Das Weltkunstharz

Das Bakelitmuseum in Kierspe

Etwa 1910 begann der Siegeszug des Bakelits, des ersten vollsynthetischen Kunststoffs, der Industriereife erreichte. Wie sich daraus Gegenstände formen lassen, demonstriert der Schleiper Hammer in Kierspe-Grünenbaum. Für das komplette Bakelit-Erlebnis sollte man aber auch das Museum im Alten Kiersper Amtshaus nicht verpassen. Der Heimatverein richtete es 2003 ein. Nach einer Löschwasserüberflutung hätte es zehn Jahre später beinahe schließen müssen. Doch seit 2015 zeigt es wieder die ganze Vielfalt von Gegenständen aus Bakelit.

Von der Zigarettenspitze bis zum Aschenbecher

An unsere bunte Plastikwelt war in der frühen Bakelit-Ära noch nicht zu denken. Das Material war schwer zu färben, meist kam es schwarz oder rotbraun daher, seltener dunkelgrün. Aber es ließen sich vielfältigste Objekte daraus formen – Geschirr, Zigarettenspitzen, Aschenbecher, Fahrradgriffe und mehr. Das Kiersper Museum zeigt auch Radios, Haartrockner, Staubsauger, sogar eine Strickmaschine und nicht zuletzt einen „Jugend-Bildwerfer“ aus der DDR. Der Volksempfänger der Nazis findet sich wegen seines Bakelitgehäuses ebenfalls in der Sammlung, deren Grundstock der Kiersper Fabrikant Carl-Heinz Vollmann legte.

Der „Tischfernsprecher W 48“ der Deutschen Bundespost war das Standardtelefon der Wirtschaftswunderzeit.

Auch Radios verlieh der Werkstoff ein glänzendes Äußeres.

Vielfältiges Material: Aus Bakelit wurden zum Beispiel Lichtschalter gemacht.

Im Art Déco der 20er und 30er Jahre sorgte das „Weltkunstharz“ durchaus für modische Produkte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde es jedoch durch neuartige Kunststoffe in grellen Plastikfarben vom Markt verdrängt. Vom Markt – nicht von der Welt, denn Bakelit verrottet kaum, teilt also das Ökoproblem vieler Kunststoffe. Es ist so hitzebeständig, dass es sogar für Feuerwehrhelme vorgeschlagen wurde. Als es 2013 im Obergeschoss des Alten Amtshauses brannte, war denn auch nicht die Hitze, sondern das Löschwasser das Hauptproblem: Es lief durch die Decken, nahm Schmutz auf und verunstaltete die Exponate im darunterliegenden Bakelit-Museum mit einem lehmigen Überzug. 2.000 Gegenstände mussten gereinigt und neu katalogisiert werden.

Unser Engagement
Die NRW-Stiftung ermöglichte dem Heimatverein Kierspe die Einrichtung des Bakelitmuseums. Nach dem Brand wurde die Sammlung 2015 neu präsentiert.


Standort

Bakelitmuseum Kierspe
Friedrich-Ebert-Str. 380
58566 Kierspe
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