Ein Wald für alle
Infozentrum Hauberg in Kreuztal-Fellinghausen

Ein Waldstück, das einem Dorf gehört und gemeinschaftlich bewirtschaftet wird – im Siegerland nennt man das Hauberg. Bis heute schlagen Dorfgemeinschaften in den Parzellen Brennholz. Auf historische und damit nachhaltige Art pflegt der Förderverein Historischer Hauberg Fellinghausen e. V. (FHHF) diese Tradition. Er hat im Jahr 2024 einen Infopavillon zum „Historischen Hauberg“ eröffnet.
Organisiert sind die Dorfbewohner in einer Waldgenossenschaft. Der gesamte Wald dieser Genossenschaft ist aufgeteilt wie eine Torte mit zwanzig Stücken. Neunzehn Stücke davon ruhen jedes Jahr, um nachwachsen zu können. In einem Stück geht es an die Arbeit. Es wird dazu unter den Genossen aufgeteilt. Jeder bekommt seine Parzelle.
Die Eichen und Buchen werden dann auf den Stock gesetzt. Das bedeutet, dass aus der Wurzel ausgetriebene Stamm komplett gefällt wird. In den folgenden 19 Jahren können sie wieder nachwachsen, bevor dasselbe Waldstück in 20 Jahren erneut bewirtschaftet wird. Aus den dünnsten Ästen der gefällten Bäume werden im April sogenannte Schanzen gebunden. Die braucht man zum Anheizen der Öfen in den Backhäusern. Der Siegerländer „Backes“ erlebt seit einigen Jahren eine Art Renaissance: Früher diente er zum zentralen Backen zur Versorgung der Bevölkerung, heute wird darin zu besonderen Anlässen gebacken.
Eine Folge der Industrialisierung
Jedes Jahr im Mai wird im Historischen Hauberg Fellinghausen die sogenannte Lohleiter herausgeholt. Von dort aus schälen dann die Waldgenossen, wie schon ihre Vorfahren, die Rinden von Eichen ab. Diese enthält Gerbsäure und wurde früher an Gerbereien verkauft, die damit Tierhäute in Leder verwandelten. Heute ist diese Tätigkeit reines Hobby – genau wie der Kohlemeiler, den die Haubergsgenossen jedes Jahr aufschichten, um aus einem Teil des geernteten Holzes Kohle zu gewinnen. Die wurde früher gebraucht, um in den Siegerländer Hütten Erze für die Gewinnung von Eisen schmelzen können.
Als Folge der Industrialisierung war die Haubergswirtschaft im 16. Jahrhundert überhaupt erst entstanden. Weil die Eisenverhüttung Unmengen Holz verschlungen hatte, war zuvor radikal gefällt worden, sodass irgendwann kaum ein Baum mehr im Siegerland stand. Die Grafen zu Nassau und zu Sayn erließen daraufhin Verordnungen, die regelten, dass Waldwirtschaft im Siegerland und Teilen des Westerwaldes künftig nachhaltig betrieben werden müsse. Das war die Geburtsstunde des Haubergs.
Im Infopavillon in Fellinghausen kann man der Geschichte der Hauberge nachspüren: Historische Werkzeuge hängen dort an den Wänden, eine Lohleiter ist zu sehen, außerdem alte Fotos, die zeigen, wie mühsam Waldwirtschaft vor Erfindung der Motorsäge und des Traktors war. Die Hauberge waren und sind Herzstück des Siegerlandes, in dem Holz, dörflicher Zusammenhalt und die tiefe Verbundenheit mit Traditionen eine große Rolle spielen.
Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 2/2024
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte den Förderverein historischer Hauberg Fellinghausen e. V. beim Bau des Infopavillons am Hauberg oberhalb von Kreuztal-Fellinghausen.
Standort
Infozentrum HaubergLuisenstraße
57223 Kreuztal
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