Die Geschichte von MM27

Das Mauerhaus in Rheine

Das Haus mit der Adresse „Münstermauer 27“ im westfälischen Rheine war rund ein Vierteljahrtausend in Familieneigentum. Erst 2018 wurde MM27, wie die Einheimischen das alte Gebäude gerne nennen, an die Stadt verkauft, die es im Jahr darauf dem Verein „Historische Altstadt Rheine e. V.“ anvertraute. Dessen Ziel war es, das Baudenkmal zu sanieren und als lebendiges Stück Stadtgeschichte öffentlich zugänglich zu machen. Seit Herbst 2024 bietet das sogenannte Mauerhaus – geprägt durch seine Lage an der ehemaligen Stadtmauer – nun spannende Einblicke in das Alltagsleben früherer Jahrhunderte. Auch Sonderausstellungen finden statt, darunter 2026 eine Präsentation rund um den in Rheine geborenen Maler Carl Weddige.

Die Treppe, die eigentlich eine Rampe ist. Sie wurde eigens für Schafe und Ziegen gebaut.

Zugang zum Keller, in dem Reste der mittelalterlichen Stadtmauer erhalten sind.

Blick in die Küche.

Sockelleisten aus Delfter Kacheln.

Eine geliehene Wand

Als Städte noch befestigt waren, mussten sich kleine Häuser oft regelrecht an die Stadtmauern kauern, liehen sich von diesen nicht selten sogar ihre Rückwände. So anfangs auch das Mauerhaus in Rheine, ein wohl im 16. Jahrhundert zweigeschossig ausgeführter Fachwerkbau, der „traufenständig“ ist, also der Straße nicht den Giebel, sondern die Triefkante des Daches zuwendet. Als man im 19. Jahrhundert die mittelalterliche Rückwand des Hauses zugunsten von mehr Innenfläche beseitigte, blieben im Keller Überreste der Stadtmauer erhalten. Das Haus bietet darüber hinaus noch weitere interessante Details wie das leicht vorspringende Obergeschoss, das den Raum erweiterte, ohne die darunter liegende Gasse zu verengen. Besonders ungewöhnlich: die sogenannte Ziegentreppe, eigentlich eine Rampe, die es erlaubte, Kleinvieh direkt durch den Hausflur zu treiben.

Die Ziege galt einst als die Kuh des kleinen Mannes, was ein Schlaglicht auf die Menschen wirft, die das Mauerhaus früher bewohnten. Um die „kleinen Leute“ geht es folgerichtig auch bei der 2026 gezeigten Ausstellung, die Bilder des Malers Carl Weddige (1815–1862) erläutert. Geboren in Rheine, studierte er an der Düsseldorfer Kunstakademie, lebte später in Paris und Amsterdam, kam aber immer wieder in seine Heimat zurück. Die im Mauerhaus reproduzierten Genre-Bilder Weddiges illustrieren den Umbruch durch die zunehmende industrielle Fertigung. Lange hatten dem Haus Wollspinner ihren Beruf ausgeübt. Der Niedergang des Textilgewerbes zwang jedoch zur Umorientierung – entweder zur Fabrikarbeit oder zu einem anderen Handwerk. MM27 hatte Glück: Es wurde zur Adresse eines erfolgreichen Metzgermeisters.

 

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung half dem Verein „Historische Altstadt Rheine e. V.“ bei der musealen und digitalen Präsentation des denkmalgeschützten Hauses MM 27 sowie bei der Sonderausstellung „Weddige und die kleinen Leute“.


Standort

Mauerhaus Rheine
Münstermauer 27
48431 Rheine
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