Vom Schmieden und Zusammenschmieden

Dorfschmiede Peters in Alpen-Menzelen

Manches Sprichwort gerät im Laufe der Zeit in Vergessenheit. Die Redensart „Wo die Esse raucht, da fehlt’s an Freunden nicht“ kennt man heute kaum noch. Doch für die alte Dorfschmiede Peters in Menzelen am Niederrhein könnte sie eigentlich als Motto dienen. Denn zuerst wurde hier die Esse, also der Schmiedeofen, im freundschaftlichen Zusammenwirken vieler helfender Hände wieder angefeuert. Und seitdem die alte Werkstatt wieder arbeitet, schmiedet man darin nicht nur heiße Eisen, sondern auch grenzüberschreitende freundschaftliche Bande. 

Fast jedes Dorf hatte früher seine auf die Schmiekunst spezialisierte Person. Der Alltag wäre sonst unweigerlich ins Stocken geraten, schon weil Pferde und Wagen ohne Hufeisen und metallene Reifen um die Holzräder bald nicht mehr diensttauglich gewesen wären. Diese Zeit ist längst vorbei. Umso erfreulicher, wenn sich in einem historischen Betriebsgebäude trotzdem noch die technische Ausstattung und die Organisation einer Schmiedewerkstatt im Originalzusammenhang veranschaulichen lassen. So wie in der alten Schmiede Peters in Menzelen, einem Ortsteil der Gemeinde Alpen im Kreis Wesel. 

Außenansicht der restaurierten Dorfschmiede.

Schmieden wie einst: Johann Peters mit Hammer, Amboss und loderndem Feuer in der Schmiedewerkstatt.

Dr. Robert Moog, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Brauchtum Menzelen e. V. (hinten ganz links), und Mitwirkende haben die alte Schmiede mit viel Engagement gerettet und wieder funktionstüchtig gemacht.

Drahtesel und Ackergäule

Um 1880 ließ der Schmiedemeister Johann Theodor Peters in Menzelen ein Wohnhaus nebst Stall und Werkstatt errichten. Das genaue Datum ist unbekannt, obwohl sich die darauf gegründete Familientradition bis heute fortsetzt – einem Abkömmling des Erbauers gehört die Schmiede bis heute. Bis 1969 war die Esse in dem Backsteingebäude mit den Rundbögen und den gusseisernen Sprossenfenstern täglich in Betrieb, dann erlosch die Glut nach und nach. Der 1935 geborene Schlossermeister Johann Peters verlegte sich jetzt darauf, in der Werkstatt Fahrräder zu reparieren. Als über 80-jähriger Rentner tut er das nach wie vor. Aber Drahtesel auf Vordermann zu bringen, ist doch nicht das Gleiche wie die Arbeit mit Hufeisen und schweren Ackergäulen im „Beschlagstall“ aus Eichenbalken. Eisenbänder für Karren und Wagen entstanden in der Schmiede Peters früher ebenfalls. Die Schleif- und Bohrmaschinen, das Tauchbecken, der Amboss und die Werkbank sind noch genauso vorhanden wie die Transmission, der Maschinenantrieb per Treibriemen.

Schmieden international

Der auch von wissenschaftlicher Seite bestätigte Wert des Ensembles war Grund genug, um den „Verein für Geschichte und Brauchtum Menzelen“ aktiv werden zu lassen. Denn die Schmiede war zwar noch komplett, befand sich aber dennoch in bedenklichem Zustand. Drohender Einsturzgefahr kamen der Verein und seinen unterstützenden Personen durch die Einwerbung von Spenden und mit über 2.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden erfolgreich zuvor. Man wollte die historische Werkstatt allerdings nicht retten, nur um sie anschließend in musealer Kühle erstarren zu lassen. Vielmehr sollte sie bei Vorführungen wieder zu heißem Leben erwachen, wie es sich für eine Schmiede gehört. „Es ist wieder, wie es war“, freute sich Johann Peters am Eröffnungstag. Cornelis „Cees“ Pronk, selbst Inhaber einer Schmiedewerkstatt in den Niederlanden, demonstrierte an diesem 1. August 2015 die Arbeit an Esse und Amboss. Der Experte engagiert sich seit Jahren dafür, das Schmiedehandwerk nicht aussterben zu lassen und Wissen zu erhalten, wie man es etwa für Restaurierungen benötigt. Im Rahmen des Zweckverbandes „Euregio Rhein-Waal“ kam der Kontakt zu Pronk über die niederländische Gemeinde Oude IJsselstreek zustande, die zum „Ring der Europäischen Schmiedestädte“ gehört. Dort gibt es auch das Niederländische Eisenmuseum und einen Technologiepark. Eine grenzübergreifende Kooperation zielt nun darauf ab, traditionelle und moderne Schmiedetechnik vergleichend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und junge Leute stärker dafür zu interessieren. Die Dorfschmiede Peters ist dabei ideal zur Vorführung historischer Handwerkskunst. Wie man sieht: Schmieden kann zusammenschmieden – sogar über Grenzen hinweg.

Stand der Angaben: 2016

Unser Engagement
Die NRW-Stiftung half dem Verein für Geschichte und Brauchtum Menzelen e. V. dabei, die Dorfschmiede Peters in Alpen zu sanieren und instand zu setzen.


Standort

Dorfschmiede Peters
Birtener Str. 10
46519 Alpen
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