Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Die unter diesem Titel zusammengefassten Flächen liegen zum einen an der Weser nördlich von Petershagen (bei Windheim und Schlüsselburg), zum anderen an der Bastau, einem kleinen Nebenfluss der Weser, westlich von Minden. Der Zusammenhang ist dadurch gegeben, dass im Kreis Minden-Lübbecke die letzten Storchenpaare in Nordrhein-Westfalen brüten, deren Bestand bedroht war und ist. Hier wurden in neuerer Zeit zwei großräumige EU-Vogelschutzgebiete ausgewiesen, die als landesweit bedeutsame Brut-, Winter-, Rast- und Mausergebiete nicht zuletzt auch den Störchen wieder einen geeigneten Lebensraum bieten. Die Bastauwiesen sind im Ganzen seit 1988 Naturschutzgebiet, bei der Weseraue wurden 7 Kernbereiche unter Schutz gestellt (NSG-Ausweisungen schrittweise seit den 1980er Jahren bis zuletzt NSG Windheimer Marsch in 2005).
Die NRW-Stiftung, die sich an dem Projekt beteiligt, hat auf Antrag des Aktionskommitee "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke" seit 1988 in beiden Gebieten zusammen insgesamt 420 ha Grünlandflächen erworben. Es handelt sich dabei um extensives, frisches bis nasses Grünland mit Glatthaferwiesen, Flutrasen, Nassweiden und Feuchtwiesen, in derem Bereich eine Reihe von Kleingewässern, Blänken und Gräben mit Wasser, Sumpf- und Röhrichtvegetation entwickelt ist. Das großflächige Feuchtgebiet "Bastauwiesen" westlich von Minden liegt zwischen der Bastau und dem Mittellandkanal. Das Gebiet ist in 4 Teilbereiche aufgeteilt, die Blöcke genannt werden und von West nach Ost durchnummeriert sind. Die von der NRW-Stiftung erworbenen Flächen liegen relativ nahe bei Minden in Block III und in Block IV südlich von Hartum. Die Flächen an der Weser liegen überwiegend auf der linken Uferseite, so vor allem westlich von Jössen, westlich bis nördlich von Windheim, westlich von Döhren sowie weiter flussabwärts bei Schlüsselburg (Stadt Petershagen).
Zu erreichen ist das Gebiet von Köln oder Düsseldorf über die A1 (A 46 > A1) bis Kamener Kreuz, dort auf der A2 (Richtung Hannover) wechseln, auf dieser bis zur Ausfahrt Porta-Westfalica. Hier fährt man auf der B482 weiter Richtung Minden. Zu den Flächen in der Bastauniederung gelangt man über die B65 Richtung Lübbecke. Die Flächen von Bloch IV liegen nördlich von Haddenhausen bzw. nordwestlich Rothenuffeln, die von Block III nördlich von Köhlte. Die Flächen an der Weser erreicht man, in dem man auf der B482 weiter Richtung Nienburg fährt. Die oben genannten Orte liegen dann jeweils westlich (bzw. links) von der Bundesstraße.
Hinsichtlich der Oberflächengestalt handelt sich es um weite, nahezu ebene Flächen, die in der Bastauniederung zwischen 45 und 47 m über NN, im Bereich der Weserauen zwischen 30 und 35 m über NN liegen. Darin finden sich Gräben, Flutrinnen und neu angelegte Kleingewässer und Blänken. Der geologische Untergrund ist eiszeitlich geprägt. In der Weseraue liegen über pleistozänen Sand- und Kiesablagerungen jüngere holozäne Auenlehmablagerungen. Die Böden, die sich hieraus entwickelt haben, gehören überwiegend zu den Braunen Auenböden. In niedriger gelegenen, stau- und grundwasserbeeinflussten Bereichen sind Pseudogley-Auenböden bis Auenpseudogleye und Gley-Auenböden bis Auengleye entwickelt. Die Bastauniederung ist ein altes vermoortes Urstromtal der Weser. Hier bildet schwach kalkhaltiger, sandiger bis toniger Auenlehm den geologischen Untergrund. Darauf lagern großflächig Böden aus Niedermoortorf, der eine Mächtigkeit von 1-2 m besitzt. Diese Torfschicht ist durch anthropogene Nutzung (Entwässerung) stärker verändert.
Das Klima der Mindener Region ist subatlantisch geprägtes Flachlandklima mit milden Wintern und mäßig warmen Sommern. Das Jahresmittel der Temperatur liegt hier bei 9 °C und das Jahresmittel der Niederschläge bei 680 mm.
Historie
Im Laufe der Jahrhunderte waren große Teile der Moorlandschaft im Bereich der Bastauniederung nach und nach abgetorft worden. Nur der Hochmoorkomplex des NSG "Großes Torfmoor" und ein Streifen entlang der Bastau blieben davon weitgehend verschont. Dennoch wurden auch diese Flächen etwas entwässert und in reine Grünlandnutzung überführt. Diese bestand im Wesentlichen aus Wiesennutzung und hatte extensiven Charakter.
In den 1950er Jahren änderte sich das, und im Rahmen der Flurbereinigung Hartum-Hille (1958-60) wurde das ganze Gebiet melioriert. Dazu gehören großflächige und tiefgreifende Entwässerung, zunehmende Düngung, Maschineneinsatz, Maisanbau und Herbizideinsatz. Insbesondere der Ackerbau nahm an Bedetung immer mehr zu. In den 1970er und 1980er Jahren sank der Grünlandanteil dadurch auf weniger als 50 %. In der Grünlandnutzung überwog die Mähweide als Nutzungsform. Sie diente hauptsächlich zur Gewinnung von Grassilage, seltener von Heu. Durch intensive Düngung, häufige Schnitte und hohe Viehdichte verlor auch das Grünland immer mehr an ökologischem Wert, der sich nicht zuletzt im Verschwinden der Störche und anderer Wiesenvögel in den 1970er Jahren äußerte.
Erst Ende der 1980er Jahre konnten die Negativentwicklungen gebremst und in den folgenden Jahren in ersten Teilbereichen wieder rückgängig gemacht werden, indem vorhandene Entwässerungen angestaut oder zurückgebaut wurden. Heute überwiegt wieder das Grünland im NSG Bastauwiesen (Acker ca. 30%, Grünland ca. 70 %) und - wie früher - wird ein großer Teil des Grünlandes ausschließlich extensiv als Mähwiesen genutzt - daneben, in trockeneren Bereichen, als Extensiv-Weiden. Höchste Priorität beim Grünlandmanagement kommt auch in Zukunft der Schaffung von Feuchtwiesen mit oberflächennahem Grundwasserstand zu.