MITTELALTERLICHER BURGGARTEN IN STADT BLANKENBERG

DIE APOTHEKE DER BURGLEUTE

Auf der Bastion, einem stark befestigten Außenplateau von Burg Blankenberg, liegt der Burggarten mit seinem reichen Bestand an historischen Heil-, Gemüse-, Würz- und Zierpflanzen. (Foto: Alexander Heyd)
Auf der Bastion, einem stark befestigten Außenplateau von Burg Blankenberg, liegt der Burggarten mit seinem reichen Bestand an historischen Heil-, Gemüse-, Würz- und Zierpflanzen. (Foto: Alexander Heyd)
Als im Jahr 1643 Margarete Bärenklau, die Frau des Blankenberger Gerichtsschreibers, schwer erkrankte, vertraute sie der Muttergottes und der Volksmedizin. Nach der Fürbitte ihrer Söhne und einem heilkräftigen Wein wurde sie wieder gesund. So hat Johann Theodor Bärenklau, der letzte Pfarrer der Burgkapelle, die wundersame Genesung seiner Mutter einst zu Protokoll gegeben. Die Episode belegt die enge Verbindung von Glauben und Heilen. Wer die traditionellen Gartengewächse und Heilkräuter der Gegend kennenlernen möchte, findet sie heute wieder vor Ort. Der "Freundeskreis Burggarten Blankenberg" präsentiert sie von April bis September in seinem Burggarten.

Die ehrenamtlichen Gärtner präsentieren den Besuchern ihren Schatz von April bis September. (Foto: Alexander Heyd)
Die ehrenamtlichen Gärtner präsentieren den Besuchern ihren Schatz von April bis September. (Foto: Alexander Heyd)
Wo auf Burg Blankenberg früher der Garten lag, ist nicht bekannt, denn der Baukomplex wurde in den vergangenen neun Jahrhunderten mehrfach stark verändert. Ein deutlicher Hinweis auf die frühere Existenz eines Burggartens sind aber die hier gefundenen Pflanzenarten, die in der Wildflora praktisch nicht vorkommen. Es sind traditionsreiche Heilpflanzen, die besonders in Gartenkultur weiterverbreitet wurden. "Die Osterluzei und das Herzgespann sind Beispiele für solche Kulturrelikte, sie wachsen vielleicht schon seit Jahrhunderten an der Burg", erläutert Susanne Heyd, die den Garten geplant und eingerichtet hat, "Burgbewohner waren früher meist Selbstversorger, was Küchenkräuter und Heilpflanzen anging."

Steinreiche Burggärtner

Im Sommerhalbjahr trifft sich hier regelmäßig der Freundeskreis, um gemeinsam zu arbeiten. (Foto: Stefan Körber)
Im Sommerhalbjahr trifft sich hier regelmäßig der Freundeskreis, um gemeinsam zu arbeiten. (Foto: Stefan Körber)
Als von 1996 bis 2010 große Abschnitte der Burg saniert wurden, regten Fachleute an, auf einer Brachfläche der äußeren Bastion wieder einen Garten anzulegen. Doch den Burgbetreuern selbst fehlte es an praktischer Erfahrung. So kam die Pädagogin, Naturschützerin, Hobbygärtnerin und -köchin Susanne Heyd zu ihrem Ehrenamt. Wo in ihrer Vorstellung blühende Stauden sprießen sollten, lag allerdings jede Menge Schutt in der Erde: "Als wir 2006 das erste Beet anlegen wollten, waren wir steinreich! Also haben wir die größeren Grauwackenstücke gesammelt und später für die Einfassung der Beete benutzt, und den feineren Schutt haben wir für die Wege verwendet."

