erneuerte Ausstellung informiert heute über die enorme Dimension der Beteiligung der uniformierten Polizei am Zweiten Weltkrieg. Außerdem geht es um die Genozide gegenüber Juden sowie Sinti und Roma, die Entnazifizierung, aber auch Kontinuitäten nach 1945, die juristische Aufarbeitung des NS-Unrechts sowie den bürokratischen Versuch einer „Wiedergutmachung“ gegenüber ehemals Verfolgten.
Stand der Angaben: März 2026
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung stellte dem Verein zur Förderung einer Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsstätte in der ehemaligen Villa ten Hompel e. V. eine Förderung zur Verfügung, um die Dokumentation der Ausstellung zu professionalisieren.
Standort
Geschichtsort Villa ten HompelKaiser-Wilhelm-Ring 28
48145 Münster
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