Noten und ihre Schicksale – Opus 130, Satz 4
Beethoven-Haus Bonn

Das Bonner Beethoven-Haus besitzt die größte Beethoven-Sammlung der Welt. Seit 2024 gehören die Originalnoten eines Quartettsatzes dazu, die der Komponist nach der Uraufführung im März 1826 einem Freund und Mitstreiter schenkte. 1939 zum Raub des Dritten Reichs geworden, verschwanden die Blätter nach dem Zweiten Weltkrieg hinter dem Eisernen Vorhang. Als die rechtmäßigen Erben sie 2022 zurückerhielten, entschieden sie sich für die Weitergabe an das Beethovenhaus. Der Ankauf der Partitur – der wohl letzten großen aus eigener Hand des Genies, die noch in Privatbesitz war – erfolgte mithilfe der NRW-Stiftung.
Alla danza tedesca
Die Originalnoten der sechs Sätze von Opus 130 liegen heute in Krakau, Paris, Berlin und jetzt Bonn – eine für die späten Beethoven-Streichquartette typische Zersplitterung, für die der Komponist nicht zuletzt selbst sorgte. So überließ er den fünfzehnseitigen Satz 4 von Opus 130 dem Violinisten Karl Holz (1799–1858). Der Satz trägt die Bezeichnungen „allegro assai“ (sehr lebhaft) und „alla danza tedesca“. Dieser „deutsche Tanz“ ist aber kein schwebender Walzer, Professor Jörg Widmann sprach bei der Präsentation im Beethoven-Haus eher von kunstvollem Stolpern. Beethovens Zeitgenossen waren davon sehr angetan, wohingegen Satz 6 des Quartetts auf Unverständnis stieß und vom Meister später ausgetauscht wurde.
Laut Karl Holz wurde Beethoven beim Besuch einiger der Quartettproben von hohen Tönen noch „getroffen“ – trotz weitgehender Ertaubung verfügte er im Jahr vor seinem Tod also noch über rudimentäres Resthören. Holz schenkte die ihm überlassenen Noten nach 1849 dem Geiger Joseph Hellmesberger, später gelangten sie an den Wiener Rechtsanwalt Heinrich Steger (1854–1929), der sie in Samt und Messing binden ließ. In den 1920er Jahren wurden sie Eigentum der jüdischen Familie Petschek aus Aussig in Nordböhmen. Als letztere in die USA floh, beschlagnahmten die Nazis ihre Kunstsammlung, die Partitur kam ins Mährische Museum Brünn. Nach dem Krieg verweigerte die ČSSR die Herausgabe, und selbst nach Fall des Eisernen Vorhangs erlangten die in New York lebenden Erben ihr Recht erst 2022. Den anfangs undenkbar erscheinenden Verkauf nach Deutschland vermittelte der US-Musikwissenschaftler Lewis Lockwood, Ehrenmitglied des Beethoven-Hauses. Ein Zusammenschluss öffentlicher und privater Unterstützer ermöglichte den Erwerb. Beteiligt waren neben der NRW-Stiftung die Kulturstiftung der Länder, das Land NRW, die Kunststiftung NRW, die Berthold Leibinger-Stiftung, die Stiftung Beethoven-Haus, ferner private Spender.
Stand der Angaben: Frühjahr 2025 | Text: Ralf. J. Günther
Musikgeschichte aus dem Beethoven-Haus Bonn in unserem Förderbande-Podcast
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung unterstützte in den 1990er Jahren die Restaurierung des Beethoven-Hauses. Später beteiligte sie sich am Ankauf eines Beethovenbriefs und förderte die Kinder-Webseite „Hallo Beethoven“. Die 2024 nach Bonn gekommene und mit Stiftungshilfe erworbene Notenhandschrift von Satz 4, Opus 130 ist online zugänglich.
Jugend- und Kinderseite “Hallo Beethoven”
Standort
Beethoven-HausBonngasse 24-26
53111 Bonn
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