Per Strom durchs Flusstal

Die Extertalbahn im Lipperland

Schon bei ihrer Eröffnung 1927 verfügte die Eisenbahn im Tal der Exter, einem Nebenfluss der Weser, über eine elektrische Oberleitung – damals an deutschen Schienenwegen eine Rarität. Bis Ende der 1960er Jahre diente die Bahn der Personenbeförderung, Güterzüge liefen vereinzelt noch bis zur Jahrtausendwende. Heute wird die Strecke als technisches Denkmal von nationaler Bedeutung auf rund elf Kilometern für Museumsfahrten genutzt – mit Dampf und Diesel und mit einer E-Lok, die genauso alt ist wie der Betrieb selbst. Die Instandsetzung einer Dampflokomotive wurde von der NRW-Stiftung bereits 2017 gefördert. Damit auch die E-Lok mobil bleibt, stand 2024 die Erneuerung der Bahnstromversorgung auf dem Programm.

Die Lok E 22 ist eigentlich ein elektrischer Gütertriebwagen. Schon vor beinahe einem Jahrhundert war das Schienenfahrzeug im Extertal unterwegs.

Die beiden historischen Quecksilberdampfgleichrichter der Extertalbahn gehören zur denkmalgeschützten Ausstattung des Bahnbetriebs.

Die historische Dampflok, die in den 1920er-Jahren in Wien gebaut wurde, heißt seit 2025 "Lipperland".

Quecksilberdampfgleichrichter

Dass die Extertalbahn von Anfang an elektrifiziert war, vereinfachte die Trassenführung, denn Elektromotoren werden mit Steigungen leichter fertig als Dampfkessel. Gleichzeitig konnte das Elektrizitätswerk Wesertal als Mitgründerin der Extertalbahn AG so Produktionsüberschüsse verwerten. Entgegen den Erwartungen entwickelte sich die Personenbeförderung auf der Strecke zunächst besser als der Gütertransport, für den man sich mit den beiden elektrischen Triebwagen E 21 und E 22 aus dem Jahr 1927 besonders gewappnet hatte. E 22 ist heute die älteste deutsche E-Lok, die noch – beziehungsweise wieder – auf ihrer Stammstrecke unterwegs ist. Der Wechselstrom aus dem Netz muss dafür aber zuvor „gleichgerichtet“ werden.

Die Umwandlung in Gleichstrom erfolgte bislang auf eine für Laien höchst mysteriöse Weise durch das Zünden und Erlöschen von Quecksilberdampf in zwei historischen Apparaturen. Als eine davon ausfiel, wurde allerdings schmerzlich klar: Fachleute für eine Reparatur gibt es nicht mehr. Nur eine ganz neue Bahnstromversorgung konnte das Problem lösen und zugleich den noch funktionstüchtigen Gleichrichter schonen. Im Übrigen sorgt die Extertalbahn auch im Krimizug „Letzter Halt“ für elektrisierende Momente, wenn es heißt, zwischen Bösingfeld und Barntrup einen rätselhaften Fall zu lösen. Zu aufregend? Wie wäre es dann mit dem Osterhasenexpress, dem Grünkohlzug oder einer Nikolausfahrt? Zwei Vereine machen solche und andere Angebote möglich – der „Historische Verein zur Erhaltung der Eisenbahnen in Lippe“ und der Freundeskreis „Landeseisenbahn Lippe“. Hinzu kommt die Kooperation mit dem „Kulturstellwerk Nordlippe“ am Dörentruper Bahnhof Farmbeck. Letzterer gehört zur ehemaligen Begatalbahn, die früher Anschluss an die Extertalbahn hatte.

 

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung half dem „Historischen Verein zur Erhaltung der Eisenbahnen in Lippe e. V.“ bei der Erneuerung der Bahnstromversorgung. Stiftungsmittel flossen schon zuvor in die Instandsetzung der Dampflok Lipperland.


Standort

Extertalbahn im Lipperland
Am Bahnhof 1
32699 Extertal
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