Die Waisen und die Fürstin

Die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung in Essen

Die heutige Essener Bischofskirche gehörte ursprünglich zu einem Frauenstift, das bis 1803 bestanden hatte und dessen Äbtissinnen Reichsfürstinnen gewesen waren. Die vorletzte von ihnen hieß Fürstin Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach. Sie stiftete 1764 in Essen-Steele ein Waisenhaus, das 2019 sein 250. Jubiläum feierte und dessen Barockkapelle aus diesem Anlass restauriert wurde.

Platz für mehr als 100 betreute Kinder und Jugendliche

Franziska Christine wohnte selbst in einem kleineren Teil des zweiflügligen Waisenhausgebäudes, der größere bot dreißig elternlosen Kindern Platz. Die Jungen gab man nach der Schule in eine Handwerkslehre, während die Mädchen in Dienstbotenstellen vermittelt wurden. Heute betreut die Stiftung über hundert Kinder und Jugendliche unabhängig von deren Konfession, zudem werden seit 1996 Kinderheime in Rumänien unterstützt. Für alte Menschen gibt es zwei vollstationäre Pflegewohngruppen sowie Tages- und Kurzzeitpflege.

Die NRW-Stiftung unterstützte die Sanierung der Kapelle.

Bei der Restaurierung ging es hauptsächlich um die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit und eine bessere Beleuchtung der drei Altäre.

Die Kapelle von hinten gesehen.

Zum 250. Jubiläum initiierte ein 2017 gegründeter Förderverein die Restaurierung der Äbtissinnen-Kapelle, insbesondere die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit und eine bessere Beleuchtung der drei Altäre. Eine Besonderheit des Gotteshauses ist die Grabplatte für Ignatius Fortuna, den Kammerdiener der Stifterin, der aus Surinam stammte. „Kammermohren“ nannte man an den Höfen des 18. Jahrhunderts dunkelhäutige Bedienstete, die meist schon als Kinder verschleppt wurden und oft demütigende Schicksale erlitten. Franziska Christine war allerdings sehr um den Wohlstand ihres Dieners besorgt und traf dafür Verfügungen auch über ihren Tod hinaus. Ignatius genoss Wohnrecht in drei Zimmern des Waisenhauses, die Mahlzeiten nahm er zusammen mit dem Geistlichen und dem Rentmeister ein. Seine letzte Ruhestätte fand er 1787 in der Kapelle der Fürstin, was ebenfalls als Auszeichnung gelten darf. Er hinterließ Schmuck, Uhren, Tabaksdosen, Geld und eine ungeheure Menge an Kleidung.

Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte auf Initiative des Fördervereins der „Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung“ die Restaurierung der Äbtissinnenkapelle.


Standort

Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung
Steeler Str. 642
45276 Essen
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