Treffpunkt bei der Fürstin
Gallitzin-Haus in Münster-Angelmodde

Es ist ein Ausstellungsraum und Kulturort, vor allem aber eine Begegnungsstätte für die Bürgerinnen und Bürger des Stadtbezirks: das Gallitzin-Haus in Münster-Angelmodde. Es trägt einen Namen, den man passender nicht hätte wählen können. Namensgeberin Amalie Fürstin von Gallitzin (1748-1806) war immer in Gesellschaft – sie unterhielt einen illustren Freundeskreis von Rang und Namen, im Geiste der Aufklärung und eines neuen Katholizismus. Heute würde man sie wohl als „Influencerin“ im besten Wortsinne bezeichnen.
Die Fürstin ist eine der einflussreichsten und ungewöhnlichsten Frauenfiguren des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, weil sie ihrer Zeit in ihrer Lebensführung und Denkweise weit voraus war. Vor allem aber ist sie eine der bekanntesten Bürgerinnen des Münsteraner Stadtteils, weswegen die Heimatfreunde Angelmodde, 1988 zur Erforschung der Ortsgeschichte gegründet, ihr Andenken hochhalten und 1992 ihr neu bezogenes Heimathaus nach ihr benannten.
Zuvor war das Fachwerkhaus gegenüber der romanischen St.-Agatha-Kirche als „Niederhoffs Kotten“ bekannt. Es hatte bereits 160 Jahre auf dem Buckel und verfiel zusehends. Die Heimatfreunde erwarben das Haus und sanierten es von Grund auf. Das kam fast einem Neubau gleich, denn die Balken, die Gefache, wurden saniert und gerichtet und dann mit Ziegeln neu ausgemauert. Auch ein neues Dach kam aufs Gebäude, zum Abschluss wurde neu verputzt und gestrichen, so dass das Haus bis heute das charakteristische Weiß eines Fachwerkhauses ausstrahlt.
Es entstand ein Treffpunkt, in dem man heute auch eine Ausstellung zum Leben Amalie von Gallitzins sehen kann. Zu Hause war die Fürstin natürlich standesgemäß im Herrenhaus Angelmodde, an das heute nur noch ein Straßenname und der einer Bushaltestelle erinnern. Die Treffen ihres Salons dagegen fanden nicht in der damals sehr ländlichen Umgebung, sondern in der Innenstadt von Münster statt – im so genannten Ascheberger Hof in der Grünen Gasse.
Dort gingen zu ihren Lebzeiten zahlreiche Menschen mit Rang und Namen ein und aus: Der Schulreformer Bernhard Heinrich Overberg, der Generalvikar des Bistums Münster, Franz Freiherr von Fürstenberg und die Eltern der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zählten dazu. Verbunden war sie per Brief und persönlich auch mit den Dichtern Johann Gottfried von Herder und Johann Wolfgang von Goethe.
Letzterer sagte über von Gallitzin, sie sei eine Frau, die „an Weltbildung die meisten und an Geistesbildung alle Zeitgenossen ihres Geschlechts überragt“. Dabei gab sie ihr Wissen gern weiter, unterrichtete Kinder in mehreren Fächern, unter anderem Latein und Griechisch, und beschäftigte sich vor allem in Münster stark mit der Religion. Sechs Jahre, nachdem sie dorthin gezogen war, konvertierte sie vom protestantischen Glauben zum Katholizismus und prägte mit ihrem Gesprächskreis dessen Entwicklung in Deutschland. Sie hatte sich zudem von ihrem Mann getrennt, erzog ihre Kinder weitgehend allein und entsprach mit ihren relativ kurzen Haaren und schlichten Kleidern nicht der herrschenden Mode.
Von ihren Zeitgenossen mal im positiven, mal im negativen Sinne als „merkwürdige Frau“ bezeichnet, gilt Amalie Fürstin von Gallitzin noch heute als Vorbild – in Angelmodde und weit darüber hinaus.
Stand der Angaben: März 2026
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung förderte zwei Projekte der Heimatfreunde Angelmodde e. V.: die Restaurierung des Hauses und des Grabmals der Fürstin. Außerdem erwarb sie Exponate für das Gallitzin-Haus und stellte sie den Heimatfreunden als Dauerleihgabe zur Verfügung.
Standort
Gallitzin-HausAngelstraße 97
48167 Münster
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