WESER-LASTKÄHNE IM MUSEUM SCHLOSS BRAKE

HAVARIE UNTER GLAS

 
 
Als Wilhelm Kriemelberg das Wendemanöver im gefürchteten "Branntweinloch" der Weser misslang, war es für den Schiffer aus Vlotho bereits zu spät. Seine Ladung verrutschte und durchschlug die Seitenwand eines seiner beiden Lastkähne, die am 24.7.1769 in Sekundenschnelle sanken und den Kapitän mit sich in die Tiefe rissen. Erst 230 Jahre später entdeckten Arbeiter die Wracks zufällig in der Weserschleife bei Rohrsen. Nach einer aufwändigen Bergungsaktion sind die beiden Schiffe jetzt in einer gläsernen Halle beim Weserrenaissance-Museum Schloss Brake zu besichtigen.

 
 
Kriemelbergs Lastkähne sind eine kleine Sensation, denn bis zu ihrem Fund war dieser Schiffstyp der Forschung nur aus der Literatur bekannt. Wissenschaftler haben rekonstruiert, dass das so genannte "Branntweinloch" nahe Rohrsen für die Havarie verantwortlich war. Hier beschreibt die Weser einen doppelten S-Bogen, der dem Schiffer zum Verhängnis wurde. Als das nötige Wendemanöver misslang, lief Wasser in einen der beiden mit Ketten fest aneinander gebundenen und mit etwa 50 Tonnen Sandstein beladenen Kähne. Ein sich lösender Stein durchschlug die Bordwand und beide Lastkähne sanken.

 
 
Erst 1995 wurden die Wrackteile zufällig von Baggern freigelegt. Die komplizierte Bergung der beiden Schiffe konnte erst 1999 abgeschlossen werden. Danach wurden die beiden Schiffe zunächst in einer gläsernen Halle mit Polyäthylenglykol, einem Kunstharz, berieselt um sie zu konservieren.

Die Weserlastkähne haben ihren letzten Heimathafen im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake erhalten. Hier können interessierte Besucher neben der Besichtigung der beiden Lastkähne im Glashaus auch in der Ausstellung des Museums einen Einblick in die Kultur des Weserraumes im 16. und frühen 17. Jahrhundert gewinnen.

 
 
Die gesamten Restaurierungsarbeiten wurden von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützt. Die beiden Weserlastkähne sind neben dem Weserrenaissance-Museums Schloss Brake zu sehen. Eine kleine Sammlung von Informationen rund um den Fund sowie die Bergung und Konservierung der Lastkähne im Vorraum des Glashauses rundet die Besichtigung der Wracks ab.


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Die Nordrhein-Westfalen-Stiftung unterstützte den Freundeskreis des Weserrenaissance-Museums Schloss Brake e. V. in Lemgo bei der Konservierung der beiden Weserlastkähne aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Eine ausführliche Dokumentation zur Rettung und Restaurierung, verfasst von der Direktorin des Museums Schloss Brake, Dr. Vera Lüpkes, ist unter dem Titel "Im Fluss" in der Edition J. J. Heckenhauer erschienen.

Googlemap aufrufenWeserrenaissance-Museum Schloss Brake
Schlossstraße 18
32657 Lemgo
Telefon: 0 52 61 / 9 45 00
www.wrm.lemgo.de

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