Die Villa Medica in Rhede

Wie die Medizin aufs Land kam

Hochwirksame Abwechslung im Ausflugskalender: Das 1993 im Westmünsterland eröffnete „Medizin- und Apothekenmuseum Rhede“ präsentiert sich seit 2025 als neugestaltete „Villa Medica“. Die NRW-Stiftung förderte die Modernisierung der Ausstellung, in der Originalexponate nun durch Medienstationen und großformatige Illustrationen zusätzliche Perspektiven gewinnen. Die auch für Kinder attraktiven Wandbilder zeigen unter anderem die fiktiven, aber exemplarischen Schicksale der Familie Rheesing, die in die Zeiten zurückführen, als die medizinische Versorgung auf dem Land nur langsam vorankam und noch „Familienzahnbürsten“ von Mund zu Mund wanderten.

Detail aus der Einrichtung einer historischen „Offizin“ – so nannte man einst den Verkaufsraum einer Apotheke, hinter dem die Werk- und Laborräume lagen.

Die „Laborinsel“ zeigt Geräte aus einem historischen Apothekenlabor, darunter Handzentrifuge, Handmühle, Analysenwaage und ein Filtergefäß zur Herstellung keimfreien Wassers.

Das denkmalgeschützte Gebäude von 1923, das nun Villa Medica heißt, beherbergte nie eine Arztpraxis oder Apotheke.

Praxis mit Tretbohrer

Rhede, erst seit 1975 Stadt, steht exemplarisch für die historische Entwicklung in vielen ländlichen Gegenden: Sogenannte Wundärzte, beim Militär ausgebildet, gab es hier schon ab 1743, beherrschten aber meist nur simple chirurgische Handgriffe. Für die Geburtshilfe standen außerdem Hebammen bereit. Doch erst 1840 konnte sich eine Landapotheke am Ort etablieren, 1850 gefolgt vom ersten studierten „Doktor“. Dass ausgerechnet er 1860 der Ruhr zum Opfer fiel, unterstreicht die damaligen Risiken durch Infektionskrankheiten. Eine zahnärztliche Praxis gab es in Rhede seit dem frühen 20. Jahrhundert, doch bleibt dem Publikum die interaktive Erprobung des im Museum gezeigten „Tretbohrers“ zum Glück erspart.

Untergebracht ist die Ausstellung in der denkmalgeschützten „Villa Harde“, jetzt „Villa Medica“, die 1923 als neobarockes Wohnhaus einer Fabrikantenfamilie entstand. Die Zeit von 1850 bis 1950 bildet den Schwerpunkt der Präsentation, wobei es im Erdgeschoss um das ländliche Leben und die Geschichte des Gebäudes geht, während die erste Etage sich den vielfältigen Berufen rund um die menschliche Gesundheit widmet. Im oberen Stockwerk stehen die Krankenpflege und die Entwicklung des 1853 eröffneten Rheder St. Vinzenz-Hospitals vom Armenhaus zur psychiatrischen Klinik im Mittelpunkt. Besonders eindrucksvolle Ausstellungsstücke wurden von Carola Starting gestiftet, die 1947 als erste Frau in Rhede eine Apotheke betrieb. Seit der Neueröffnung des Museums sind die Räume der angrenzenden Alten Mühle mit einbezogen, wo Schautafeln Fragen der Ernährung behandeln. Hundert Quadratmeter Fläche stehen außerdem für Sonderausstellungen zur Verfügung. Die oberen Stockwerke lassen sich barrierefrei per Aufzug erreichen.

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung stellte 2022 Mittel für neu inszenierte Exponate, interaktive Stationen und Barrierefreiheit in der „Villa Medica“ zur Verfügung. 2024 half sie dem „Heimat- und Museumsverein Rhede e. V.“ bei der Finanzierung großformatiger Wandillustrationen. Das Museum wird auch vom „Förderkreis für das Medizin- und Apothekenmuseum in Rhede“ unterstützt.


Standort

Villa Medica
Markt 14
46414 Rhede
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