SCHLOSS BRAKE IN LEMGO

WESERRENAISSANCE-MUSEUM SCHLOSS BRAKE

Das Museum ist im Untergeschoss von Schloss Brake untergebracht – der Weg führt aber auch auf den Turm. Foto: Weserrenaissance-Museum
Das Museum ist im Untergeschoss von Schloss Brake untergebracht – der Weg führt aber auch auf den Turm. Foto: Weserrenaissance-Museum
Renaissance – bei diesem Begriff denken Kunstfreunde zuerst an Italien und die weltberühmten Werke von Leonardo da Vinci, Michelangelo oder Raffael. Nördlich der Alpen erlangte Albrecht Dürer einen ähnlichen Rang. Doch mit der Aufzählung von ein paar Namen lässt sich die Bedeutung einer Kulturepoche nicht umreißen. Erst der Blick auf konkrete Themen und Orte vermittelt das ganze Bild. Wer sich für die Renaissance interessiert, sollte daher einen Ausflug an die Bega nicht versäumen – ein Flüsschen im Einzugsbereich der Weser. An der Bega liegt die lippische Stadt Lemgo mit dem Schloss Brake, das seit 1989 das Weserrenaissance-Museum beherbergt.


Lemgoer Perspektiven - mit dem Meisterwerk von Hans Vredemann de Vries als Blickpunkt. Foto: Weserrenaissance-Museum
Lemgoer Perspektiven - mit dem Meisterwerk von Hans Vredemann de Vries als Blickpunkt. Foto: Weserrenaissance-Museum
Der Begriff Weserrenaissance wurde geprägt, weil sich im Einzugsbereich des Flusses zahlreiche Renaissancebauten erhalten haben, die von späteren barocken Umgestaltungen weitgehend frei blieben. Im Weserraum lassen sich die Formen der nordischen Renaissance daher besonders gut studieren, etwa die typischen halbrunden "welschen Giebel" nach venezianischen Mustern. Wichtige Impulse gab der Baumeister Jörg Unkair (gest. 1553), der unter anderem die Schlösser in Detmold und in Petershagen bei Minden gestaltete. Schloss Brake in Lemgo wurde 1584 im Sinne des neuen Ideals ausgebaut. Der Bauherr war ein waschechter Renaissancefürst: Graf Simon VI. zur Lippe (1554-1613) diente als Hofrat und Gesandter Kaiser Rudolfs II., hielt sich häufig in Prag und in den Niederlanden auf und beschäftigte sich ausgiebig mit Kunst und Wissenschaft. Sein Schloss ließ er auf den Grundmauern einer mittelalterlichen Burg errichten. Heute hat hier neben dem Weserrenaissance-Museum auch der Lippische Landesverband seinen Sitz.

Neue Perspektiven
Renaissance bedeutet wörtlich so viel wie "Wiedergeburt". Gemeint ist damit die neu aufflammende Begeisterung für die Kunst und Kultur der Antike am Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit. So groß war diese Begeisterung, dass das Mittelalter dadurch erst zu seinem Namen kam. Denn die Renaissance-Gelehrten bezeichneten es abschätzig als das "mittlere Zeitalter", weil es zwischen dem bewunderten Altertum und dessen neuer Wertschätzung in ihrer eigenen Zeit lag. Zwar waren die antiken Errungenschaften in Wirklichkeit nie ganz verloren gegangen, schließlich hatte man in den mittelalterlichen Schreibstuben Latein geschrieben, und auch das Christentum war ja ein Erbe des Altertums. Doch die Renaissance führte im 15. und 16. Jahrhundert zu bahnbrechenden Erfindungen und Entdeckungen, die das mittelalterliche Weltbild zersprengen sollten.

Paulus Moreelse (1571-1638): Het Meisje, Kinderbildnis, 1625. Foto: Weserrenaissance-Museum
Paulus Moreelse (1571-1638): Het Meisje, Kinderbildnis, 1625. Foto: Weserrenaissance-Museum
Was die Entdeckungen angeht, so genügt der Hinweis auf Christoph Kolumbus, der 1492 erstmals die "Neue Welt" betrat. Unter den Erfindern wäre Johannes Gutenberg hervorzuheben, dem einige Jahrzehnte zuvor der Buchdruck mit beweglichen Lettern gelungen war. Ebenso bedeutsam waren die Umbrüche in der Kunst. Der menschliche Körper wurde in der Renaissance erstmals wieder mit der gleichen Meisterschaft dargestellt wie einst bei den Griechen. Zugleich traten neben die traditionellen christlichen Themen zahlreiche Anleihen bei den Stoffen der antiken Mythologie. Mit dem Aufkommen der Zentralperspektive ließ sich die dreidimensionale Welt außerdem exakter auf zweidimensionale Bilder bannen, als es selbst das Altertum vermocht hatte. Die Kunst erschloss sich so eine ganz neue "realistische" Dimension.

