Wieder zu Hause
Artenschutzprojekt Fischotter

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kamen Fischotter an vielen Flüssen unseres Bundeslandes vor, „und nirgends eben selten“, wie zeitgenössische Naturforscher berichteten. Die quirligen, zu den Mardern gehörenden Säugetiere wurden von den Berufsfischern allerdings als Konkurrenz betrachtet und von jeher verfolgt. Das von Naturschützern befürchtete Aussterben des Otters war spätestens in den 1950er-Jahren traurige Realität.
Jahrzehnte vergingen, viele Flüsse wurden verbaut und von Abwässern verschmutzt – keine guten Voraussetzungen für eine Otter-Rückkehr. Als Fischfresser reagiert der Otter besonders empfindlich auf Umweltgifte, die sich in der Nahrungskette anreichern. Hinzu kam der wachsende Autoverkehr. Wenn Fischotter an einem Fluss entlangwandern, brauchen sie einen breiten Uferstreifen. Unter engen Brücken wollen sie nicht durchschwimmen, da laufen sie eher oben über die Straße. Die beiden ersten Münsterländer Otter, welche im Herbst 2009 die Aufmerksamkeit der Fachleute erregten, waren denn auch Verkehrsopfer. Unklar war zunächst, ob es sich um verirrte Zuwanderer oder schon um ortsansässige Tiere handelte. Die Qualität der Gewässer hatte sich inzwischen nämlich deutlich verbessert.
Die Forschenden begannen systematisch zu suchen und installierte erste Fotofallen. Neben den von ihnen gelieferten Schwarz-Weiß-Fotos waren individuelle DNA-Proben die wichtigsten Puzzlesteine der Ermittlungen. Doch wie kommt man an genetische Fingerabdrücke von Tieren, die scheu und nachtaktiv sind? Kotproben kamen in die DNA-Analyse und verrieten, welcher Otter wann wo vorbeikam. So fanden die Forschenden auch heraus, dass die ersten etwa zehn nachgewiesenen Otter zu drei unterschiedlichen Familien gehörten und niedersächsische Ahnen hatten. Parallel dazu schien es auch eine Zuwanderung aus den Niederlanden zu geben.
Die kleinen Kotkleckse sind für Otter selbst übrigens auch wichtige Informationsquellen. Ähnlich den Duftmarken von Hunden enthalten sie Geruchsbotschaften an die Artgenossen, mit denen sich Alter, Geschlecht, sozialer Status und Ernährungszustand mitteilen lassen. Wenn gleich mehrere solcher „Kleinanzeigen“ abgesetzt werden, signalisiert das, dass an diesem Abschnitt des Gewässers vor Kurzem erfolgreich gejagt wurde. Andere Otter sollen sich lieber trollen, wenn sie nicht unnötig Energie vergeuden und eine Auseinandersetzung mit dem Revierinhaber riskieren wollen.
Stand der Angaben: Stiftungsmagazin 1/2011 | Autor: Günter Matzke-Hajek
Unser Engagement
Um die beginnende Wiederbesiedlung Nordrhein-Westfalens durch Fischotter nachweisen zu können, hat die NRW-Stiftung die Akademie für ökologische Landesforschung beim Kauf von Fotofallen unterstützt. Die Dokumentation der Vorkommen wurde in Zusammenarbeit mit dem LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe durchgeführt. Zur Otter-Arbeitsgruppe gehören neben mehreren Zoologen auch Vertretende der Naturschutzbehörden und der Biologischen Stationen.
Projektpartner
Artenschutzprojekt FischotterBergstraße 1
49509 Recke
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