Wanderung durchs Korallenriff

Kluterthöhle

Wer sich einmal entspannt durch ein Korallenriff bewegen möchte, muss nicht unbedingt um die halbe Welt reisen und eine Taucherausrüstung anlegen. In Ennepetal reicht halbwegs warme Kleidung und eine Eintrittskarte: Die Kluterthöhle bietet Besuchern geführte Begehungen eines tropischen Riffs, in dem vor 380 Millionen Jahren Korallen, Muscheln und schwammartige Organismen zusammenlebten. Dabei sind die Kalksteinbänke nicht importiert, sie sind an Ort und Stelle am Grund eines tropischen Flachmeeres entstanden. Der gemeinnützige Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. hat gemeinsam mit dem Betreiber der Schauhöhle die begehbaren Abschnitte renaturiert und für eine Beleuchtung gesorgt, die den fossilen Schatz in der Unterwelt in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt. 

Trotz ihrer Lage in den mitteldevonischen Kalkschichten des Süderberglands ist die Klutert keine Tropfsteinhöhle, meterlange Sinterzapfen und -säulen gibt es hier nicht. Anders als zum Beispiel in süddeutschen Karstgebieten wurde die Klutert nämlich nicht durch steten Tropfen geformt, sie entstand vielmehr durch ein Jahrmillionen andauerndes Tauchbad in kohlensaurem Grundwasser. Erst im Tertiär, also in geologisch jüngerer Zeit, hob sich das Gebirge und das Wasser floss aus den porösen Schichten ab wie aus einem Sieb. Aber auch ohne Stalagtiten und Stalagmiten ist die Klutert nicht irgendeine Höhle, allein ihre Dimensionen sind beeindruckend: Auf 5,8 Kilometer Länge summieren sich die bisher vermessenen Gänge und Kavernen. Für den Besucherverkehr ist ein 1,5 Kilometer langes Teilstück erschlossen. Die jahrzehntelange Nutzung der Höhle hat allerdings ihre Spuren hinterlassen. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Luftschutzbunker und danach entdeckte man ihr Potenzial als Heilstätte für Menschen mit Atemwegserkrankungen. In der so gut wie staubfreien kühl-feuchten Luft fanden seither Tausende von Asthmatikern und Allergikern Linderung ihrer Beschwerden.

Ein gutes Zeichen: „Hier zieht's!“

Der als Heil- und Schauhöhle genutzte Abschnitt der Klutert ist nur der öffentliche Teil der Unterwelt. Mit einer Mischung aus wissenschaftlicher Neugier, Pioniergeist und kalkulierter Abenteuerlust erforscht eine Gruppe von Ennepetaler Höhlenforschern seit Jahrzehnten weitere, verborgene Zweige der Klutert und ihrer Nachbarhöhlen. Während das Sickerwasser praktisch alle Hohlräume in den Kalkfelsen miteinander verbindet, passen Menschen meist nicht durch die engen Klüfte. Dass sich das Gangsystem hinter manchem Felssturz fortsetzt, merken die Kenner meist schon am Luftzug, der in solchen scheinbaren Sackgassen oft spürbar ist. Etliche Engstellen sind allerdings durch Lehm verschlossen, oder tiefer gelegene Bogen stehen unter Wasser wie der Siphon eines Waschbeckens. Für erfahrene und gut ausgerüstete Höhlenforscher sind derlei Hindernisse aber eher ein Ansporn. Sie versuchen dann, Felsbrocken oder Sediment beiseitezuräumen, Spalten zu erweitern oder tauchend den nächsten Raum zu erreichen. Oft erinnern die Namen entsprechender Abschnitte an die besonderen Empfindungen, unter denen die ersten Passagen glückten: „Wartezimmer“, „Angströhre“, „Schlüssellochgang“ oder „Mauseloch“ sind beredte Beispiele.

Grottige Präsentation?

Je tiefer die Ennepetaler in die Höhle vordrangen und je mehr unberührte Bereiche sie entdeckten, um so bewusster wurde ihnen, dass die als Schauhöhle genutzten Abschnitte lange Zeit „grottenschlecht“ präsentiert worden waren. Um den Besuchern kurze Wege und bequeme Durchgänge zu bieten, hatte man Kalkbrocken und Lehm in Seitengänge gekippt und kleine Höhlengewässer zugeschüttet. Die nach dem Krieg installierte Beleuchtung sorgte zwar dafür, dass Besucher sich nicht die Köpfe stießen, die Lampen unterstützten jedoch nicht das Höhlen-Flair, sondern verbreiteten Tiefgaragen-Atmosphäre. Auch Betonstufen und Kabelstränge vertrugen sich nicht mit dem Anspruch eines unverfälschten Geotops. Das änderte sich grundlegend, als die ersten Wände und Decken fachmännisch gereinigt wurden. Unter der Schmutzschicht kam dabei ein ganzes Urzeitriff ans Licht – in einem Erhaltungszustand und einer Ausdehnung, die in Deutschland, wenn nicht in Europa, ihresgleichen suchen.

Stadt und Höhle gehören zusammen

Die Höhlenforscher erkannten sofort, dass dieses faszinierende Naturdenkmal etwas Besseres verdiente als eine rein kosmetische Auffrischung. Seither wurden verschüttete Kleingewässer renaturiert, Führungswege zurückgebaut, Verteilerkästen umgesetzt und Stromkabel aus dem Blick der Besucher verbannt. Ein auf Höhlenbeleuchtung spezialisiertes Unternehmen setzte die faszinierenden Riffoberflächen durch Installation einer kostensparenden, stimmungsvollen LED-Beleuchtung ins rechte Licht. Für jährlich 40.000 Besucher ist der Gang durch die Kluterthöhle seither ein unvergessliches Erlebnis. Vermutlich wird ihre Zahl noch steigen. Die Höhlenexperten aus dem Westsauerland würden sich darüber freuen, wenn „ihre“ Klutert und ihre Arbeit für den Natur- und Umweltschutz noch bekannter würden. Auch Ennepetal hat sich darauf eingestellt. Seit Juli 2012 führt die Stadt offiziell den Titel „Ennepetal, Stadt der Kluterthöhle“. 

Der Besuch der Höhle ist nur im Rahmen einer Führung möglich. Beachten Sie daher die entsprechenden Zeiten. Die Mitnahme von Tieren ist nicht möglich, da die Höhle auch zu Therapiezwecken für Allergiker und bei Atemwegserkrankungen genutzt wird.

Stand der Angaben: 2016 / Nr. 2

Unser Engagement

Der Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. in Ennepetal kann mit Unterstützung der NRW-Stiftung die Besucherlenkung verbessern und Teile der Höhle sanieren. Dabei werden auch die Wände gesäubert und ein besonders wertvolles Korallenriff freigelegt.


Die Kluterthöhle in Ennepetal
Gasstraße 10
58256 Ennepetal

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