Kunst und Religion im Oflag

Gedenkstätte Französische Kapelle

Oflag – so lautete auf deutscher Seite die Abkürzung für die Offizierslager des Zweiten Weltkriegs. Sie dienten wie die Stammlager („Stalag“) der Internierung von Kriegsgefangenen, letztere für einfache Soldaten und Unteroffiziere, erstere für höhere Dienstgrade. Französische Gefangene gestalteten im „Oflag VI A Soest“ einen Kapellenraum, der mit seinen Wandmalereien heute unter Denkmalschutz steht. Die NRW-Stiftung half dabei, diese „Französische Kapelle“ im Februar 2025 als Gedenkort mit neu konzeptioniertem Museum zu eröffnen.

Die Kapelle befindet sich in einer vom Dritten Reich errichteten Infanteriekaserne, die ab 1939 als Kriegsgefangenenlager diente. Außer Franzosen wurden hier Polen, Niederländer und Sowjets festgehalten, letztere unter deutlich schlechteren Bedingungen. Nachdem die Amerikaner am 6. April 1945 über fünftausend Menschen befreit hatten, kamen zunächst deutsche Ostvertriebene in das Lager. Von 1951 bis 1994 war es als „Colonel BEM Adam-Kaserne“ – benannt nach einem Widerstandskämpfer – ein Standort des belgischen Militärs. Danach blieb es lange weitgehend ungenutzt, beherbergte allerdings eine Ausstellung der „Stiftung Museum Belgische Streitkräfte Deutschland“.

Die Ausstellung informiert über die Geschächte des Gebäudes, das nach dem Krieg als Unterkunft für Vertriebene genutzt wurde und später Teil einer belgischen Kaserne wurde.

Ostwand der Kapelle: Eine Frankreichkarte ohne Grenzen mit Darstellungen der Heiligen Frankreichs.

Die Kapelle befindet sich im Block I der ehemaligen Kaserne (Außenansicht 2007).

Anfang 2025 konnte die Gedenkstätte mit dem Museum für Zeitgeschichte wieder eröffnet werden.

Der Ausstellungsbereich im Museum für Zeitgeschichte ist in fünf Bereiche gegliedert.

2018 wurde die Stadt Soest Eigentümerin der Kaserne, die sie zwei Jahre später zu Schaffung eines neuen Wohnquartiers an ein Unternehmen veräußerte. Es verpflichtete sich die Kapelle zu erhalten, die Museumsräume zu erweitern und einen barrierefreien Aufzug zu installieren. Betreut wird die Stätte seit 1997 von der Soester „Geschichtswerkstatt“, deren Arbeit inzwischen durch einen langfristigen Mietvertrag abgesichert ist. Miteinbezogen ist darin die ehemalige „Lageruniversität“ – der Raum, in dem die zahlreichen Professoren unter den Gefangenen Vorlesungen hielten. 

Gemäß Genfer Konvention hatten internierte Offiziere gegenüber einfachen Soldaten Vorrechte, die Nazi-Deutschland aber nur willkürlich je nach Herkunft der Betroffenen gewährte. Sowjetische Gefangene blieben ausgeschlossen, die Franzosen im Soester Oflag hingegen zwang man weder zur Arbeit, noch verbot man ihnen die Religionsausübung. Nur so konnte die Kapelle entstehen, an der unter anderem Guillaume Gillet mitwirkte, nachmaliger Architekt der Pariser Kongresshalle. Die NRW-Stiftung unterstützt mit der Gedenkstätte ein Projekt von europäischer Bedeutung, das zugleich starke lokale Bezüge hat, auch weil nicht wenige der Vertriebenen, die 1949–1951 in dem Lager lebten, später in Soest heimisch wurden.
 

Stand der Angaben: Juni 2026 | Text:  Ralf J. Günther

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung hat den Verein Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e.V. beim Wiederaufbau und der Einrichtung der Gedenk- und Begegnungsstätte rund um die Französische Kapelle gefördert.


Standort

Gedenkstätte Französische Kapelle
Zur Französischen Kapelle 16a
59494 Soest
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