Stadtmauer Zons

Eine Mauer, die es in sich hat

Denkmalschutz und der Erhalt wertvoller Lebensräume müssen keine Gegensätze sein: Das konnte das von der NRW-Stiftung geförderte Projekt einer nachhaltigen Sanierung eines 50 Meter langen Abschnitts der Stadtmauer von Zons am Niederrhein beweisen. In Zusammenarbeit von Stadt, Landschaftsverband, Heimat- und Denkmalpflege sowie dem Naturschutz wurde der mittelalterliche Mauerabschnitt restauriert, ohne die erstaunliche Vielfalt an  Tieren und Pflanzen unwiederbringlich zu zerstören. Die Sanierungsarbeiten sind seit Februar 2023 abgeschlossen.

 

Nur auf den ersten Blick unscheinbar ist das vielfältige Leben in altem Gemäuer. Hier zu sehen das Mauerglaskraut.

Schließmundschnecken (Alinda biplicata), die am Mauerfuß leicht und in großer Zahl zu entdecken sind.

Foto: Marija Bakker

Das Zimbelkraut.

Foto: Marija Bakker
Foto: Marija Bakker

Akribisch wird die Mauer auf Landschnecken-Vorkommen im Bereich der Mauerkrone untersucht. Der Hubsteiger bringt den Experten auf „Augenhöhe“ mit ihrer Forschung.

Mittelalter pur

Die niederrheinische Kleinstadt Zons ist bekannt als eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städtchen Deutschlands. Mehr als 700.000 Besucher kommen in jedem Jahr an den linken Niederrhein, um das Flair vergangener Zeiten zu genießen. Hauptattraktion ist die Befestigungsanlage mit ihrer komplett erhaltenen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Die wenigsten Besucher und Besucherinnen, die staunend vor der ehemaligen Feste stehen, dürften aber ahnen, was das alte Gemäuer jenseits seiner beeindruckenden äußeren Erscheinung noch zu bieten hat. Denn dort, wo vor mehr als 600 Jahren Stein auf Stein geschichtet wurde, entstand nicht nur ein weithin sichtbares Symbol der Wehrhaftigkeit und des mittelalterlichen Wohlstands.

Es entstanden auch zahlreiche auf den ersten Blick wenig ins Auge fallende Kleinlebensräume, in denen Tier- und Pflanzenarten unauffällig, aber in großer Vielfalt die Stürme der Zeit und die mit ihnen einhergehenden Veränderungen unbeschadet überstehen konnten. Mit der notwendig gewordenen Sanierung der Mauer stellte sich die Frage, wie Denkmalschutz- Sicherheitsaspekte und die Bewahrung der Artenvielfalt unter einen Hut gebracht werden können. In Zusammenarbeit zwischen Behörden, Vereinen und dem Naturschutz wurde ein Konzept für eine schonende Restaurierung entworfen und umgesetzt.  30 Moos- und Schneckenarten konnten so überleben, seltene Gräser wurden bewahrt - und die Besucherinnen und Besucher können nun Geschichte und Naturgeschichte an einem Ort studieren: Denn ein kompletter Abschnitt wurde im alten Zustand belassen und mit Drahtmatten – ähnlich wie an Straßenböschungen - gesichert. Hier findet sich auch ein Infopunkt für Besucher, auf dass ihnen die heimlichen Schätze der Zonser Stadtmauer nicht länger verborgen bleiben.

Stand der Angaben: Sommer 2023 | Text: Thomas Krumenacker

Das Projekt „Stadtmauer Zons“ in unserem Förderbande-Podcast

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderverein Denkmalschutz Stadt Zons e.V. bei der naturschutzfachlichen Instandsetzung eines Teilabschnittes an der Westmauer. Bereits 2018 konnte ein erster Teilabschnitt der Westmauer im Bereich vom Mühlenturm bis zum Wachtürmchen mit Hilfe der NRW-Stiftung saniert werden.


Standort

Stadtmauer Zons
Mauerstraße 48
41541 Dormagen-Zons
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