Renaissance hautnah – Erlebnisführungen und Mitmach-Aktionen machen es möglich. Foto: Querdenker.
Renaissance hautnah – Erlebnisführungen und Mitmach-Aktionen machen es möglich. Foto: Querdenker.
Der Graf und die Dromedare
Das Weserrenaissance-Museum präsentiert mit dem Gemälde "Lazarus und der Reiche" von Hans Vredemann de Vries (1571) ein herausragendes Beispiel für die perspektivische Malerei und erläutert gleichzeitig die Verfahrensweise der Künstler. Eigenhändiges Experimentieren an einigen Versuchstischen ist dabei ebenfalls möglich – so wie das Museum ohnehin auf das Dabeisein und das Mitmachen setzt. Groß und Klein können beispielsweise bei Erlebnisführungen in Kleider der Renaissance schlüpfen oder Erfindungen mit echtem Knalleffekt bestaunen. Auch die Besteigung des Schlossturms mit seinen unterschiedlichen Treppen und Stuben sorgt für eindrucksvolle Momente, inklusive des Blicks in ein Alchemistenlabor und eine verborgene Archivkammer. Die Adligen der Renaissance liebten Kuriositäten und "Wunderdinge". So besaß Simon VI. beispielsweise drei Dromedare und teilte damit das Interesse an exotischen Tieren, mit dem die Renaissance erste Grundlagen für die Entwicklung der Zoologie legte. Vom Schlossturm aus beobachtete der Graf die Sterne, wie es so mancher seiner adligen Zeitgenossen ebenfalls gerne tat. Von seinen Alchemisten erhoffte Simon sich außerdem die Herstellung von Gold – ein vergebliches Bestreben, das aber hundert Jahre später selbst ein wissenschaftliches Genie wie Gottfried Wilhelm Leibniz noch ernsthaft beschäftigte. Grund genug für das Weserrenaissance- Museum, zu augenzwinkernden Workshops unter dem Motto "Gold selbst herstellen leicht gemacht" einzuladen.

Foto: Bernd Hegert
Foto: Bernd Hegert
Ein engagierter Freundeskreis trägt heute tatkräftig dazu bei, das Weserrenaissance-Museum zu unterstützen und noch bekannter zu machen. Er hat sich auch für den Verbleib der Ausstellung in Lemgo eingesetzt, als es vor einigen Jahren Pläne zu einer Fusionierung mit dem Lippischen Landesmuseum in Detmold gab. Seit der im Frühjahr 2017 abgeschlossenen Umgestaltung bietet das Haus eine überarbeitete Dauerausstellung, ein repräsentatives Foyer und zwei moderne Veranstaltungsräume mit einer Gesamtfläche von 400 Quadratmetern. Hier können Sonderausstellungen, aber auch Kindernachmittage, Kabarettabende, Konzerte und Theateraufführungen stattfinden. Im Weserrenaissance-Museum spricht man vom neu gewonnenen "Freiraum" – was beweist, dass auch ein Museum seine Wiedergeburt, pardon: seine Renaissance erleben kann.

Stand der Angaben: 2017/2


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Für Mitglieder des Fördervereins ist der Eintritt ermäßigt.

Bei vielen Projekten erhalten die Mitglieder des Fördervereins vergünstigten Eintritt. [mehr]
Die NRW-Stiftung unterstützte auf Antrag des "Freundeskreis Weserrenaissance-Museum Schloss Brake e.V." die Neukonzeptionierung des Untergeschosses von Schloss Brake. Die Ausstellungssäle wurden neu gestaltet, ein Foyer und neue Veranstaltungsräume eingerichtet.

Googlemap aufrufenWeserrenaissance-Museum Schloss Brake
Schlossstraße 18
32657 Lemgo
Telefon: 0 52 61 / 9 45 00
museum-schloss-brake.de

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