Vervielfachte Vielfalt

Museum für Fotokopie im Makroscope Mülheim

Mitte des 20. Jahrhunderts revolutionierte die Chemikerin Edith Weyde im rheinischen Leverkusen durch die Erfindung der „Blitzkopie“ die Büroarbeit grundlegend. Wie es dazu kam, erzählt das Museum für Fotokopie, das seit 2013 zum Mülheimer „Makroscope“ gehört, einem Zentrum für Kunst und Technik, in dem auch Platz für Ateliers, Probenräume, Filmvorführungen, Ausstellungen und Konzerte ist. Das 1898 als Hotel erbaute Haus, in dem das Makroscope residiert, wurde 2018 vom Trägerverein gekauft und so dauerhaft für die Kultur gesichert.

Die Chemikerin Edith Weyde (1901–1989) entwickelte das 1941 patentierte Konzept der „Blitzkopie“ als Mitarbeiterin der Agfa-Photopapierfabrik in Leverkusen.

Foto: Judith Büthe

Chester F. Carlson, Erfinder der Xerografie, als „Blaupause“ (von Klaus Urbons) im historischen Kopierrahmen.

Foto: Judith Büthe
Foto: Judith Büthe

Das Museum für Fotokopie ist das Kernstück des „Makroscope“, das sich insgesamt als selbstverwaltetes „soziokulturelles Kunsthaus“ versteht, dessen Räume von Projekten mitgenutzt werden können.

Das Museum für Fotokopie des Makroscope enthält eine international einmalige Sammlung zur Geschichte der Fotokopie und der Copy Art.

Copyrapid und Xerografie
Bei der 1941 patentierten Blitzkopie, auch Copyrapid genannt, lag das Original während der Belichtung direkt auf dem Negativpapier. Bei dessen Entwicklung wiederum entstand – ebenfalls durch Direktkontakt – sofort auch ein Abzug, sprich: die Kopie. Möglich wurde das durch eine Diffusion von Chemikalien, für deren Entdeckung die 1901 in Prag geborene Edith Weyde, Mitarbeiterin der Agfa-Photopapierfabrik in Leverkusen, unter anderem den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie erhielt. Das vom Experten Klaus Urbons aufgebaute Museum in Mülheim präsentiert indes auch die große Konkurrentin der Blitzkopie – eine historische Rank Xerox-Maschine, die statt auf beschichtete Fotopapiere auf elektrische Effekte und ein feines Pulver, den sogenannten Toner setzte. Tatsächlich wurde das Verfahren der „Trockenkopie“ („xero“ ist griechisch für „trocken“) von dem Amerikaner Chester F. Carlson und seinem österreichischen Kollegen Otto Kornei sogar schon vor der Blitzkopie erfunden, konnte diese aufgrund seiner anfangs nur geringen Praxistauglichkeit aber erst ab Ende der 1950er Jahre verdrängen. Umso wichtiger wurden Xerographien für die bald darauf aufkommende „Copy-Art“ mit ihrer Lust an Verfremdungseffekten durch Mehrfachkopien. Berühmte Künstler wie Joseph Beuys und Robert Rauschenberg haben sich daran versucht.

Stand der Angaben: Oktober 2023 | Text: Ralf J. Günther

Das Museum für Fotokopie in unserem Förderbande-Podcast

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung half dem Verein „Makroscope e. V.“ bei der Sanierung und Einrichtung eines Ausstellungsraums für das „Museum für Fotokopie“, dessen in Europa einzigartige Sammlung von den Anfängen bis ins Digitalzeitalter reicht.


Standort

Museum für Fotokopie
Friedrich-Ebert-Strasse 48
45468 Mülheim an der Ruhr
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