Wasserkünste in der Stadt der Quellen

Wasserkunst Pader

Paderborn – das bedeutet nichts anderes als „Quelle der Pader“. Doch die Pader, Deutschlands kürzester Fluss, entspringt in Wirklichkeit nicht aus einer, sondern aus über 200 Quellen. Statt am Wasser liegt Paderborn daher eigentlich auf dem Wasser, wie ein Besuch im Quellkeller der Paderborner Kaiserpfalz eindrucksvoll beweist. Die Wasserwelten der Stadt kann man auch beim Spaziergang durch eine denkmalgeschützte Parkanlage der 1950er-Jahre erkunden. Seit 2012 kümmert sich der Verein „Freunde der Pader“ darum, das für die Stadtgeschichte so prägende Quellgebiet noch stärker im Bewusstsein der Menschen zu verankern. In diesem Sommer wird eine „Wasserkunst“ eingeweiht. 

Warme Pader, Dielenpader, Augenquelle – man lernt schnell, dass man es in Paderborn nicht mit einem simplen Wasserlauf zu tun hat. In fünf Quellteichen treten hier pro Sekunde bis zu 9.000 Liter des nassen Elements zutage, um nach und nach zu einem Fluss von beträchtlicher Kraft zusammenzuströmen. Die Getreidemühle einer bekannten Brotfabrik wird noch heute teilweise mit „Pader-Power“ betrieben. Diese Power speist sich wiederum aus Bachläufen und Niederschlägen, die in den Karstklüften der Paderborner Hochfläche versickern. Das Wasser dringt von dort mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 300 Metern pro Stunde bis zum Quellgebiet vor, das es binnen weniger Tage erreicht. Auf vier Kilometern darf sich die Pader anschließend ihres kurzen, aber sprudelnden Lebens erfreuen. Dann mündet der kürzeste NRW-Fluss in den längsten des Landes – in die Lippe, die bis zum Rhein immerhin die 55-fache Wegstrecke zurücklegen muss.

Kunst und Kump

Noch vor der Entstehung der Stadt Paderborn wurde an den Paderquellen eine frühmittelalterliche Kaiserpfalz errichtet. Im Jahr 799 empfing hier Karl der Große einen prominenten Besucher – Papst Leo III., der ihn ein Jahr später in Rom zum Kaiser krönen sollte. Leo soll bei dem Frankenkönig allerdings in jämmerlicher Verfassung angekommen sein, denn er war vor Feinden aus Rom geflohen, die ihn angeblich sogar geblendet hatten. In diesem Fall hätte wohl auch die „Augenquelle“ nicht mehr geholfen, die noch heute hinter dem Pfalzmuseum aus einer Steineinfassung hervortritt. Jahrhundertelang wuschen Menschen, deren Sehsinn beeinträchtigt war, ihr Gesicht mit dem als heilkräftig geltenden Wasser aus dieser Quelle. 

Natürlich ließ sich die Pader auch profaner nutzen – etwa beim Wäschewaschen, als Viehtränke oder für die Zwecke von Handwerk und Gewerbe. Nicht ganz alltäglich war es allerdings, als im Jahr 1523 an der Börnepader eine Wasserkunst in Betrieb ging. Die Sache hat nichts mit einem Kunstwerk zu tun. Vielmehr sprach man früher überall da von Wasserkünsten, wo das Nass – zum Beispiel im Bergbau – gepumpt, gehoben oder auf sonstige Weise „künstlich“ umgeleitet wurde. Die Paderborner schickten es durch Holzrohre in die städtischen Brunnen, die sogenannten Kümpe. Die dazu erforderliche Kolbenpumpe musste zwanzig Höhenmeter überwinden und lieh sich die Kraft dazu über ein Schaufelrad von der Pader selbst. Mehr als 300 Jahre lang funktionierte das System aus Kunst und Kümpen – bis 1887 ein modernes Leitungsnetz die Wasserversorgung in Paderborn auf neue Grundlagen stellte.

Alles fließt

Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die historische Überbauung des Paderquellgebietes nicht wiederhergestellt. Stattdessen entstand eine Grünanlage nach Plänen des Gartenarchitekten Rudolf Reuter. Spaziergänger begegnen hier überall ruhendem, fließendem, quellendem und fallendem Wasser. Seit 1981 gibt es gut zwei Kilometer flussabwärts außerdem den sieben Hektar großen Padersee, ein Rückhaltebecken, das auch Freizeitaktivitäten ermöglicht. Die Bemühungen um die „Flusslandschaft Pader“ stehen heute vor allem im Zeichen der Renaturierung, der Umsetzung von EU-Richtlinien und der weiteren Verbesserung des Erholungswertes. Viele Impulse gehen dabei von den „Freunden der Pader“ aus, die das Potenzial der urbanen Wasserlandschaft mit vielen guten Ideen buchstäblich auszuschöpfen verstehen. So ist dem Verein das Funktionsmodell einer Wasserkunst mit Schaufelrad und Kolbenpumpe zu verdanken, das im Sommer 2017 am historischen Standort eingeweiht werden soll. In der Vereinsarbeit bündeln sich darüber hinaus Aktivitäten zu Archäologie, Landschaftspflege, Touristik, Inklusion und Ökologie – oder um es passend zum Thema zu sagen: All diese ehrenamtlichen Tätigkeiten fließen hier zusammen.

Stand der Angaben: 1/2017

Unser Engagement

Paderborns Besonderheit fördern – das wollen die „Freunde der Pader“. Das Quellgebiet soll als Allein- stellungsmerkmal, als Besucherattraktion und als Identifikationsort weiterentwickelt werden.

www.freunde-der-pader.de

Wer die Pader kennenlernen will, dem sei die Pader-Wanderung empfohlen.

Alle Infos unter: www.pader-wanderung.de


Paderquellen in Paderborn
33098 Paderborn

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