33 Meter Eisenzeit

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

Der Gang durch das anderthalb Hektar große Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen führt von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Die NRW-Stiftung unterstützte dabei den Nachbau eines frühmittelalterlichen Hauses, das 2008 eröffnet wurde, sowie die digitale Geschichtswerkstatt des Museums. Seit 2025 ist außerdem die ebenfalls von der Stiftung geförderte Rekonstruktion eines Wohn-Stall-Hauses der Eisenzeit zugänglich. Der rund 33 Meter lange Bau erforderte fast zweihundert Eichenstämme aus lippischen Wäldern, viele Tonnen Lehm, Tausende Stunden ehrenamtlichen Zupackens und das Knowhow versierter Zimmerleute.

Fast zweihundert Eichenstämme – gewachsen in lippischen Wäldern – stecken in der Rekonstruktion eines germanischen Langhauses der Eisenzeit.

Das Museum zeigt auch eine Rekonstruktion der eisenzeitlichen Wallburg auf dem Oerlinghauser Tönsberg, deren Anfänge im 4. Jahrhundert v. Chr. liegen.

Holz und Schilf genügten nicht: Für die Errichtung des neuen Highlights im Oerlinghauser Freilichtmuseum wurden außerdem rund zwanzig Tonnen Lehm verwendet.

Mit einem riesigen Reetdach von über fünfhundert Quadratmetern Fläche ist das eisenzeitliche „Wohnstallhaus“ gedeckt, in dem Mensch und Tier Schutz fanden.

Archäologie wird anschaulich

Auf die Bronze- folgt die Eisenzeit: Der Lehrbuchsatz hat im Freilichtmuseum Oerlinghausen einen Doppelsinn bekommen, da das eisenzeitliche Langhaus hier an die Stelle einer bronzezeitlichen Rekonstruktion getreten ist, die nach vierzig Jahren für den Freilichtbetrieb nicht mehr tauglich war. Mit dem neuen Haus wollte man aber nicht wieder an bronzezeitliche Befunde im Münsterland anknüpfen, zu denen es in Ostwestfalen-Lippe, der Heimatregion des Museums, bislang nichts Vergleichbares gibt. Man orientierte sich stattdessen an eisenzeitlichen Siedlungsspuren in Paderborn-Saatental, die aus der Epoche stammen, an die auch das Hermannsdenkmal im Land Lippe so unübersehbar erinnert – die Phase der römisch-germanischen Konfrontation, die 9 n. Chr. in die berühmte Varusschlacht mündete.

Mit der lebendigen Veranschaulichung archäologischer Erkenntnisse hat sich das Oerlinghauser Museum hohe Anerkennung bei Wissenschaft und Publikum erworben. Als Mitglied von „Exarc“ ist es in einem 2003 gegründeten, internationalen Netzwerk für experimentelle Archäologie und Freilichtausstellungen aktiv. Vor Ort engagiert es sich zudem als Partner des Umweltbildungsprojekts „UrLand“, zu dem auch die „Klimaerlebniswelt Oerlinghausen“ und das Naturschutzgroßprojekt „Senne und Teutoburger Wald“ gehören. Museumschef Karl Banghard legt darüber hinaus großen Wert auf das Zurechtrücken ideologisch verzerrter Germanenbilder – gerade weil die Anfänge des Oerlinghauser Museums in die Jahre fallen, als der Nationalsozialismus das „Germanentum“ zur angeblichen völkischen Grundkonstante der deutschen Geschichte erklärte. 

 

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützte den Verein „Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen e. V.“ bei der Rekonstruktion eines germanischen Wohn-Stall-Hauses aus der Zeit um Christi Geburt. Zuvor wurden bereits der Nachbau eines frühmittelalterlichen Langhauses sowie eine digitale Geschichtswerkstatt zum Museum als Propagandaort in der NS-Zeit gefördert.


Standort

Freilichtmuseum Oerlinghausen
Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen
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