Bonner Premieren

Junges Theater Bonn

Der Tag der Aufführung ist noch fern, doch schon jetzt strömen die Menschen ins Theater. Es sind junge Leute, sogar Kinder, die da aufgeregt auf Einlass warten – allerdings nicht, um sich mit einer bloßen Rolle einer Person aus dem Puplikum zu begnügen. Sie alle möchten selbst auf der Bühne stehen und den Beifall des Publikums ernten. Womit wir den Vorhang lüften können: Die Rede ist vom JTB, dem Jungen Theater Bonn. Deutschlands erfolgreichste Kinder- und Jugendbühne hat ein Profi-Ensemble, setzt aber bei vielen Produktionen auch auf das schauspielerische Talent von Kindern und Jugendlichen. Bei der Rollenvergabe sind 120 Bewerberinnen und Bewerber keine Seltenheit. 

Vor über 45 Jahren wurde das JTB gegründet, das Gebäude, in dem es zu Hause ist, stammt sogar noch aus dem 19. Jahrhundert. Trotzdem nennt sich das Theater mit Recht „jung“ – einerseits wegen seines Programms und andererseits wegen der Erfolgsidee, die Rollen von Kindern und Jugendlichen mit darstellender Person in passendem Alter zu besetzen. Ob bei Musicalproduktionen nach Vorlagen der „Tintenherz“-Autorin Cornelia Funke oder bei der aktuellen Detektivgeschichte „Die drei ??? und der Fluch des Piraten“ – das Konzept des JTB sorgt für stolze Eltern, begeisterte Kritisirende und viel Publikumsresonanz. Die Inszenierung „Geheime Freunde“ nach einem Roman von Myron Levoy wurde trotz des schwierigen Themas Antisemitismus und Exil mit wechselnden darstellenden Personen schon vor einem Puplikum über 35.000 aufgeführt. Mit knapp 140.000 Gästen pro Spielzeit ist das JTB sogar das bestbesuchte Kinder- und Jugendtheater Deutschlands.

Ganz großes Kino – aber inzwischen ein Theater für Schauspiel und Musicals.

Im ehemaligen Rheingold-Kino hat heute das Junge Theater Bonn seine Spielstätte.

Die berühmten drei Fragezeichen und der Fluch des Piraten – anders als in den „???“-Büchern leisten im JTB auch Mädchen entscheidende Detektivarbeit.

Lehrreicher Unterrichtsausfall

All das verdient Beifall – aber kann man Schülerinnen und Schüler tatsächlich so einfach über Monate hinweg bei Theaterproduktionen einsetzen? Schon die Proben für ein Stück beanspruchen bis zu neun Wochen mit jeweils mehreren Stunden Arbeit täglich. Ferien reichen dafür nicht aus. Während der Spielzeit können die Mitglieder des Nachwuchsensembles sogar einmal pro Woche vom Schulunterricht beurlaubt werden. Um Versetzungen nicht zu gefährden, müssen die hoffnungsvollen Bewerberinnen und Bewerber beim Casting daher nicht nur schauspielerisches Talent beweisen, sondern auch Fragen zu ihrem schulischen Leistungsstand beantworten. Nur wer Unterrichtsausfälle ohne Probleme kompensieren kann, darf im JTB auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Alle Rollen werden hier außerdem doppelt besetzt. 

Auf seine Weise ist das Junge Theater selbst ein einzigartiger Lernort. Welche schulische Theater-AG könnte schon so eine intensiven Begegnung mit Fachkräften aus dem Schauspiel, der Regie und der Theatertechnik bieten? Unterrichtet wird ganz gezielt aber seit 2002 auch in der JTB-Werkstatt, der bundesweit größten Schauspielschule für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr Angebot reicht von Schnupper-Workshops über Grundkurse und Summerschools bis hin zu Musicalseminaren, Stimmbildung, Kameratraining und vielem mehr. Wichtig: Um eine Rolle zu erobern, ist ein Kursbesuch keine zwingende Voraussetzung, die Castings sind offen – und aufregend. Den Satz „Ich bin schrecklich nervös“ haben jedenfalls fast alle Bewerberinnen und Bewerber fest im Repertoire, wenn es an die erste Leseprobe vor Theaterintendant Moritz Seibert und seinen Teammitgliedern geht.

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 2

Unser Engagement
Die NRW-Stiftung ermöglichte die weitgehend barrierefreie Gestaltung des JTB. Partner bei der Sanierung waren unter anderem die Stadt Bonn und die Aktion Mensch. Das Theater deckt 85 Prozent seiner Einnahmen durch Kartenverkauf und Spenden. Das Theatergebäude gehört der JTB-Stiftung.


Standort

Junges Theater Bonn
Hermannstr. 50
53225 Bonn
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