"Urban gardening" in der Provinz

Der Echte Ziest ist nicht nur eine traditionsreiche und geschätzte Heilpflanze, sondern auch eine attraktive Zierstaude. Im Rheinland wächst sie auch wild. (Foto: Alexander Heyd)
Der Echte Ziest ist nicht nur eine traditionsreiche und geschätzte Heilpflanze, sondern auch eine attraktive Zierstaude. Im Rheinland wächst sie auch wild. (Foto: Alexander Heyd)
Die ersten Ideen brachte Heyd aber von einer Englandreise mit: "Dort ist das gemeinsame Gärtnern in öffentlichen Anlagen viel selbstverständlicher, ich dachte, das muss doch hier auch gehen." Und woher stammen die Pflanzen? Viele noch heute beliebte Stauden und Gewürzkräuter besorgte Heyd im Handel oder bei befreundeten Gärtnern. Manche Gewächse erhielt sie auch von anderen Traditionsgärten im Rheinland. "Der Goldlack stammt von der Marksburg am Mittelrhein, die Mutterwurz aus dem Aachener Karlsgarten und die Eberraute aus einer Klostergärtnerei". Schon die ersten Aktivitäten weckten das Interesse weiterer Gartenenthusiasten. Inzwischen gehören zum ehrenamtlichen Freundeskreis über 25 Personen. Alle 14 Tage treffen sich die Gartenfreunde in wechselnder Besetzung, graben und säen, jäten und gießen, hacken und schneiden. "Das ist einfach ein unglaublich schöner Platz zum gemeinsamen Arbeiten, mit dem Blick über das Siegtal und mit der Burg im Rücken!" schwärmt Susanne Heyd. "Ich merke, wie alle, die regelmäßig herkommen, sich stark damit identifizieren und Verantwortung übernehmen." Auch für Besucher steht die Gartenpforte immer offen. Bänke laden zum Verweilen ein. Der Holzzaun, der den 800 Quadratmeter großen Garten von der übrigen Bastionsfläche abgrenzt, hat eher Symbolcharakter. Bis 2013 wurden zwei weitere große Beete für Heil- und Küchenkräuter angelegt. Dabei sind die Grenzen zwischen Heil-, Gewürz- Duft- und Zierpflanzen fließend. Manchen Gewächsen sagte man auch magische Wirkung nach oder sie hatten sprituelle Bedeutung. Zum Beispiel das Balsamblatt, dass aus Maria Laach stammt. Früher legte man sich gern ein duftendes Zweiglein ins Gesangbuch. Das sollte bei längeren Gottesdiensten die Aufmerksamkeit stärken.

Artenschutz als wichtige Aufgabe

Im Burggarten werden auch gefährdete Wildpflanzen gärtnerisch vermehrt. Zu diesen Arten gehören u.a. der einjährige Acker-Rittersporn. (Foto: Alexander Heyd)
Im Burggarten werden auch gefährdete Wildpflanzen gärtnerisch vermehrt. Zu diesen Arten gehören u.a. der einjährige Acker-Rittersporn. (Foto: Alexander Heyd)
Ein vierter Teil des Bastionsgartens besteht aus einem Stück Wiese und einem Ackerstreifen, in dem alte Getreidesorten und Wildkräuter wachsen. Sie gehören zu einem besonderen Aufgabenbereich, dem sich die Gärtner von Blankenberg verpflichtet fühlen: Der Garten dient als "Arche" für hochgradig gefährdete Arten, die in der Region zu verschwinden drohen. Hier werden sie unter geschützten Bedingungen vermehrt. "Das Saat- oder Pflanzgut, das wir gewinnen, ist für die Rückkehr an geeignete Wuchsorte in der Landschaft vorgesehen". Selten gewordene Begleiter des Wein-, Getreide- und Leinanbaus sind darunter, wie Wildtulpe, Acker-Steinsame und Leindotter. Beratung und Unterstützung bekommt der Freundeskreis dabei unter anderem von der Biologischen Station und vom Botanischen Garten der Universität Bonn.
Die Ursprünge von Burg Blankenberg

Das Gärtnern mit Blick über das Siegtal und der Burg im Rücken lockte bis jetzt über 25 Personen in den ehrenamtlichen Freundeskreis. (Foto: Georg Bungard)
Das Gärtnern mit Blick über das Siegtal und der Burg im Rücken lockte bis jetzt über 25 Personen in den ehrenamtlichen Freundeskreis. (Foto: Georg Bungard)
Gebaut im 12. Jahrhundert vom Vater und vom Onkel des einstigen Kölner Erzbischofs Bruno von Sayn stand der "blanke Berg" politisch stets im Schatten der 11 Kilometer entfernten Stadt Siegburg. Im 14. Jahrhundert kam die Burg Blankenberg in den Besitz der Herzöge von Berg. Im 30-jährigen Krieg wurde sie von schwedischen Truppen belagert, stark beschädigt und 20 Jahre später geschleift. 1829 schließlich verkaufte sie der preußische Staat an einen Adeligen aus Königswinter. Ein Teil der Vorburg ist nach wie vor in Privatbesitz.

Stand der Angaben: 1/2017


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Die NRW-Stiftung förderte die Anlage eines Schau- und Lehrgartens für historische Nutz- und Zierpflanzen sowie als "Arche" für gefährdete Wildpflanzen. Neben der Pflege des Kräutergartens mit mehr als 200 Arten und Sorten gibt der "Verein Freundeskreis Burggarten Blankenberg" Anregungen für die naturnahe Gartengestaltung und bietet auch Privatleuten Saatgut von etwa 80 verschiedenen Pflanzen. Der Verein veranstaltet Führungen und Seminare zu Heil-, Gewürz-, Duft- und Zierpflanzen und ihrer Verwendung.

Googlemap aufrufenBurg Blankenberg
Burg 1
53773 Hennef-Stadt Blankenberg

Telefon: 0176 96120916
www.burggarten-blankenberg.de

Öffnungszeiten:
April bis September von 10 bis 18 Uhr,
im März und Oktober bei günstiger Witterung.

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