STORCHENMUSEUM PETERSHAGEN

STORCHENMUSEUM IN PETERSHAGEN-WINDHEIM

Ganz aus der Nähe können die Besucher Störche erfahren.
Ganz aus der Nähe können die Besucher Störche erfahren.
Vom neuen Storchenmuseum in der alten Hausnummer 2 sind es nur wenige Minuten Fußweg bis zum Windheimer Fährmast, wo jedes Jahr ein Storchenpaar seine Jungen aufzieht. An den Besuch der spannenden Ausstellung lässt sich also bequem der Spaziergang zum Weserufer anschließen. Die Gäste in dem idyllischen Petershagener Ortsteil Windheim stellen jedenfalls fest, dass nichts so anregend ist wie die Verbindung aus einer Museumslektion und echtem Storchengeklapper im Grünen.

Vielleicht können sich die Besucher in Zukunft sogar den Weg zum Fährmast sparen, denn auf dem Dach des alten Bauernhauses mit der Storchenausstellung wurde eine Nisthilfe für Adebar installiert. Alfons Bense vom Aktionskomitee "Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke", der die Museumsidee mit entwickelt hat, ist zuversichtlich: "Wenn die Störche auf dem Dach brüten würden, wäre das natürlich die schönste Reklame fürs Westfälische Storchenmuseum. Aber auf den Spaziergang zur Weseraue sollte deshalb trotzdem niemand verzichten." Bense hat guten Grund, auf die Kooperation der Klapperstörche zu hoffen – schon im 19. Jahrhundert hatten sie ihr Nest dort oben auf dem Bauernhaus.

Auf 180 Quadratmetern Ausstellungsfläche lernen die<br />
Besucher im Storchenmuseum alles über Adebar. Ein mächtiger Horst (r.) mit einer typischen Nestszene bildet den Mittelpunkt der Ausstellung.
Auf 180 Quadratmetern Ausstellungsfläche lernen die
Besucher im Storchenmuseum alles über Adebar. Ein mächtiger Horst (r.) mit einer typischen Nestszene bildet den Mittelpunkt der Ausstellung.
Fachwerkhaus mit Schirmmütze

In Windheim ist die "Numero 2" das älteste Haus. Seine regionaltypische Zierde sind die Steckwalme, vorgewölbte Giebelwände, die auch als "Schaumburger Mütze" bezeichnet werden, weil sie die Eingangsseiten vor Regen schützen wie eine tief in die Stirn gezogene Hutkrempe. Durch die Grot Dör, die große Tür, konnten früher die Erntewagen bis in die Mittellängsdiele fahren. Ausgerechnet dieses Dreiständer-Hallenhaus mit einer Grundfläche von 380 Quadratmetern war von der Denkmalbehörde übersehen worden, als in den 1970er-Jahren die historischen Gebäude inventarisiert wurden.

30 lange Jahre blieb "Numero 2" unbewohnt, verfiel zusehends und wurde zuletzt nur noch als Abstellraum für landwirtschaftliche Geräte genutzt. Die Kunde vom bevorstehenden Abriss ließ 1998 bei besorgten Nachbarn die Alarmglocken läuten. Die Freunde des historischen Dorfbildes schlossen sich seinerzeit rasch zum Verein "Denk-Mal! Windheim No. 2" zusammen. Sie mobilisierten Behörden und Presse, sammelten Spenden und warben Sponsoren. Buchstäblich in letzter Minute gelang 1999 der Kauf, bevor der Bagger zum Abriss anrückte.

Der Klapperstorch bringt die Babys: Zahlreiche Mythen ranken sich um den "Kulturfolger" Storch.
Der Klapperstorch bringt die Babys: Zahlreiche Mythen ranken sich um den "Kulturfolger" Storch.
In den vergangenen Jahren wurde das Haus mit finanzieller Hilfe der Nordrhein- Westfalen-Stiftung und viel handwerklichem Geschick originalgetreu in Stand gesetzt. Heute können Besucher im Parterre den historischen Grundriss studieren und das wuchtige Fachwerk bewundern. 65 Zentimeter dick ist der eichene Luchtbalken, ein Erwachsener kann ihn kaum umfassen. Die Analyse seiner Jahresringe bezeugte, dass der Hof in den Jahren 1701/1702 gebaut worden war.

