Bücher, Buxus, Brutalismus
Das Fritz Bauer Forum in Bochum

Die ehemalige Trauerhalle-Ost des Bochumer Zentralfriedhofs wurde 1968 im Stile des „Brutalismus“ entworfen – ihre Fassade besteht größtenteils aus unverputztem Sichtbeton, den man französisch „béton brut“ nennt. Das 1973/74 realisierte Bauwerk diente fast fünfzig Jahre seinem ursprünglichen Zweck, bis immer mehr Urnengräber zu einer immer geringeren Nutzung des östlichen Friedhofsgeländes führten. Nachdem die Trauerhalle deswegen schließlich sogar leer stand, konnte ihr die 2013 gegründete „Buxus-Stiftung“ zum Glück eine neue Zukunft geben. Das seit 2015 denkmalgeschützte Gebäude beherbergt nun die Bibliothek des „Fritz Bauer Forums“, eines international bedeutsamen Menschenrechts- und Demokratieprojekts. Im Mai 2025 wurde Eröffnung gefeiert.
Forum für Menschenrechte
Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903–1968) trug zur Festnahme des NS-Verbrechers Adolf Eichmann 1960 in Argentinien bei und hatte entscheidenden Anteil am Zustandekommen der Frankfurter Auschwitz-Prozesse. Bereits 1952 verhalf er zudem den Widerstandskämpfern vom 20. Juli 1944 zu rechtlicher Würdigung. Bauers Lebenswerk inspirierte eine Initiative, die den Buchsbaum (lat. buxus) als Symbol für Widerstandskraft unter schwierigen Lebensbedingungen begreift. Treibende Kraft war dabei die habilitierte Historikerin Dr. Irmtrud Wojak, ehemalige Stipendiatin sowohl an der Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem als auch am United States Holocaust Memorial Museum in Washington.
Während ihrer Beschäftigung mit Fritz Bauer, über den sie eine Biografie schrieb, entwickelte Wojak das Konzept einer interaktiven Bibliothek mit den „mutigsten Geschichten der Welt“ im Kampf für die Menschenrechte. Das Projekt ging 2019 online, Wojak strebte aber mit Unterstützung durch Einzelpersonen und zivilgesellschaftlichen Organisationen auch die Einrichtung einer Präsenzbibliothek an. Die Stadt Bochum stellte dafür die ehemalige Trauerhalle-Ost samt Betriebshof nach Erbbaurecht zur Verfügung, womit zugleich ein eindrucksvolles Bauwerk des Brutalismus vor dem Verfall gerettet wurde – eines Architekturstils, der in NRW vor allem durch den spektakulären Nevigeser Dom in Velbert Aufsehen erregte. Auch der Campus der Bochumer Ruhruniversität und das Ruhrstadion mit seinen 38 riesigen Betonbindern sind als brutalistische Bauwerke bekannt. Die Trauerhalle-Ost ist kein solcher Gigant, trägt aber über einem verglasten Erdgeschoss eine mächtige Sichtbetonkrone und wird deshalb von der Landesinitiative StadtBauKulturNRW zu den „Big Beautiful Buildings“ im Ruhrgebiet der 1950er bis 1970er Jahre gezählt.
Stand der Angaben: November 2025 | Text: Ralf. J. Günther
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung half der „Buxus Stiftung“ bei Einrichtung und Ausstattung des „Fritz Bauer Forums“. Gefördert wurde so ein internationaler Ort für Erinnerungskultur, Demokratiebildung und Menschenrechte, zudem der Erhalt einer denkmalgeschützten Bauskulptur des Brutalismus.
Standort
Fritz Bauer ForumFeldmark 107
44803 Bochum
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