BIOSTATION OBERBERG IN SCHLOSS HOMBURG

POSTADRESSE: SCHLOSS HOMBURG 2

Grau = neues Landschaftshaus, rot = Biostation.<br />
(Foto: Werner Stapelfeldt)
Grau = neues Landschaftshaus, rot = Biostation.
(Foto: Werner Stapelfeldt)
"Homburger Ländchen" – so werden im Oberbergischen Kreis die Gemeinde Nümbrecht, die Stadt Wiehl und angrenzende Teile von Gummersbach und Engelskirchen bezeichnet. Der Name ist nur aus der Historie zu verstehen: Die Reichsherrschaft Homburg mit dem gleichnamigen Schloss im Zentrum war einer jener vielen deutschen Kleinstaaten, die bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts existierten. Heute ist "Schloss Homburg 2" die Postanschrift der Biostation. Die Naturschützer residieren aber nicht im Schloss, sondern in der Zehntscheuer, einem 300 Jahre alten Wirtschaftsgebäude außerhalb der Schlossmauern. Ein neues Infoportal macht das Haus zu einem attraktiven Startpunkt für einen Besuch im Oberbergischen.

Die Zehntscheuer, auch "Rotes Haus" genannt, diente nach ihrem Bau zu Beginn des 18. Jahrhunderts der Einlagerung der Naturalien, welche die Bauern als jährliche Abgabe
leisten mussten. Traditionell handelte es sich um ein Zehntel ihrer Ernte. Nach einer Renovierung zog 1994 die Biostation Oberberg ein. Ihre Hauptaufgabe ist die wissenschaftliche und praktische Betreuung der oberbergischen Naturschutzgebiete. Daneben bietet sie Exkursionen für Naturfreunde und spannenden außerschulischen Naturkunde-Unterricht

Eine neue Doppelhaushälfte

Das Mittel-Foyer mit dem Medientisch bietet Infos über den Naturraum und die Landschaft des Oberbergischen.<br />
(Foto: Werner Stapelfeldt)
Das Mittel-Foyer mit dem Medientisch bietet Infos über den Naturraum und die Landschaft des Oberbergischen.
(Foto: Werner Stapelfeldt)
Vor einigen Jahren erhielt die historische Zehntscheuer einen modernen Anbau. Seither hat Schloss Homburg wieder ein Doppelhaus. Grundlage ist hier aber kein Burgfrieden zerstrittener Geschwister (vgl. Kastentext), sondern die fruchtbare Koalition der Biologischen Station und des Kulturlandschaftsverbandes Homburger Ländchen. Unter einem Dach betreiben beide gemein- sam eine Dauerausstellung und bieten Raum für Tagungen und für Umweltbildungs-Veranstaltungen. Das Zentrum des neuen Infoportals ist ein interaktiver Medientisch, der die Neugier für die Besonderheiten des Homburger Ländchens weckt. Auch an den Wänden erhalten Besucher Informationen über die vier "Grund- zutaten" der Kulturlandschaft, die Wiesen, Wälder, Gewässer und Dörfer.

Dreiklassengesellschaft mit Schlossblick

Blick in die Dauerausstellung.<br />
(Foto: Werner Stapelfeldt)
Blick in die Dauerausstellung.
(Foto: Werner Stapelfeldt)
Zu einigen dieser Themenfelder können Schulen Unterrichtseinheiten unter freiem Himmel buchen, im Mittelpunkt stehen dabei jeweils die heimische Pflanzenwelt, die Organismen im Wald, im Bach, im Boden oder in den Streuobstwiesen. Unter kundiger Führung werden die Lebensräume aufgesucht und erforscht – das Motto "Naturerlebnis" ist Programm. Zur Vor- und Nachbereitung stehen drei Grüne Klassenzimmer zur Verfügung. Sie befinden
sich am Waldrand vor der Biostation. Kräuter- und Staudenbeete, ein Wildbienenhotel, Sitzbänke und eine Feuerstelle laden dort zum Entdecken und Beisammensein ein. Die Ausstattung des Hauses mit Stereolupen, Netbooks, Beamer und weiteren natur- pädagogischen Medien ist auf dem neuesten Stand, aber auch für die "Basics" ist gesorgt: In einer Küchenzeile können gesammelte Wildkräuter gleich zubereitet werden.

Text: Günter Matzke-Hajek
Kopfbild: Biologische Station Oberberg / Oliver Kolken
Doppelte Herrlichkeit in Spitzenlage

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Homburg –
die "hohe Burg" – bei Nümbrecht im Jahr 1276, aber sie muss mindestens 200 Jahre älter sein, denn bei Ausgrabungen fanden sich die Grundmauern eines steinernen Wohnturms aus dem 11. Jahrhundert.
Eine Besonderheit war, dass hier 500 Jahre lang zwei Herrenhäuser nebeneinander existierten: Nachdem 1294 die Erbstreitigkeiten zwischen den Brüdern Johannes und Engelbert von Sayn beigelegt waren, residierten auf dem Schlossberg zwei fürstliche Linien. Von Generation zu Generation wurde der Burgfrieden vertraglich erneuert, so dass die "Reichsherrschaft Homburg" nach außen als einiger Kleinstaat auftrat. Nach einem Brand und Teilabriss blieb seit 1835 nur noch eine Doppelhaushälfte, das Saynsche Haus, das heute ein Museum beherbergt. Die Trümmer des verfallenen Wittgensteiner Hauses taugten nur noch zum Straßenbau.

Von der geopolitischen Landkarte war die "Herrlichkeit Homburg" schon 30 Jahre früher verschwunden, als der Zwergstaat unter dem Druck Napoleons ins Großherzogtum Berg integriert wurde. Im Bewusstsein und Sprachgebrauch der Bevölkerung lebt "das Ländchen" aber bis heute fort.

Stand der Angaben: 01/2018


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Schon vor 25 Jahren förderte die NRW- Stiftung die Renovierung der historischen Zehntscheuer von Schloss Homburg als Quartier für die Biologische Station Oberberg. Später finanzierte sie die Einrichtung einer Dauerausstellung über Kulturlandschaft und Naturschutz und zuletzt beteiligte sie sich an der Ausstattung eines der Biologischen Station angegliederten Landschaftshauses mit Infoportal. Es wird vom Kulturlandschafts- verband Homburger Ländchen e. V. und der Biologischen Station Oberberg e. V. gemeinsam betrieben und ist als vorbildliches Projekt der "UN-Dekade zur biologischen Vielfalt" ausgezeichnet worden.

Googlemap aufrufenSchloss Homburg 1, 51588 Nümbrecht