Artisten im Schilf
Rieselfelder Windel bei Bielefeld-Senne

Die Grün- und Bronzetöne des Herbstes sind einem eintönigen Hellbraun gewichen, vor der klaren Januarluft stehen die welken Schilfpflanzen wie zerzauste Fahnen. Aber das Naturreservat der Rieselfelder Windel vor den Toren Bielefelds ist in der kalten Jahreszeit nicht verwaist. Einige spezialisierte Tierarten finden hier auch bei Eis und Schnee noch ausreichend Nahrung. Abgesehen von „Stammgästen“ unter den Vögeln, die zuverlässig an allen Wintertagen zu beobachten sind, sieht man mit etwas Glück und Geduld auch seltenere Arten.
Wer die markierten Wege durch die Rieselfelder nimmt, wird an offenen Wasserflächen, ausgedehnten Schilfröhrichten und feuchtem Grünland entlanggeführt. Bei milder Witterung lohnt der Besuch der Aussichtskanzel an der „Nordschleife“, denn von dort lassen sich diverse Enten und der Zwergtaucher auf den Teichen beobachten. Welche Arten jeweils anwesend sind, erfährt man beim Infozentrum. Bei Frost bieten dagegen die ausgedehnten Röhrichte an der „Südschleife“ die Chance, Kleinvögel bei der Nahrungssuche zu sehen. Beispielsweise die Rohrammer, deren schneidendes „Zie“ auch das Rascheln des Röhrichts im Wind übertönt. Sucht man mit dem Fernglas die Vegetation ab, aus der die Stimme ertönt, entdeckt man die graubraune Ammer meist an den Fruchtständen vorjähriger Hochstauden oder in der Spitze von Schilfpflanzen. Jetzt im Winter machen Grassamen einen großen Teil ihrer Nahrung aus, aber selbst bei Minustemperaturen erbeutet der „Rohrspatz“ auch Spinnen und kleine Käferlarven, indem er die Lücken zwischen Schilfhalmen und -blättern sondiert.
Bärtige Akrobaten turnen im Schilf
Fast jeden Winter statten auch die seltenen Bartmeisen den Rieselfeldern eine Visite ab, doch gehören sie zu den weniger zuverlässigen Kandidierenden und ihr Erscheinen ist nicht genau vorhersehbar. Besonders bei Sonne klettern und flattern sie durch die Wipfel des Röhrichts. Meist sind sie als Kleingruppe unterwegs und halten mit metallisch klingenden „Psching-psching“-Rufen Kontakt untereinander. Das zimtbraune Gefieder der Männchen mit den dunklen Bärten wirkt zwar bunt, im Zwielicht des welken Schilfs bietet es den Vögeln aber eine gute Tarnung – vorausgesetzt, sie sitzen still. Nach menschlichen Maßstäben verdienten sie eher das Etikett „hyperaktiv“. Wie bei einer Zirkusvorstellung turnen sie von einem Fruchtstand zum nächsten, üben Spagat zwischen zwei Halmen oder baumeln kopfunter an einer Schilfrispe. Ihre Winternahrung ähnelt der der Ammern. Gezielt kontrollieren sie verwelkte Knöterich-, Ampfer- und Brennnesselstauden oder sie quetschen mit ihrem Schnabel die Samen aus den trockenen Schilfspelzen. Bartmeisen sind wenig scheu. Das ändert sich schlagartig, wenn ein Mitglied der gleichen Art „Luftalarm“ gibt, etwa weil er einen Sperber bemerkt hat. In Sekundenbruchteilen ist die Turntruppe im Unterwuchs verschwunden.
Ferkel im Röhricht?
Gelegentlich hört man aus den Tiefen des Röhrichts Geräusche, die wie das Quieken eines Ferkels klingen. Urheber ist die Wasserralle. Viele ihrer Mitglieder der gleichen Art weichen bei Frost in südwestlich gelegene Winterquartiere aus, aber einige harren im Gebiet aus. Vielleicht werden sie durch das wärmere Abwasser begünstigt, in dem Würmer und Schnecken länger verfügbar sind. Erst wenn der Uferschlamm komplett durchfriert, ziehen sie ab. Die scheuen, gut drosselgroßen Vögel fliegen übrigens nur, wenn es unbedingt sein muss. Lieber sind sie gemessenen Schrittes am Grunde des Schilfdschungels unterwegs. Die Wirbelsäule der Rallen ist so biegsam und ihr Körper so schmal, dass sie zwischen noch so dichten Röhrichtpflanzen hindurchschlüpfen können. Dennoch kann man sie jetzt im Winter eher zu Gesicht bekommen als im Sommer, weil der Blick nicht durch das Laub der Hochstauden verstellt ist.
Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2013/Nr. 2
Unser Engagement
Das Naturreservat Rieselfelder Windel vor den Toren der Stadt Bielefeld wurde bereits mehrfach von der NRW-Stiftung unterstützt, so im Jahr 1995 mit dem Erwerb einer Hofstelle, im Jahr 2009 mit dem Wiederaufbau einer Remise und aktuell bei der Errichtung einer barrierefreien Aussichtskanzel. Im Gebiet werden Weiße gehörnte Heidschnucken für die Landschaftspflege eingesetzt.
Standort
Rieselfelder WindelNiederheide 63
33659 Bielefeld
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