Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Das Naturschutzgebiet Seidenbachtal liegt in der nördlichen Eifel in der Gemeinde Blankenheim (Kreis Euskirchen) ca. 1 km südlich von Blankenheimerdorf. Es umfasst ein nach Nordwesten hin allmählich bis auf 560 m ansteigendes, flachwelliges Hochplateau, das sich nach Osten über die Kreisstraße in Richtung Nonnenbach fortsetzt. Dazwischen eingebettet liegt das obere Seidenbachtal in Form eines ± flach eingeschnittenen Trockentals. Der Seidenbach selbst tritt erst im südlichen Teil des Gebiets zutage. Er fließt von dort mit einigen Windungen weiter in südöstlicher Richtung und verläßt bei einer Höhenlage von ca. 500 m alsbald das Gebiet. Die Luftbilder zeigen ein großräumiges Gefüge aus Kalkmagerrasen, Frisch- und Feuchtwiesen, daneben Gebüsche, Laub- und Nadelholzbestände.
Zu erreichen ist das Gebiet aus Richtung Köln über die A1 bis Ausfahrt Blankenheim, der B51 folgend an Blankenheimerdorf vorbei Richtung Stadtkyll bis zu der links nach Blankenheim führenden Landstraße – diese dann bis zu der rechts nach Nonnenbach abzweigenden Straße.
Erste Teilflächen des Gebiets wurden ab 1990 als Naturschutzgebiet (NSG) ausgewiesen, darunter 12 ha, die von der Loki-Schmidt-Stiftung erworben wurden. Die heutige Eigentümerin ist seit langem die Nordrhein-Westfalen-Stiftung, die das Gebiet nach und nach erworben hat (auch die Flächen der Loki-Schmidt-Stiftung), dabei erste Flächen ab 1992. Zur Zeit umfasst das es eine Fläche von 117 ha.
Durch das Seidenbachtal verläuft eine wichtige geologische Grenze: Der größte, nördliche Teil liegt in der Blankenheimer Kalkmulde. Hier stehen mitteldevonische Kalkgesteine der Eifel- und Givetstufe an, während im Südteil des Gebiets saure unterdevonische Ton- und Schluffsteine (Klerfer Schichten) hervortreten. Bei den Böden handelt es sich auf den flachgründigen Hangbereichen und bei einem kleinen Teil der ebenen Flächen um Rendzinen. In größeren Teilen der Plateaulagen sind dagegen tiefgründigere Böden entwickelt, die von Braunerde-Rendzine bis zu basenreichen Braunerden (z.T. auch pseudovergleyt) reichen. An wechselfeuchten Stellen gehen die Braunerden in Pseudogleye über.
Entsprechend der montanen Lage (500-560 m) ist das Gebiet durch ein subatlantisches Berglandklima geprägt. Die Jahresmitteltemperaturen liegen bei 7,5 °C, die Jahresmittel der Niederschläge erreichen ca. 800 mm.
Historische und aktuelle Nutzungen
Die Eifelkalkgebiete wurden aufgrund der natürlichen Fruchtbarkeit ihrer Böden bereits seit der Jungsteinzeit (Neolithikum) von den Kelten besiedelt. Ihnen folgten Römer und Franken. Ortsnamen mit der Endung -dorf wie z.B. in Blankenheimerdorf verweisen auf die fränkische Siedlungsperiode, die ab dem 8. Jahrhundert begann.
Die guten Böden der Kalkmulden wurden früher überwiegend ackerbaulich genutzt und mit Roggen, Hafer und Dinkel bestellt. Im Volksmund hießen die Kalkgebiete daher auch „Dinkelland“. Im Bereich von Hanglagen wurden zur besseren Bewirtschaftung Ackerterrassen angelegt, die heute noch im unteren Seidenbachtal deutlich zu erkennen sind. Sehr flachgründige, teilweise dorfferne Flächen (z.T Allmende) dienten als Schafweide. Seit den 30er Jahres des 20. Jahrhunderts wurden die Äcker im Seidenbachtal nach und nach in Wiesennutzung umgewandelt, da der Ackerbau nicht mehr lohnte. Die meisten Wiesen und Magerrasen wurden aber noch bis in die 1960er Jahre extensiv genutzt. Danach fielen sie brach und wurden teilweise mit Lärchen und Kiefern aufgeforstet.
Im Südwesten des Gebietes ist als markantes Beweidungsrelikt der einzige größere Wacholderbestand der Blankenheimer Kalkmulde erhalten geblieben. Teilweise war er aber schon von Waldkiefer-Naturverjüngung überschirmt, und drohte zu verbuschen.
Im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens Blankenheimerdorf (1978-1991) wurden 1982 im Seidenbachtal besonders wertvolle Flächen (12 ha) von der Stiftung zum Schutz gefährdeter Pflanzen (Loki-Schmid-Stiftung) erworben, um zu verhindern, dass die verbliebenen Zeugen historischer Nutzungen und insbesondere die wertvolle Flora und Fauna der Aufforstung mit Nadelhölzern oder der Sukzession zu Gebüsch und Wald zum Opfer fallen.
Ab 1992 hat dann die NRW-Stiftung erste Flächen gekauft. Im Rahmen des Projekts „Ahr 2000“ sowie auch noch danach sind viele weitere Teilflächen hinzuerworben worden, so dass das Seidenbachtal jetzt 117 ha umfasst.
Im Rahmen des Projekts „Ahr 2000“ ist das Gebiet seit 2004 wichtiger Bestandteil des großräumigen Schutzgebietsystems „Obere Ahr“, zu dem noch weitere NRW-Stiftungsflächen wie z.B. das „NSG Obere Ahrtal bei Ahrhütte“ gehören.