Museum für jüdisches Leben
Jüdisches Museum Westfalen in Dorsten

Im Herbst 2017 feierte das „Jüdische Museum Westfalen“ in Dorsten sein 25-jähriges Bestehen. Im Anschluss daran wurde die Ausstellung grundlegend umgestaltet. Seit Dezember 2018 zeigt sie sich farbiger und einprägsamer als zuvor. Das Motto lautet „L´Chaim! – Auf das Leben!“ Denn obwohl mörderischer Antisemitismus als Thema nicht ausgeklammert wird, befasst sich das Museum vor allem mit dem gelebten jüdischen Glaubentum: Biografien, Traditionen und Gegenwartsentwicklungen werden anhand westfälischer Beispiele anschaulich vermittelt.
Neben Dokumenten und kostbaren Gegenständen finden sich im neu gestalteten Museum auch viele unkonventionelle Exponate. So erinnert ein Teddybär im Superman-Kostüm daran, dass der erste Superheld der Comic-Geschichte 1932 in den USA von den beiden jüdischen Teenagern Jerry Siegel und Joe Shuster erfunden wurde. Als unermüdliche Verteidigung des Guten ist der Superbär zugleich ein humorvolles Symbol für die „Zedaka“, das jüdische Verständnis von Wohltätigkeit als Verpflichtung, und für „Tikun Olam“, die Besserung der Welt. Der bärige Botschafter für diese grundlegenden Themen des jüdischen Glaubentums gehört in Dorsten eigentlich zur Museumstour für Kinder, doch Erwachsene lieben ihn ebenfalls.
Der begehbare Kalender
Ungewöhnlich ist auch ein spiralförmiger Tisch, an dem man den jüdischen Jahreskalender förmlich durchlaufen kann. Man entdeckt dabei unter anderem ein Schofar, das rituelle Signalinstrument aus Widderhorn, das zu Rosch ha-Schana ertönt, dem im Herbst gefeierten Neujahrsfest. Die jüdische Jahreszählung ist der christlichen um 3.760 Jahre voraus. Es war demnach im Jahr 5752 – oder christlich 1992 –, als das Dorstener Museum sein in Westfalen einzigartiges Angebot erstmals für das Publikum öffnete. Die Initiative dazu war vom Dorstener „Verein für jüdische Geschichte und Religion“ ausgegangen, unterstützt vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau, dem LWL, der Stadt und der NRW-Stiftung. Anfangs stand für die Museumszwecke nur eine kleine Jugendstilvilla zur Verfügung, doch 2001 sorgte ein moderner Anbau für erheblich mehr Fläche.
Zwei Schwerpunkte hat die Ausstellung seitdem: „Religion und Tradition“ sowie „Jüdische Lebenswege in Westfalen“. Sie werden jetzt inhaltlich ergänzt und noch anschaulicher präsentiert. Für die Umgestaltung wertete man Befragungen, Workshops und Projekte aus, von denen sich eins – bewusst als „Heimatkunde“ tituliert – unter anderem mit den Lebenswegen westfälisch-jüdischer Landwirte, Bergleute und Schützenkönige befasste. Insgesamt zeigte sich: Das Museum sollte gegenwartsbezogener, multimedialer und interaktiver werden, verschiedene Strömungen des jüdischen Glaubentums stärker berücksichtigen, das städtische ebenso wie das ländliche Westfalen einbeziehen und noch mehr helfen, Diskriminierungen entgegenzuwirken. Nicht zuletzt galt es, die Barrierefreiheit zu verbessern.
Brückenschlag
Auffällig für Begeisterte der bisherigen Ausstellung ist die neue Raumnutzung, vor allem durch die Einbeziehung der sogenannten Brücke, der Verbindung zwischen Alt- und Neubau, wo jetzt Flucht und Migration im Mittelpunkt stehen. Hier trifft man erneut auf einen Teddy. Er trägt zwar kein Superman-Kostüm, sondern nur einen Strickpulli, ist aber trotzdem ein kleiner Held. Ein jüdisches Mädchen, das während der Naziherrschaft nach England in Sicherheit gebracht wurde, musste ihn seinerzeit zurücklassen. Später lange Zeit Bewohner eines Puppenmuseums, hilft der Bär Kindern heute beim Begreifen des schwierigen Themas Flucht. Als Motiv einer Grafik markiert er auch die übrigen Kinderangebote im Haus. Das Logo zeichnete Cornelia Funke. Die weltbekannte Autorin von Kinderbüchern wie „Tintenherz“ ist gelernte Illustratorin – und gebürtig aus Dorsten.
Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 01/2019
Unser Engagement
Die Synagogenhauptgemeinde Dorsten war früher flächenmäßig die zweitgrößte in Deutschland. Das 1992 eröffnete Jüdische Museum Westfalen geht auf die Forschungsinitiative „Dorsten unterm Hakenkreuz“ von 1982 zurück, woraus 1987 der „Verein für jüdische Geschichte und Religion“ entstand. Ihm gehören auch Städte, Kirchengemeinden und andere Organisationen an. Die NRW-Stiftung hat das Museum beim Erwerb von Judaica, bei Publikationen und der Einrichtung der Erweiterung unterstützt. Zuletzt wurde die neue Dauerausstellung gefördert.
Standort
Jüdisches Museum WestfalenJulius-Ambrunn-Str. 1
46282 Dorsten
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