Zusammen mit Architekt Wolfgang Riesner, der die Restaurierung leitete, erfuhr Alfons Bense sogar von der Existenz eines abgebrannten Vorgängerbaus. "Eigentlich fast ein Wunder, dass das Haus 300 Jahre überdauert hat", staunt Bense immer noch, "Kamine gab es damals nicht, und die Dächer waren nicht mit Ziegeln, sondern mit Stroh gedeckt. Der Rauch vom Herdfeuer zog einfach durchs Gebälk nach oben – oder auch nicht. Deshalb ist das Holz so stark geschwärzt. Wahrscheinlich haben die Leute Wurst und Schinken zum Räuchern gleich hier an die Balken gehängt. Die Stelle hatte übrigens eine hübsche Bezeichnung: Das war der »Westfälische Himmel«"

Das neue Westfälische Storchenmuseum wurde im ältesten Haus Windheims eingerichtet. Sein vorgewölbter Giebel, die so genannte "Schaumburger Mütze", ist typisch für die Bauweise der Region.
Das neue Westfälische Storchenmuseum wurde im ältesten Haus Windheims eingerichtet. Sein vorgewölbter Giebel, die so genannte "Schaumburger Mütze", ist typisch für die Bauweise der Region.
Der Klapperstorch von A bis Z

Eine Etage höher, unter dem riesigen Dach, erfährt man auf 180 Quadratmetern Ausstellungsfläche (fast) alles über die Störche, von "A" wie Aerodynamik bis "Z" wie Zugroute. Mitten im Raum befindet sich ein Storchennest mit einer lebensecht wirkenden Familienszene der Adebars. Bis vor ein paar Jahren krönte der mächtige Horst den alten Schornstein der Molkerei im Nachbarort Döhren. Er musste dort abgenommen werden, weil er im Laufe der Jahre so hoch geworden war, dass er abzustürzen drohte.

Neben der Biologie des Weißstorches präsentiert das Museum die traditionsreiche Beziehung zwischen den Menschen und dem "Kulturfolger" Storch, seine Rolle als Frühlingsbote und Kinder bringender Klapperstorch, den Mythos vom Glücksbringer, der das Haus vor Blitzschlag schützte und Ehefrieden stiftete. Auch technische Themen werden angesprochen. Wer weiß schon, dass sich Otto Lilienthal bei der Konstruktion seiner Flugapparate den Storch zum Vorbild genommen hatte? Und nur die Älteren kennen noch den vor 70 Jahren gebauten einmotorigen Flieger namens "Fieseler Storch", der mit seinem hochbeinigen Fahrwerk in jeder Wiese landen konnte und dafür kaum mehr als 20 Meter Piste brauchte – fast wie ein Storch.

Viel Information: Das Museum hat für Alt und Jung etwas zu bieten.
Viel Information: Das Museum hat für Alt und Jung etwas zu bieten.
Besonders gerne stehen die Besucher vor den historischen Storchen-Postkarten, von denen jede ihre besondere Geschichte erzählt, oder sie belagern den großen Medientisch, unter dem ein Computer Informationen auf einen riesigen Bildschirm zaubert. Hier kann man sich über alle Neststandorte der Störche in der Region unterrichten, aber auch über historische Gebäude und andere Sehenswürdigkeiten. Nicht von ungefähr heißt die Ausstellung "Haus – Heimat – Himmel".

Das Museum in Windheim ist das i-Tüpfelchen der Storchenhilfe in Westfalen. Es ergänzt eine lange Reihe von Maßnahmen, die den Störchen und ihren gefährdeten Lebensräumen im Kreis Minden-Lübbecke zugute kommen. Im Lauf der vergangenen 20 Jahre wurden mehr als 480 Hektar Grund, überwiegend zusammenhängende Wiesen, erworben, Grünlandflächen wiedervernässt, an Landwirte verpachtet und von ihnen "storchengemäß" erwirtschaftet. Fachleute kümmern sich um Nisthilfen und versuchen, Gefahrenquellen für die Störche zu beseitigen. Der Erfolg blieb nicht aus. Heute leben in der Region wieder fast so viele Weißstörche wie zuletzt vor 70 Jahren.

Broschüre [PDF, 237 kb]


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt frei.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung finanzierte auf Anregung des Fördervereins "Denk-Mal! Windheim No. 2 e.V." die Restaurierung eines inzwischen denkmalgeschützten, 300 Jahre alten Fachwerkhauses in Petershagen, das beinahe abgerissen worden wäre. In der oberen Etage ist dort ein Storchenmuseum untergebracht. Seit 1986 engagiert sich die NRW-Stiftung zudem für den Schutz der frei lebenden Weißstörche in Minden-Lübbecke und hat an Weser und Bastau über 450 Hektar Feuchtwiesen erworben.

Mehr über die Hilfe der NRW-Stiftung zum Schutz des Weißstorches erfahren Sie hier.

Googlemap aufrufenWestfälisches Storchenmuseum
»Haus · Heimat · Himmel«
Im Grund 4
32469 Petershagen-Windheim
Telefon: 05705 9586771
stoerche-minden-luebbecke.de/westfaelisches-storchenmuseum/

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