Künstler ganz oben
Museum August Macke Haus in Bonn

Ganz oben unterm Dach, in seinem ersten und einzigen Atelier, entstanden einige seiner bekanntesten Gemälde – dem Künstler August Macke muss es im Haus an der Bornheimer Straße in Bonn gut gefallen haben. Mit seiner Frau Elisabeth hatte er den dreigeschossigen klassizistischen Bau im Februar 1911 bezogen, das Dachgeschoss umbauen lassen und war hier unglaublich produktiv geworden – ganz, als hätte er geahnt, dass er bis zu seinem frühen Tod zu Beginn des Ersten Weltkriegs nur dreieinhalb Jahre in diesem Domizil verbringen würde.
Mit der Wahl seiner Partnerin, die Mackes später als sein „zweites Ich“ bezeichnete, hatte er eine gute Partie erwischt. Bereits als 16-jähriger Schüler hatte er sich in die ein Jahr jüngere Tochter des Fabrikanten für chemische Apparate Carl Heinrich Gerhardt verliebt. Er war es auch, der dem Paar bald nach ihrer Rückkehr nach Bonn – nach ihrer Hochzeit hatten sie zunächst am Tegernsee gelebt – das Haus auf seinem Firmengelände zur Verfügung stellte. Schließlich hatte die Familie in Bayern Zuwachs bekommen: Sohn Walter war geboren worden.
„Walterchens Spielsachen“ – zwei Bälle, eine russische Matrjoschka und zwei Stofftiere – wurden sodann auch, mit ziemlicher Sicherheit im Bonner Atelier, auf einem der Bilder des Künstlers verewigt. Überhaupt wählte Macke für seine Gemäde häufig Motive aus dem familiären Umfeld. So bannte er auch den „Macke‘schen Garten“ direkt hinterm Haus auf Leinwand und platzierte hier Sohn Walter als Person im Bild. Freilich in vereinfachter, figurenhafter Form, denn in seiner Bonner Zeit hatte August Macke, dessen Stil sich in seiner Karriere mehrere Male gewandelt hatte, endgültig dem Expressionismus zugewandt. Bis er im Sommer 1914 als Soldat eingezogen wurde, arbeitete Macke nicht nur in seinem Atelier – der bestens vernetzte Künstler empfing auch Freunde dort. Mit dem Expressionisten Franz Marc, wie Macke Mitglied der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“, hatte er 1912 das Wandbild „Paradies“ in seinem Arbeitsraum geschaffen.
Beide Künstler sollten nicht aus dem Krieg zurückkehren – Marc fiel im März 1916 bei Verdun, August Macke bereits im September 1914 in der Champagne. Seine Witwe blieb in dem Bonner Haus wohnen und lebte hier mit den Kindern und ihrem neuen Ehemann, Mackes Freund Lothar Erdmann, bis zu einem beruflich bedingten Umzug 1925 nach Berlin. 1948 kehrte die nun zweifach verwitwete Elisabeth in das Haus zurück und lebte im zu einer kleinen Wohnung umgebauten Atelier. Als sie 1978 starb, wurde das Haus verkauft – aber nicht bevor das Wandbild abgetragen und ins LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster gebracht worden war.
Heute ist es kaum zu glauben, dass die Historie des Hauses danach fast in Vergessenheit geriet. Es sollte in den 1980er-Jahren in eine Gaststätte verwandelt werden. Einige Bürgerinnen und Bürger erinnerten sich an seine Geschichte als Wohn- und Arbeitsort August Mackes und verhinderten die Umbaupläne. Die Stadt Bonn erwarb das Haus und ein Museum entstand in den für einen größeren Besucherandrang doch eher beengten Räumen.
Erst ein Erweiterungsbau, der 2017 eröffnet wurde, brachte Entlastung. Zuvor war das Künstlerhaus selbst umfassend saniert und umgestaltet worden. Dort gibt es in 14 kleinen Räumen alle Informationen zu Leben und Werk August Mackes. Im Neubau befinden sich Depots, Verwaltungsräume, das Archiv, Veranstaltungsflächen und ein museumspädagogisches Atelier, außerdem eine Bibliothek, der Empfang und der Museumsshop. August Mackes Lebensgeschichte, sein Werk und sein Umfeld haben also eine würdige und dauerhafte Heimat in Bonn gefunden.
Stand der Angaben: Dezember 2025
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung förderte bereits mehrfach Projekte im August Macke Haus, unter anderem die Neueinrichtung des ehemaligen Wohn- und Atelierhauses im Zuge des Erweiterungsbaus, den Einbau eines behindertengerechten Fahrstuhls sowie die technische Modernisierung der multimedialen und interaktiven Ausstellung.
Standort
Museum August Macke HausHochstadenring 36
53119 Bonn
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