Rechtsprechung mit Tischtuch

Das Patrimonialgericht Fürstenberg

Das Alte Gericht Fürstenberg im Paderborner Land ist ein Justizgebäude aus dem Jahr 1736. Bis 1849 wurde hier private Gerichtsbarkeit ausgeübt, bevor diese Art der Rechtsprechung in Preußen und damit auch im Paderborner Land aufgehoben wurde. Danach tagten in dem Gebäude noch bis in das 20. Jahrhundert hinein staatliche Gerichtsinstanzen. 2009 wurde es als Museum eröffnet, das sich mit der Geschichte von Recht und Strafe auseinandersetzt.

Gerichtsherr hatte das Sagen

Fürstenberg war das „Patrimonialgericht“ einer adligen Herrschaft: Die Grafen von Westphalen zu Fürstenberg hatten seit dem späten Mittelalter die rechtliche Gewalt über die Menschen auf ihren Ländereien. Allein im Paderborner Land gab es rund 50 ähnliche Gerichte, die meist Flurstreitigkeiten, Zivilsachen und Alltagsdelikte behandelten. Der Gerichtsherr berief Richter und Schreiber und konnte auch den Ablauf des Prozesses beeinflussen. Die Verfahren waren nicht öffentlich. Angeklagte, Schreiber und Richter saßen an einem Tisch, erstere allerdings auf simplen Schemeln, die anderen auf hohen Stühlen. Der Luxus eines Tischtuchs sorgte bei einfachen Menschen vom Land zusätzlich für Respekt.

Am Pranger vor dem Gebäude wurden Verurteilte bloßgestellt.

Innen ist eine spannende Ausstellung zu sehen.

Im Keller sind sieben Zellen erhalten.

Das Fürstenberger Gericht beschäftigte sich meist mit Zivildingen wie Grundstückssachen und Eheverträgen. Anders als viele ähnliche Einrichtungen strafte es aber auch an Leib und Leben. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sogar noch gegen vermeintliche Hexen prozessiert. Das letzte Todesurteil erging 1786 gegen einen Dieb. Der Pranger vor dem Gebäude erinnert an die öffentliche Bloßstellung als Strafe für „arme Sünder“, wie man sie früher nannte. Hingegen waren lange Haftstrafen vor dem 19. Jahrhundert in Deutschland selten. Die sieben erhaltenen Zellen des Fürstenberger Gerichts sollten vor allem Verdächtige festhalten und widerspenstige Schuldner zahlungswillig stimmen.

Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte den „Förderkreis für Kultur, Geschichte und Natur im Sintfeld e.V.“ bei der Einrichtung einer Ausstellung im Alten Gericht und bei der Herausgabe einer von Frank Huismann verfassten Begleitbroschüre.


Standort

Patrimonialgericht Fürstenberg
Am Schloßpark 6
33181 Bad Wünnenberg
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