Stetes Bohren höhlt das Rohr
Mittel- und Bohrmühle in Büren

Leitungswasser erreicht heutzutage auch abgelegene Dörfer, Häuser und Höfe frisch und sauber. Früher war die Beschaffung des kühlen Nass weitaus schwieriger. Wer dabei an steinerne Brunnen, Ketten und Eimer denkt – oder auch an die direkte Entnahme aus oft verschmutzten Bächen und Seen –, der liegt oft nah dran an der Realität. Dass es jedoch spätestens ab der frühen Neuzeit durchaus schon Wasserleitungen gab, ist weniger bekannt. In Büren kann man ein Gebäude sehen, in dem hölzerne Rohre für die Stadt angefertigt wurden: die Bohrmühle.
Hier nutzte man die Kraft des Wassers, um Baumstämme auszuhöhlen. Ein Mühlrad trieb eine große horizontale Bohrmaschine an. Sie konnte einen Stamm der Länge nach durchbohren und im Inneren einen Kanal von etwa sieben Zentimetern Durchmesser schaffen. Ein so genannter Deichel entstand. Mehrere der immer rund 3 Meter langen Deichel wurden zu langen Leitungen zusammengefügt. So gelang es, Büren überhaupt erst mit ausreichend frischem Wasser zu versorgen, denn eine geeignete Quelle lag 1,5 Kilometer oberhalb der Stadt. Von hier konnte das Wasser nach dem Verlegen der Holzleitung aus eigener Kraft in mehrere Wasserschöpfbecken, die so genannten „Kümpe“, fließen.
Ein ungenießbares Mehl
Das heutige Mühlengebäude steht seit Mitte des 18. Jahrhunderts direkt neben der deutlich älteren Mittelmühle am Mühlengraben, der einst Wasser aus dem Fluss Afte kurz vor seiner Mündung in die Alme abzweigte und nach Nutzung durch die Mühlen schließlich der Alme zuführte. Im Tal der Afte befand sich auch der erste Standort der Bohrmühle, die 1617 erstmals erwähnt wurde und 1745 umzog. Ihren neuen Standort erhielt sie fast im Schatten ihrer großen Nachbarin – und doch stellt sie eine echte Rarität dar. Kann man hier doch nicht nur ein nachempfundenes Mühlrad, sondern auch die rekonstruierte Bohrmaschine sehen und Wissenswertes über die Wasserversorgung der Stadt Büren zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert erfahren.
Nach Besichtigung der Bohrmühle kann man mit nur wenigen Schritten über das Wehr des Mühlengrabens die Mittelmühle erreichen. Sie wurde Anfang des 16. Jahrhunderts als Getreidemühle erbaut und fast 400 Jahre als solche genutzt. Nach 1928 produzierte man hier allerdings ein Mehl der etwas anderen, ungenießbaren Art – Steinmehl. Genutzt wurde es unter anderem als Zusatz von Farben. Auch hier ist Vieles erhalten geblieben. Etwa ein Backenbrecher zur Zerkleinerung der Steine, ein alter Dieselmotor und eine Lore zum Transport des Mahlgutes. Sehenswert sind auch die Wohnräume der Müllerfamilie, die mit historischen Möbeln und einem Küchenofen bestückt sind.
Stand der Angaben: Dezember 2025
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte den Heimatverein Büren e. V. bei der Ausstattung der Bohrmühle.
Standort
Mittel- und BohrmühleMühlenstraße 2
33142 Büren
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