WACHOLDERHEIDE GLEYER

"DIE BEER SEIND DEM MAGEN GUT"

 
 
Nebelschwaden hüllen die Landschaft in dämmriges Licht - nur selten verirrt sich ein Mensch vor Sonnenaufgang in das Naturschutzgebiet "Gleyer", einer Bergheide im Märkischen Sauerland bei Meinerzhagen. Bei zunehmendem Tageslicht werden aus schemenhaften Gestalten am Wegesrand urwüchsige Wacholderbüsche: mal baumförmig und über fünf Meter hoch, mal strauchähnlich oder von bodennahem flachen Wuchs.

 
 
Mehrere hundert Jahre alt können die immergrünen Nadelgehölze aus der Familie der Zypressengewächse werden, die seit alters her wegen ihrer Heilkraft und als Gewürz geschätzt werden.
Entstanden sind die Heiden bereits vor über 1.000 Jahren: Schafe, Rinder und Ziegen, die in den Wäldern der Gegend weideten, haben nach und nach alle Laubgehölze abgefressen - nur den nadelspitzigen Wacholder rührten sie nicht an. Vom Schattenwurf anderer Bäume befreit, fand die Licht liebende Pflanze hier ideale Lebensbedingungen.

 
 
Die Menschen wussten das stachelige Gehölz zu schätzen: "Die beer seind dem magen gut / Sie vertreiben den husten / das bauchblehen / unnd allerley gifft", preist der Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs in seinem "New Kreüterbuch" von 1543 die heilende Wirkung der Wacholderbeeren. Bei Magenbeschwerden, Wassersucht, Gicht, Krätze oder Husten waren Früchte jahrhundertelang ein probates Hausmittel. Und was den Menschen dienlich war, konnte auch dem Vieh nicht schaden: Immer "wenn die Tiere nicht käuten" oder "die Milch sich schlecht verbuttern ließ", verabreichten die Bauern des Oberbergischen Landes ihren Kühen einen Absud aus Wacholderbeeren, der dann gleich waschkesselweise aufgebrüht wurde.

 
 
Doch um 1900 lohnte sich die Schaf- und Ziegenhaltung nicht mehr, und in vielen Mittelgebirgsregionen wurden die Heiden mit Kiefern und Fichten aufgeforstet - von den ehemals ausgedehnten Bergheiden blieben nur noch kümmerliche Reste übrig. Manche dieser Gebiete wurden schon in den 1930er Jahren unter Naturschutz gestellt und zählen zu den ältesten Naturschutzgebieten überhaupt. In Verbindung mit Hangmooren und Borstgrasrasen leben hier viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere wie Arnika, Haselhuhn oder Heidelerche.

 
 
Den Licht liebenden Wacholder bedrängten Baum- und Straucharten, die nun nicht mehr durch weidende Schafe und Rinder klein gehalten wurden. Die natürliche Verjüngung blieb aus, da Wacholdersamen nur auf offenem Boden keimen. Weil die Bestände immer mehr "vergreisten", begannen Naturschützer damit, die Heideflächen wieder zu bewirtschaften. Etwa im Naturschutzgebiet "In der Gambach" im siegerländischen Burbach. "Fichten, Kiefern, Birken, Weiden- und Faulbaum mussten gefällt werden, um die bedrängten Wacholder wieder freizustellen", erklärt Jürgen Sartor vom NABU Kreis Siegen-Wittgenstein. "Im zweiten Schritt sorgt jetzt ein Wanderschäfer mit seiner Herde dafür, dass die offenen Heideflächen nicht wieder mit Bäumen und Sträuchern zuwuchern."


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Im Auftrag der NRW-Stiftung hat das Institut für Kartographie und Geoinformation der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit der Abteilung Geobotanik und Naturschutz zu diesem und weiteren Projekten der NRW-Stiftung ausführliche wissenschaftliche Informationen erstellt. Diese stellen die Flora und Fauna sowie die Vegetation des Naturschutzgebietes dar und setzen sich mit seiner Entwicklung, Pflege und Nutzung auseinander. [mehr]
Die NRW-Stiftung förderte den Erwerb zweier Wacholder-Bergheiden in den Naturschutzgebieten "Gleyer" (Märkischer Kreis) und "In der Gambach" bei Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein). Die Gebiete werden mit Unterstützung örtlicher Naturschutzgruppen gepflegt, damit die urigen Wacholderbestände und die bedrohten Lebensgemeinschaften der Bergheiden dauerhaft erhalten bleiben. Informationen zum Wacholder als "Baum des Jahres" unter: www.baum-des-jahres.de im Internet.

Googlemap aufrufenDas Naturschutzgebiet Gleyer liegt in der Nähe von Meinerzhagen.
Web: www.natura2000.murl.nrw.de/

Das Naturschutzgebiet Gambach liegt bei Burbach im Siegerland.
Web: www.burbach-siegerland.de
E-Mail: rathaus@burbach-siegerland.de

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