Gebietsbeschreibung
Geographische Lage und naturräumliche Charakterisierung
Das Naturschutzgebiet Perlenbach-Fuhrtsbachtal liegt in der Westeifel zwischen den Ortschaften Höfen und Kalterherberg im Bereich der Stadt Monschau (Kreis Aachen). Es grenzt im Süden an die Gemeinde Bütgenbach in Belgien. Im Wesentlichen umfasst es zwei je ca. 5 km lange und ca. 75-250 m breite, durch einen Höhenrücken voneinander getrennte Bachtäler mit jeweils mehreren Seitentälchen und Siefen. Der Fuhrtsbach fließt nahe der Höfener Mühle in den Perlenbach, welcher nördlich der gleichnamigen Talsperre bei Monschau in die Rur mündet.
Zu erreichen ist das Naturschutzgebiet von Schleiden aus über die B 258 und von Monschau über die B 399.
Das Gebiet ist seit 1976 Naturschutzgebiet und umfasst eine Fläche von 339 ha. Davon wurden seit 1990 ca. 70 ha von der NRW-Stiftung erworben. Im Rahmen einer Kooperation zwischen deutschen und belgischen Behörden, Forstämtern und Naturschutzorganisationen wurde auch ein großflächiges Euregio-Projekt (Perlenbach-Fuhrtsbach-Schwalm-Oleftal) durchgeführt. Es besitzt zweifellos länderübergreifenden Modellcharakter.
Die Luftbilder zeigen die bis 80 m eingetieften Bachtäler – umgeben von Nadelholzforsten – inmitten einer rund 600 m über NN gelegenen flachwelligen Hochfläche mit überwiegender Grünland-Nutzung.
Der geologische Untergrund ist unterdevonisch und umfasst Schichten der Siegen-Stufe. Vor allem finden sich hier die quarzdurchsetzten Tonschiefer (seltener Sandsteine) der Mittleren und Oberen Rurberg-Schichten, im oberen Fuhrtsbachtal auch Wüstebach-Schichten mit nahezu schwarzen Tonschiefern. Als Böden kommen im Gebiet überwiegend saure, nicht selten staufeuchte Braunerden vor. Naturgemäß sind die Böden in den Hangbereichen flachgründiger, in den Bachtälern tiefgründiger, wo sie oft als Pseudogleye oder Gleye ausgebildet sind. Im Bereich von Quellen, sumpfig-moorigen Mulden und unmittelbar am Bach sind sie stärker humos und als Nass- und Anmoorgleye, kleinflächig auch als Moorgleye zu bezeichnen.
Das Klima ist ausgesprochen kühl und feucht. Die Jahresmittel-Temperatur beträgt 6-6,5 ° C, das langjährige Mittel der Niederschläge erreicht 1150 mm.
Historische und aktuelle Nutzungen
Ursprünglich war das Gebiet von geschlossenen Laubwäldern bedeckt. Die Machtergreifung der Karolinger zu Beginn des Mittelalters mit dem neuen politisch-kulturellen Zentrum in Aachen wirkte sich auch in dieser Region aus. 1198 wird Monschau, 1334 „Kaldeherberich“ erstmalig urkundlich erwähnt, doch sind beide wohl noch älter. Im Zuge der Besiedlung des Monschauer Raumes wurden später auch die siedlungsfernen Bachtäler gerodet und als Mähwiesen genutzt. Gemäht wurde nur einmal im Jahr und zwar ab Anfang Juli bis Mitte August. Die Ernte ergab das Winterfutter für das Vieh. Teilweise wurden die Flächen auch nachbeweidet. Den Sommer über wurde das Vieh auf dorfnahen Weiden, z.T. auch auf Heiden und im Wald gehütet.
In den Bachtälern des Gebietes wurde damals die auch aus anderen Mittelgebirgen bekannte Methode der Wiesenbewässerung angewandt. Am Rande der Wiesen hob man im Ober- und Mittelhangbereich Gräben aus, die im Gebiet als Flüxgräben bezeichnet werden. In diese leitete man vom Oberlauf her Bachwasser über einen absperrbaren Zulauf. Oberhalb der jeweiligen Eigentümerparzellen brachte man sie dann für ein bis zwei Tage zum Überlaufen, worauf sich das Wasser flächig über die Wiesen verteilte. Hierdurch wurde zum einen die Bodenfruchtbarkeit durch die vom Wasser mitgeführten mineralischen Substanzen verbessert, zum anderen aber auch die Bodentemperatur erhöht. Letzteres minderte die Frostgefahr und beschleunigte das Ausapern der Wiesen im Frühjahr. Diese über sechs Jahrhunderte ausgeübte Methode der Grünlandnutzung wurde erst zu Beginn des 20sten Jahrhundert aufgegeben, ein Teil der Wiesen aber noch bis in die 50er und 60er Jahre genutzt.
Die Wälder in der Umgebung des Gebietes dienten zunächst vor allem der Brennholzgewinnung und als Waldweide. Mit dem Aufkommen der Eisenindustrie im Monschauer Raum im 17. bis 18. Jahrhundert stieg der Holzverbrauch für die notwendige Holzkohlengewinnung rapide an, so dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts bereits 75 % der früheren Waldfläche zu Ödland und Heide geworden waren.
Als Notlösung zur Bodenverbesserung wurden unter preussischer Herrschaft dann Fichten in großem Stil angepflanzt. Die beabsichtigte spätere Umwandlung in Laubwälder geriet in Vergessenheit, als sich zeigte, dass die Fichte deutlich schnellwüchsiger und somit ertragreicher als Laubhölzer war. Auch nach der fast vollständigen Vernichtung der Wälder im 2. Weltkrieg durch die Ardennenoffensive wurden im Gebiet wieder die Flächen zu 90 % mit Fichten bepflanzt. Hiervon waren auch das Perlen- und Fuhrtsbachtal betroffen. Weitere Fichtenaufforstungen in den verbliebenen brachgefallenen Wiesen des Talgrundes fanden bis in die 1970er Jahre statt.