PAPIERMÜHLE PLÖGER IN SCHIEDER

WO ALTPAPIER ZU AKTENDECKEL VERARBEITET WURDEN

 
 
Im Jahr 1697 bekam der Papiermacher, Johann Bernd Plöger, vom Grafen die Genehmigung zum Bau einer Papiermühle an der Niese in Schieder, dort wo früher eine Eisenhammermühle stand. Zu der Zeit stieg auch der Papierbedarf aufgrund der verbreiteten Druckkunst und der Industrialisierung stetig an. Lange Zeit dienten Lumpen (Hadern) als Rohstoff, um nach mehreren Arbeitsgängen von Hand, wertvolles Büttenpapier zu schöpfen. Noch heute stehen hier der Sortiertisch, die Einweichbecken, Kollergang und Bütten, sowie der 300 Jahre alte Lumpenschneider.

 
 
Als sich ab 1845 Holz für die Papierherstellung durchsetzte, disponierte die Familie Plöger, die in 8 Generationen bis 1989 die Papiermühle betrieb, um und investierte in eine Rundsiebmaschine für die Herstellung von Pappen. Zusätzlich setzten sie einen Kollergang, Holländer, Pressen und Glättwerk ein. Der Antrieb dieser Gerätschaften erfolgte ausschließlich, und auch heute noch, durch zwei Wasserräder, deren Kraft über Wellen, Transmissionsräder und Riemen weiter geleitet wurde.

Foto: Hans Ulrich Opel, Heimatverein Schieder e.V.
Foto: Hans Ulrich Opel, Heimatverein Schieder e.V.
Fortan verwandelte sich Altpapier zu Aktendeckeln. Vergorene Zeitungen, Akten und Kataloge wurden zu grauen, braunen und blauen Pappe-Umschlägen, wie sie auch in der fürstliche Verwaltung, Kaiserlichem Postamt, Staatsarchiven und naheliegenden Gerichtsbarkeiten Verwendung fanden.

Zu guter Letzt steigen die Besucher aus den niedrigen winkeligen Produktionsräumen hinauf auf den großen Dachboden. Durch schmale Gauben pfeift der Wind und trocknet die frisch erstellten Bögen. Danach wurden die Bögen geglättet, auf Maß geschnitten, gewogen, verpackt und per Handwagen oder per Fuhrwerk zum Kunden gebracht.

Foto: Hans Ulrich Opel, Heimatverein Schieder e.V.
Foto: Hans Ulrich Opel, Heimatverein Schieder e.V.
Noch bis 1989 wurden in der Niesetaler Mühle vorwiegend Aktenordner hergestellt. Da eine große Zahl der damaligen Maschinen erhalten ist, haben Besucher heute die Möglichkeit, den Prozess der Papierentstehung an 22 Stationen hautnah mitzuerleben und mehr über Spindelpressen, Lumpenschneider, Kollergänge und Trockenstoffbütten zu erfahren und weshalb man zur Papierherstellung einen "Holländer" braucht. Nach Einstellung der Produktion hatten die Eigentümer die Mühle - nach Wiederherstellung - zur Nutzung als Technisches Museum zur Verfügung gestellt. Bis es rund 15 Jahre später so weit war, drehten die engagierten und größtenteils ehrenamtlichen Helfer so einige Male am (Mühl-)Rad.


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

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Ehrenamtliche Helfer des Heimatvereins Schieder und der Eigentümerfamilie Plöger restaurierten die Papiermühle mit finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung, des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sowie der Stadt Schieder-Schwalenberg.

Googlemap aufrufenPapiermühle Plöger
Im Niesetal 11
32816 Schieder-Schwalenberg
Telefon: 05282-6115
E-Mail: hu.opel@t-online.de
oder Tel.: 05284-94373794
E-Mail: tourismus@schieder-schwalenberg.de
www.papiermuehle-ploeger.de

Ehrenamtliche Mühlenführer stehen zur Verfügung, um interessierte Besucher durch die Papiermühle zu führen. Die Mühle ist geöffnet von Mai bis Oktober, an Sonn- und Feiertagen, von 10-12 und von 15-17 Uhr. Zusätzliche Führungen nach Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten. Gruppenführungen auf Anmeldung.

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