Blicke in tiefe Vergangenheit
Archäologisches Fenster am Herforder Münster

Das Damenstift Herford entstand um 790 als frühes Zentrum des Christentums in Westfalen. Die Äbtissinnen waren ranghohe religiöse, politische und kulturelle Akteurinnen an der Spitze einer privilegierten Reichsabtei. Umso erfreulicher, dass es am Herforder Münster, der ehemaligen Stiftskirche, seit 2025 ein „archäologisches Fenster“ gibt, das tiefe Einblicke in die Vergangenheit ermöglicht. Wobei man sogar von einem „Doppelfenster“ sprechen könnte, denn gemeint sind eigentlich zwei frei zugängliche Schutzbauten über archäologischen Grabungsflächen, ausgestattet mit Infostationen und Animationen für unterhaltsames Hintergrundwissen.
Offenbauten
Das Stift Herford wurde zur Zeit der Sachsenkriege Karls des Großen von einem zum Christentum bekehrten sächsischen Adligen namens Waltger oder Wolderus gegründet. 823 zur Reichsabtei erhoben, erlebte es hundert Jahre später seinen Tiefpunkt, als es zum Opfer der Ungarneinfälle wurde, die der damalige König Heinrich I. – dessen Frau Mathilde als Mädchen im Herforder Stift erzogen worden war – lange nicht einzudämmen vermochte. Ausgrabungen belegen die Wiederaufbautätigkeit nach den Zerstörungen, über den freigelegten Relikten aus dieser Zeit erhebt sich nun im Norden des Stiftsgeländes einer der neuen Schutzbauten. Der andere steht direkt beim Münster, am Platz des ehemaligen Stifts-Schlafsaals. Die Häuser enthalten Medien- und Infostationen, sind aber keine Museen mit Ticketschalter, sondern kostenlos zugängliche, vom Außenklima nicht abgeschirmte Offenbauten. Angedeutete Kolonnaden symbolisieren zudem den ehemaligen Kreuzgang der Abtei.
Besonderes Augenmerk richten die Häuser auf die Herforder Äbtissinnen. Das von letzteren beherrschte Gebiet war winzig, politisch gesehen aber ein selbständiges Territorium. In Ausübung der kirchlichen Rechtsprechung (nicht in der Weihegewalt) hatten die Stiftsvorsteherinnen sogar bischöfliche Kompetenzen, sie waren dabei nur dem Papst unterstellt. Vom Papsttum sagte sich die Abtei im 16. Jahrhundert allerdings los, um sich der Reformation zuzuwenden. Von den danach amtierenden Äbtissinnen wurde Elisabeth von der Pfalz (gest. 1680) die berühmteste. Als anerkannte Persönlichkeit der gelehrten Welt korrespondierte sie schon in jungen Jahren mit dem Philosophen René Descartes. An ihrem Herforder Sterbebett stand Gottfried Wilhelm Leibniz.
Unser Engagement
Die NRW-Stiftung half dem 2004 gegründeten „Verein für Herforder Geschichte e. V.“ bei der didaktischen Vermittlung des „Archäologischen Fensters“. Ermöglicht wurde das Vorhaben durch eine Stiftung des 2002 verstorbenen Unternehmers Dieter Ernstmeier. Im Rahmen der Förderung national bedeutsamer Kulturdenkmale beschloss auch der Bundestag die Unterstützung des Projekts. Die Stadt Herford, das Land NRW, die Kirchengemeinde Herford-Mitte sowie die Sparkasse Herford sind weitere Kooperationspartner.
Standort
Archäologisches FensterMünsterkirchplatz 7
32052 Herford
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