Vom Alltag der Hollandgänger

Tüöttenmuseum in Mettingen

Als Clemens und August Brenninkmeyer 1841 in der niederländischen Stadt Sneek ein Textilgeschäft eröffneten, begann damit die Unternehmensgeschichte des C&A-Konzerns. Zuvor hatten die Brenninkmeyers wie auch viele andere Handelsleute als sogenannte Tüötten ihren Lebensunterhalt verdient: Von Mettingen aus, einer beschaulichen Gemeinde im nördlichen Tecklenburger Land, verkauften sie als Wanderhändler hochwertiges Leinen in den Niederlanden. 

An die Geschichte der Tüötten erinnert heute ein liebevoll eingerichtetes Heimatmuseum mitten im Zentrum von Mettingen. Emsige Mitglieder des Mettinger Heimatvereins und Nachfahren der Tüötten hatten das Tüöttenmuseum 1962 in den Räumen des Gasthaus-Hotels Telsemeyer aufgebaut. Gemälde und Glasmalereien von Eugen Teeken (1923–2002), Karten, Gebrauchsgegenstände und historische Schriftstücke erzählen hier die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte des Mettinger Leinenhandels. Von 1966 bis 1968 erweiterte der Heimatverein das Museum durch drei Fachwerkhäuser, die man in den Innenhof des ehemaligen Hotels transloziert und miteinander verbunden hat. Dort veranschaulichen originalgetreu eingerichtete Räume den Arbeits- und Wohnalltag der Tüötten und ihrer Familien: Hier können Besucher zum Beispiel einen früheren Küchenbereich und eine Herdstelle besichtigen, Webstuhl und Spinnrad, eine Holzschuhmacher-Werkstatt, einen Schlafraum, schwarze Brauttrachten und die „gute Stube“, in der sich die Familie an Sonn- und Feiertagen zusammensetzte. „Wir haben rund 2.500 Besucher im Jahr, darunter viele Schulklassen und holländische Gäste“, berichtet Reinhold Donnermeyer, der seit 2000 als Vorsitzender des Mettinger Heimatvereins aktiv ist.

Als Torfstecher nach Holland

Die Geschichte der Tüötten begann vor etwa 400 Jahren: Da ihr karger Boden wenig Erträge erbrachte, verdienten sich viele Mettinger ihr Einkommen als sogenannte Hollandgänger, arbeiteten als Grasmäher oder Torfstecher bei den westlichen Nachbarn. Als die Niederländer Interesse am erstklassigen Tecklenburger Leinen der „Gastarbeiter“ aus Mettingen zeigten, setzte bald ein reger Handel ein: Die Wanderhändler, die Leinen aus selbst angebautem Flachs von Mettingen und seinen Nachbarorten Hopsten und Recke in die Niederlande transportierten, hießen Tüötten oder auch Tödden. Sie verkauften ihre Waren bald nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Nord- und Ostdeutschland sowie im Baltikum und in Skandinavien.

Eine eigene Geheimsprache

Zum Schutz vor Räubern und Zollbeamten bedienten sie sich bei ihren Geschäften sogar einer eigenen Geheimsprache, die sie „Bargunsch“ oder „Humpisch“ nannten. „Diese Sprache kannten nur die Kaufleute, noch nicht mal ihre Frauen verstanden sie“, erklärt Reinhold Donnermeyer. Tüöttenfamilien wie Brenninkmeyer, Hettlage, Voss, Lampe und Boecker errichteten mit der Zeit überregional bedeutsame Textilunternehmen, die das Tüöttenwesen lange Zeit überdauerten. Die Ära der reisenden Leinenhändler endete mit der Verbreitung des mechanischen Webstuhls: Im Zeitalter der Industrialisierung entstand Kleidung nicht mehr in Heimarbeit zu Hause, sondern in Fabriken. Der Heimatverein Mettingen mit seinen 360 Mitgliedern hält mit dem Tüöttenmuseum die Erinnerung an ein bedeutsames Kapitel der regionalen Wirtschaftsgeschichte wach. Die Mitglieder des Heimatvereins trugen dazu zahlreiche Exponate für das Muse um zusammen und veröffentlichten einen informativen Museumsführer, der zum 40. Geburtstag des Tüöttenmuseums 2002 noch einmal neu überarbeitet herausgegeben wurde. Der Heimatverein engagiert sich in Mettingen darüber hinaus auch für das örtliche Postmuseum, in dem die älteste Briefmarke der Welt zu besichtigen ist: eine „One Black Penny“ von 1840.

Stand der Angaben: Magazin der NRW-Stiftung 2/2008

Unser Engagement

Die NRW-Stiftung unterstützt den Heimatverein Mettingen e.V. bei der Erweiterung des Tüöttenmuseums.


Das Tüöttenmuseum in Mettingen
Sunderstraße 2
49497 Mettingen

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