Virtuelles Glühen

Der Denkmalpfad in der Essener Kokerei Zollverein

Seit 2001 gehört die Essener Zeche Zollverein zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ihr charakteristisches Fördergerüst, der 55 Meter hohe „Doppelbock“ aus dem Jahr 1930, zählt zu den architektonischen Wahrzeichen NRWs. Doch der Welterbe-Komplex umfasst nicht nur die denkmalgeschützten Kohleförderungsanlagen, sondern auch die gewaltigen Relikte der früheren Kohledestillation, sprich: die 1993 stillgelegte Kokerei. Ebenso wie die Zeche selbst wird sie inzwischen durch einen aufwendigen multimedialen Erlebnisrundgang erschlossen, der in den Jahren 2020 bis 2025 schrittweise entstanden ist.

Einer der Präsentationskuben, hier am Löschturm Ost.

In der Station „Nebenprodukte“ wird vermittelt, welche Konsumgüter auf die Weiterverwertung von Rohgas zurückgehen.

Foto: Sven Lorenz

Feuerlanze und Fuchs
Die Kokerei Zollverein ist zwar erheblich jünger als die gleichnamige Zeche, wurde aber ebenfalls von dem Architekten Fritz Schupp entworfen. Ursprünglich 1957 bis 1961 erbaut, umfasste sie nach einer Erweiterung im Jahr 1974 insgesamt 304 Öfen. Auf ihrer „schwarzen Seite“ ließen sich achttausend Tonnen Koks pro Tag produzieren. Auf der „weißen Seite“ gewann man hingegen aus freigesetzten Gasen Ammoniak, Benzol und Teer. Um dem heutigen Publikum die komplexen Produktionsvorgänge zu veranschaulichen, wurde nun – wie schon im Zechenteil von Zollverein – ein barrierefreier Denkmalpfad eingerichtet.

Auf dem Rundgang werden auch Schutzkleidung und Geräte gezeigt, die für die Arbeit in der gluterfüllten Kokerei unverzichtbar waren.

Videosäulen imitieren die einstmals glühenden Prozesse in der Kokerei mit multimedialen Mitteln.

2020 wurde die erste Station des Kokerei-Pfades eröffnet. Zu sehen sind hier unter anderem die Feuerlanze zum Anzünden der Öfen und ein Modell der "schwarzen Seite".

Rundgänge auf Zollverein
Bei geführten Rundgängen können hier Maschinen virtuell wieder in Gang gesetzt werden, entweder direkt an den Originalstandorten oder in speziellen Pavillons entlang der Ofenbatterie. Die erste Station – am sogenannten Löschturm Ost – zeigt unter anderem die Feuerlanze zum Anzünden der Öfen sowie ein sieben Meter langes Modell der schwarzen Seite. Im Bereich „Arbeit und Leben“ stehen die Arbeitsbedingungen der mehr als tausend Kokerei-Beschäftigten im Mittelpunkt. Hinter der Stationsbezeichnung „Drücken“ verbergen sich Animationen, die das Pressen des gegarten Koks in den „Kokskuchenführungswagen“ veranschaulichen. Danach geht es um die chemischen Nebenprodukte des Kokereigases und die daraus hergestellten Alltagsprodukte – darunter Aspirin. Die Abteilung „Verkokung“ bringt Ofenkammern mittels Licht- und Wärmetechnik virtuell zum Glühen. Es folgen die Themen „Umweltbelastungen und Umweltschutz“, „Beheizen und Abkühlen“ sowie „Übergabe“, womit das Befüllen der Kokskohlebunker gemeint ist. Die Station „Fuchs und Schornstein“ führt schließlich in den früher nicht betretbaren Bereich, in dem mit gewaltigem Luftzug die Rauch- und Abgase abgeleitet wurden. Der Fachbegriff „Fuchs“ bezeichnet in diesem Zusammenhang den Abgaskanal vom Ofen zum Schornstein. Bei allem multimedialem Aufwand bleibt allerdings das Industriedenkmal selbst das wichtigste Exponat: Der Rundgang soll das einstmals tosende Innenleben der einzigen Kokerei mit Welterbe-Status besser verständlich machen, nicht aber von ihrer eindrucksvollen Gestalt ablenken.
 

Stand der Angaben: Jahresbericht 2023 | Text: Ralf. J. Günther

Unser Engagement

Auf Antrag der „Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein“ haben Stiftungsrat und Vorstand der NRW-Stiftung den 2025 auf den Komplettumfang von zehn Stationen erweiterten Denkmalpfad zur Kokerei Zollverein unterstützt.


Standort

Zeche Zollverein
Gelsenkirchener Str. 181
45309 Essen
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