Heim für „arme Kinder Gottes“
Lepramuseum Münster

Das Leprosenhaus bei Münster wurde erstmals im Jahr 1333 erwähnt. Sein Name ist heute auf einen ganzen Stadtteil übergegangen: Münster-Kinderhaus. Denn als „arme Kinder Gottes“ wurden die Kranken früher oft bezeichnet. Auf dem historischen Gelände des Leprosoriums hat seit 1986 das bundesweit einzigartige Museum der „Gesellschaft für Leprakunde“ seinen Sitz. 2013 wurde die Ausstellung neu gestaltet.
Risiko Gürteltier
Das Haus, in dem die Leprakranken lebten, wurde zwar 1840 abgerissen, aber auf dem Gelände gibt es noch viele Spuren der Vergangenheit. So ist in einer Mauer die ehemalige Durchreiche zu erkennen, durch die Lebensmittelspenden in den Isolationsbereich gelangen konnten. Nur wenige Meter entfernt steht das dem Lepra-Schutzheiligen geweihte Lazarus-Häuschen. Mit Inschriften forderte es die Vorbeikommenden zu Geldspenden auf, die in den „Armenpost“ geworfen wurden, einen dafür vorgesehenen Sammelkasten.
Im 17. und 18. Jahrhundert verschwand die Lepra aus nicht ganz geklärten Gründen aus Mitteleuropa. So auch in Münster, wo man auf dem Gelände des Leprosoriums 1662 ein Werkhaus für Bettelkinder erbaute, aus dem später ein Armenhaus wurde. Dieser langgestreckte Fachwerkbau existiert noch heute. Ein direkt anschließender, kleinerer Gebäudeteil – früher wohl die Verwalterwohnung – beherbergt heute das Museum der „Gesellschaft für Leprakunde“. Es befasst sich mit der lokalen und der globalen Geschichte der Krankheit, mit ihren Spiegelungen in der Kunst und mit medizinischen Aspekten. Man erfährt zum Beispiel, warum das Hantieren mit Klappern einst zu den Pflichten der Kranken gehörte, wie der Tagesablauf in einem Leprosorium aussah und dass Gürteltiere Lepra verbreiten können, ohne selbst Symptome zu entwickeln.
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte die Gesellschaft für Leprakunde e. V. bei der Neugestaltung des Museums und seiner Außenanlagen.






